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Interview mit Louka
„Ich war zur rechten Zeit am rechten Ort“

Die St. Ingberter Singer/Songwriterin Louka.
Die St. Ingberter Singer/Songwriterin Louka. FOTO: Sophie Kirsche/Kultopolis / Sophie Kirsche
Die Sängerin Louka kommt im April nach Saarbrücken. Ihre Lieder schreibt die Wahl-Berlinerin auf einer Schreibmaschine. Von Kai Florian Becker

Die Saarländerin Lisa Marie Neumann, besser bekannt als die Pop-Singer/Songwriterin Louka, lebt seit drei Jahren in Berlin. Zuvor studierte die 31-Jährige Popmusikdesign an der Popakademie in Mannheim, wo sie auch ihre frühere Band „marie and the redCat“ fand.


Wann hatten Sie realisiert, dass Sie singen und live auftreten wollen? Gab es einen entscheidenden Moment?



Louka Es gab nicht diesen einen Tag. Ich habe schon immer Musik gemacht. Ich spielte bis ich 15 oder 16 war Geige. Dann war ich von der Klassik genervt und habe - mehr schlecht als recht - Gitarre gelernt. Ich begann, eigene Songs mit englischen Texten zu schreiben und hatte verschiedene Bands - eine davon war „marie and the redCat“.

Über welche Stationen sind Sie in Berlin gelandet?

Louka Mein Weg führte von St. Ingbert nach Mannheim und von dort nach Berlin, wo ich mit der alten Band ein Engagement am Theater hatte. Wir haben mit unseren Songs das Stück „Zeit zu lieben, Zeit zu sterben“ von Fritz Kater untermalt. Dabei lernte ich Johannes Hofmann kennen, einen Theatermusiker, der mich später ans Züricher Schauspielhaus holte, um dort im Trio die Musik zu „Alice im Wunderland“ zu erarbeiten und live am Stück mitzuwirken. Das war eine tolle Erfahrung, die vielleicht den ersten Stein auf meinem Weg zu meinem derzeitigen Projekt Louka gelegt hatte. Von Zürich ging es über Mannheim dann wieder nach Berlin. Diesmal, um dort zu leben.

Ein ziemliches Hin und Her...

Louka Na, das hoffe ich doch. Ich habe mir dieses Leben ausgesucht. Wenn du als Musiker nicht unterwegs bist, dann wirst du depressiv (lacht).

Warum hat es Sie gerade nach Berlin verschlagen?

Louka Mein musikalischer Gegenspieler, Johann Seifert, kommt von dort. Mit ihm schreibe ich den Großteil meiner Songs. Wir haben uns beim Studium in Mannheim kennengelernt und auch zusammen bei „marie and the redCat“ gespielt. Leider hatte die Band sich aufgelöst, und zu jener Zeit war für mich die Stimmung in Mannheim nicht mehr so toll. Ich habe dann überlegt, ob es nicht gut wäre, als Musikerin in einer Großstadt zu leben. Also gingen wir nach Berlin. Ich wohne seit drei Jahren dort und würde jetzt sagen: Ich weiß mittlerweile, wie man sich in dieser Stadt bewegt und wo ich gerne hingehe, merke aber, dass es vielleicht doch nur eine Zwischenstation auf meinem Weg ist. Berlin kann aufreibend sein; die Stadt lockt zu viele Menschen an.

Wie wichtig war der Umzug nach Berlin für Ihre Karriere?

Louka Es war eine gute Entscheidung. Es kommt natürlich darauf an, wie man Karriere definiert. Von außen betrachtet ist es natürlich cool, bei Four Music einen Plattenvertrag unterschrieben zu haben. Aber was dann in der Realität passiert, würde ich nicht mit dem Wort Karriere umschreiben, das ist so aufgeladen. Ich gehe Schritt für Schritt meinen Weg mit diesen Partnern und bin dankbar dafür. Ja, es war ein wichtiger Schritt, und ich war zur rechten Zeit am rechten Ort. Ich hatte Glück. Das was ich mache, ist meines Erachtens schon gut. (lacht) Andererseits gibt es so viele gute Künstler.

Es heißt, Sie tragen stets ein Notizbuch bei sich, in dem Sie Beobachtungen notieren, die dann in die Texte einfließen. Sie sollen mittlerweile ein ganzes Regal voller gleichaussehender Notizbücher haben. Stimmt das?

Louka Es klingt vielleicht ein wenig bescheuert, aber ich bevorzuge die Bücher eines japanischen Ladens namens Muji. Ich schreibe einfach gerne mit der Hand, habe in der Grundschule schon gerne geschrieben. In den Büchern sammle ich Sätze, Wörter, Gedanken oder was jemand anderes gesagt hat. Ich finde, wenn man am Computer schreibt, löscht man gerne wieder etwas, weil es einem nicht mehr gefällt. Und dann ist es für immer verloren. Ich muss auch zugeben, dass ich etwas vergesslich und zerstreut bin. (lacht)

Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, zum Texten die Bücher zu sichten und aus der Flut an Puzzleteilen ein Lied zu basteln.

Louka Es dauert ewig, und man legt nach dem Sichten die Bücher zur Seite und ist erst einmal ein bisschen gaga. (lacht) Aber ich weiß auch ungefähr, wo ich was finde. Ich habe mir letztens eine mechanische Schreibmaschine gekauft, weil man bei haptischen Dingen eine andere kreative Energie verspürt. Auf der schreibe ich jetzt nicht alle meine Texte, aber alles, was mir zuhause in den Sinn kommt. Außerdem schreibe ich jeden Morgen eine halbe Stunde nach dem Aufstehen alles auf, was mir einfällt und schaue, was dabei rumkommt. Das mache ich jedoch am Computer und markiere mir interessante Stellen.

Louka tritt am Mittwoch, 25. April, 19 Uhr, im Kleinen Klub, in Saarbrücken auf.

Die Fragen stellte Kai Florian Becker