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Eine traditionsreicher Verein sagt Adieu: Im Jubiläumsjahr ist endgültig Schluss

Eine traditionsreicher Verein sagt Adieu : Im Jubiläumsjahr ist endgültig Schluss

Der einst starke Gesellen-Club Sulzbach löst sich nach 125 Jahren auf. Die Fahne der Vereinigung lagert nun im Rathaus.

Nie und nimmer wird man heutzutage auch nur halbwegs die Anzahl der Handwerksbetriebe in Sulzbach Anfang der 1950er Jahre erraten können. Und wenn, ist vielleicht Zauberei mit im Spiel? Ums nicht ganz so spannend zu machen: Es waren sagenhafte 228.  Im  „Bekleidungs- und Reinigungshandwerke“  sowie im „Handwerke der Körperpflege“ waren es allein 80 Betriebe, im metallverarbeitenden Handwerk 30, unter der Rubrik Nahrungs- und Genussmittel genau 56. Dies und noch viel mehr geht aus der Festschrift zum 60-jährigen Stiftungsfest  des „Gesellen-Club 1892 Sulzbach“ im Juli 1952  hervor.

Und nun? Löst sich dieser Gesellen-Club nach 125 Jahren des Bestehens in Wohlgefallen auf. Einige der nur noch 15 Mitglieder - mit einem Durchschnittsalter von 78 Jahren, wie der Vorsitzende Christian Pitz der Saarbrücker Zeitung  verriet -  waren am gestrigen Dienstag zu Gast im Rathaus-Festsaal, um würdevoll die Sache zu Ende zu bringen und Bürgermeister Michael Adam die Vereinsfahne zu übergeben. Der Heimathistoriker Werner Klee hatte eine Foto-Ausstellung beigesteuert und schenkte den Mitgliedern auch eine CD mit vielen Bildern, die von  den Aktivitäten des Clubs zu seinen besten Zeiten erzählen. Michael Adam sprach von einer außergewöhnlichen Feierstunde und würdigte die „sehr traditionsreiche Geschichte“ des Vereins. Wehmut ließ er gar nicht erst aufkommen. Vielmehr erinnerte er an die besten Zeiten, als noch Hunderte von Menschen an den beliebten Vereinsfahrten teilnahmen. Trauer ließ in der kleinen Feierstunde auch Gerda Schulien nicht aufkommen, denn sie steuerte Lieder zu ihrer  Akkordeonmusik bei.

Aus der Chronik des zum Jahresende zu liquidierenden Clubs geht hervor, dass  vor 125 Jahren die Handwerksgesellen in Sulzbach auf sich allein gestellt waren. Fremde Gesellen konnten keinen Anschluss an die Bevölkerung bekommen, denn in deren Augen  handelte es sich bloß um „Handwerksburschen“. Um nun die Geselligkeit unter sich zu pflegen, fanden sich 1892 zirka 24 Handwerker zusammen und gründeten den Gesellen-Club  unter der bis heute geltenden Maxime:  „In Treue fest!“. Nun kann man regelmäßig im Gasthaus Minnig zusammen. Die Schar der Mitglieder wuchs zusehends, doch  die Bevölkerung stand der Gruppierung noch immer ablehnend gegenüber.

Ein Beweis dafür: Am ersten Rosenball 1893  war nicht eine einzige Dame zugegen. Sogar die Töchter der Meister, bei denen doch die Gesellen arbeiteten, fehlten  gänzlich. Mit Handwerksburschen wollte man sich nicht an einen  Tisch setzen. Um so eiserner hielten die Gesellen zusammen. In späteren Jahren wurden die Veranstaltungen des Clubs  - besonders der Rosenball – als die schönsten von allen bezeichnet. Nach 15-jährigem Bestehen fand die Fahnenweihe statt, was mit einem großen  Volksfest einher ging. Das Vereinsleben kam mit Ausbruch des I. Weltkrieges völlig zum Erliegen, fünf Mitglieder ließen gar ihr Leben. 1919 aber ging  es weiter. Im Jahr 1932 gehörten dem Club 140 Mitglieder und 29 Ehrenmitglieder an - alles Handwerksgesellen und Meister. Und dann kam die Nazi-Zeit und mit ihr die Forderung nach Auflösung der Vereinigung. Der Gesellen-Club verschwand von der Bildfläche. Vorübergehend, denn 1949 fand die Versammlung zur Neugründung statt - mit 52 Kollegen. Das Clubleben kam ordentlich in Schwung und mit ihm einige große Feste.  Anfang der 50er Jahre hatte der Club nahezu 200 Mitglieder. Das 75-jährige Bestehen im Jahr 1967 wurde mit großem  Umzug und Festzelt gefeiert, was in der Bevölkerung großen Anklang fand. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Gesellen-Club 218 Mitglieder an. 2006 wurde Christian Pitz zum  Vorsitzenden gewählt, damals zählte man noch 31 Mitglieder. So ging es unaufhaltsam  dem  Ende entgegen, denn von den heute betagten Herrschaften können an den regelmäßigen Versammlungen nur noch wenige Leute teilnehmen.