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Malgorzata
Ihre Bilder erzählen surreale Geschichten

Die Bilder von Malgorzata Sztremer zeigen häufig Szenen, die dem Betrachter viel Spielraum bei der Interpretation lassen.
Die Bilder von Malgorzata Sztremer zeigen häufig Szenen, die dem Betrachter viel Spielraum bei der Interpretation lassen. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Werke der Künstlerin und HBK-Dozentin Malgorzata Sztremer sind derzeit in den Räumen des Kulturvereins Burbach zu sehen. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Malgorzata Sztremer sitzt in ihrer aktuellen Gemälde-Ausstellung beim Kulturverein Burbach und überlegt sehr genau eine Antwort auf die Frage, wie sie zur Kunst gekommen ist. „Ich glaube, ich wollte im Alter von 14 Jahren meine Mutter porträtieren. Aber mit vielen Farben, wie die Impressionisten“, erzählt die Künstlerin aus ihrem Leben. Malgorzata Sztremer wurde in Bytom, in Polen geboren. Obwohl sie aus keinem künstlerischen Elternhaus stammt, erhielt sie früh Unterricht. „Es gab in Bytom einen Maler, bei dem ich nach der Schule Kurse besucht habe, mehrmals in der Woche“, fährt sie fort. Und die Malerei hat sie nicht mehr losgelassen.



Daher hat sie sich nach der Schule an der Kunstakademie in Krakau beworben, einer strengen, klassischen Kunsthochschule. „Bei der dritten Aufnahmeprüfung habe ich dann bestanden“, sagt sie und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Das Kunststudium hat in mehrerer Hinsicht einen großen Einfluss auf ihr Leben ausgeübt. Denn zuerst ist die Kunst bis heute ihr Beruf und ihre Berufung, aber dann lernte sie an der Kunstakademie in Krakau auch ihren heutigen Ehemann Andreas Golczewski kennen. Während sie in Krakau ihr Studium beendet, wechselt ihr späterer Mann im Jahr 1994 an die Hochschule der Bildenden Künste Saar. „Dann habe ich aber entschieden, auch noch in Saarbrücken Kunst zu studieren“, berichtet sie weiter. „Die Herangehensweise war eine andere. Das hat mich fasziniert. Während man in Krakau die Kunst eher von außen betrachtet, liegt hier der Schwerpunkt darauf, was aus einem selbst, aus dem Inneren kommt“. Daher zieht Malgorzata Sztremer 1997 nach Saarbrücken, macht zuerst einen Deutschkurs, dann ihre Aufnahmeprüfung und studiert auch hier Kunst. Seit ihrem Diplom im Jahr 2003 arbeitet sie freiberuflich, lebt mit ihrem Mann und zwei fast erwachsenen Kindern in Saarbrücken, hat Lehraufträge an der HBK, ist dort Dozentin an der Abendschule.

Von sich reden machte sie, als sie mit ihrem Mann im Jahr 2008 das „Museum Gosz – Raum für Kunst und Kommunikation“ eröffnet und dort Ausstellungen von Kollegen veranstaltet. „Heute machen wir von Zeit zu Zeit immer noch Ausstellungen von Freunden, dann aber in unserem Atelier in der Mainzer Straße“, erklärt sie und sitzt ruhig auf dem altmodischen Sofa im Ausstellungsraum des Kulturvereins Burbach. Die ruhige, stille, aber auch tiefgründige Ausstrahlung, die sie hat, findet sich auch in ihren Gemälden wieder. Dort werden phantastische Szenen dargestellt, die wie Bilder aus Träumen wirken. Meist stellt Malgorzata Sztremer in ihren surrealen, aber detaillierten Gemälden eine unwirkliche Szene oder Landschaft dar, in denen weibliche Figuren die Protagonistinnen sind. „In meinen Gemälden geht es um die Weiblichkeit in allen möglichen Facetten, vom Ursprung des Lebens bis hin zur Bewältigung des Alltags. Viele Malerinnen haben sich aus weiblicher Sicht der Kunst gewidmet, und damit habe ich mich viel beschäftigt“, erklärt sie dazu.

Auch die gedeckten Farben der Gemälde tragen zu deren stiller, ruhiger Wirkung bei. Trotzdem ist da auch eine Verunsicherung, die sich beim Betrachten der Gemälde einstellt. Denn die Bilder scheinen Geschichten zu erzählen, die sich dem Betrachter nicht erschließen. „Meine Gemälde sind offen. Der Betrachter hat die totale Freiheit, wie er die Bilder wahrnimmt, wie er sie interpretiert. Das ist ein Wesentliches meiner Arbeit“, erzählt sie. Und dann fügt sie hinzu, dass es meist ein zufällig gehörter oder gefundener Satz ist, der sie zu ihren Gemälden inspiriert. „Aber die Bilder entwickeln sich weiter.“ Und zeigen dann mal eine Frau in einer Landschaft mit viel zu kleinen Füßen, dann eine Alchimistin beim Sammeln von Salzen, neben einem toten Baumstamm mit Eule oder Figuren in einem Sandsturm neben einem Dromedar – ruhig, still und aufwühlend zugleich.

„Masken für die Zeit.“ Ausstellung von Malgorzata Sztremer im Kulturverein Burbach (Saarbrücken, Burbacher Straße 20). Geöffnet bis 24. November, montags bis freitags von 9.30 Uhr bis
17 Uhr. Am 24. November ab 19 Uhr Finissage mit der Künstlerin.

www.kulturverein-burbach.de