| 21:52 Uhr

Schullektüre, die zum Theater wird
„Ich fühle mit diesem unglücklichen Jungen“

Ein Meer von Plastik: Probenszene von „Ins Nordlicht blicken“ mit Eva Coenen, Nicolas Bertholet und Gerrit Bernstein (v.l.). 
Ein Meer von Plastik: Probenszene von „Ins Nordlicht blicken“ mit Eva Coenen, Nicolas Bertholet und Gerrit Bernstein (v.l.).  FOTO: überzwerg/Mirka Borchardt
Saarbrücken. Das Theater Überzwerg spielt „Ins Nordlicht blicken“. Schülerinnen und Schüler stellen Fragen. Von Susanne Brenner

() Das Kinder- und Jugendtheater Überzwerg inszeniert ein Stück nach einem Jugendroman der erfolgreichen Autorin Cornelia Franz. „Ins Nordlicht blicken“ erzählt eine Geschichte über Verantwortung und Schuld, über die Suche nach der Identität und das Wachsen einer eigenständigen Persönlichkeit. Eingebettet in die Handlung ist zudem das Thema Klimawandel und Naturzerstörung. Der erfolgreiche Roman ist gerade Schullektüre der Klasse 10a der Maria-Montessori-Gemeinschaftsschule Saar in Friedrichsthal. Eine schöne Gelegenheit, Jugendliche selbst ihre Fragen an die Autorin stellen  zu lassen. Marline, Luise, Christopher und Nils, 16 bzw. 15 Jahre alt, haben Cornelia Franz für uns interviewt.


Luise: Fiel es Ihnen leicht, sich als Frau in die Sicht eines Jungen zu
versetzen?

Cornelia Franz: Es ist ja der Beruf (und das Talent) einer Autorin, sich in die unterschiedlichsten Menschen hineinzufühlen.



Marline: Haben sie die Zeitsprünge wirklich immer abwechselnd
geschrieben oder erst die eine und dann die andere Zeit?

Cornelia Franz: Immer abwechselnd, so dass der eine Handlungsstrang den anderen beeinflussen und beflügeln konnte.

Luise: Ist Ihnen die Hauptfigur sympathisch?

Cornelia Franz: Ja. Ich fühle mit diesem unglücklichen Jungen/Jugendlichen/Mann mit.

Christopher: Wieso schreiben Sie 2011 in Ich-Form und 2020 aus
Erzähler-Perspektive?

Cornelia Franz: Die Ich-Form ist eine sehr nahe, persönliche Erzählweise, die gut zu Pakkus bewegtem Innenleben passt. Nachdem er die Identität gewechselt hat, verliert er ja die Beziehung zu seinem eigenen Ich. Da passt die distanzierte Erzählweise dann natürlich besser.

Luise: Glauben Sie, dass die Zukunft, so wie Sie sie im Buch schildern, stattfinden wird? Wenn ja, haben Sie Angst vor dem, was auf uns zukommt  oder sind Sie neugierig?

Cornelia Franz: Vieles von dem, was ich beschrieben habe, passiert ja bereits. Wir gewöhnen uns daran, dass ganze Landstriche verwüstet werden. Und in Grönland hat eine neue, „grünere“ Zeit schon längst begonnen, die von Vielen dort sogar durchaus positiv gesehen wird. Ich habe keine Angst vor der Zukunft, sondern bin eher neugierig – deshalb möchte ich auch gerne sehr alt werden.

Nils: Wie kommen Sie darauf, dass 2020 New York untergeht?

Cornelia Franz: Alle Orte, die am Meer liegen, sind gefährdet, durch schwere Fluten zerstört zu werden. Nach dem Hurrikan Katrina war zum Beispiel New Orleans kaum noch bewohnbar. Das US-Ministerium für Stadtentwicklung plant, Manhattan
durch zusätzliche Wälle und vorgelagerte Pufferzonen vor künftigen
verheerenden Sturmfluten zu schützen.

Christopher: Wie kommen Sie darauf, dass die Mutter an Atomstrahlung stirbt?

Cornelia Franz: Die Mutter stirbt nicht an Strahlung, sondern an Drogen. Ihr Drogenkonsum ist jedoch Ausdruck ihrer Hoffnungslosigkeit. Der Ort, an dem sie aufwuchs, wurde atomar verstrahlt. Es ist Teil der grönländischen Geschichte, dass beim Absturz eines US-Atombombers vor Qaanaaq am 21. Januar 1968 die nähere Umgebung verseucht wurde.

Christopher: Beschreiben Sie Ihre Vorstellung von Grönland oder waren Sie schon mal da und finden es wirklich so langweilig?

Cornelia Franz: Als ich Grönland besucht habe, fand ich es alles andere als langweilig, sondern sehr faszinierend – aber ich war ja auch als Touristin dort. Für viele junge Inuit ist es jedoch ein Ort, von dem sie weg wollen, da es kaum Arbeitsplätze für sie und wenig Abwechslung gibt.

Premiere am Samstag, 3. Februar, 19.30 Uhr, im Theater Überzwerg, St. Arnual. Tel. (06 81) 9 58 28 30.

Cornelia Franz beantwortete die Schülerfragen.
Cornelia Franz beantwortete die Schülerfragen. FOTO: Christian Anhalt