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Frau Ophüls
„Ich bin oft genug die Quotenfrau“

Volle Säle wünscht sich die Festivalchefin auch für 2018. Im letzten Jahr platzten die Cinestar-Kinos aus allen Nähten.
Volle Säle wünscht sich die Festivalchefin auch für 2018. Im letzten Jahr platzten die Cinestar-Kinos aus allen Nähten. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Powerfrau mit Leidenschaft für Leute, die Filme machen. Die 29-jährige Ophüls-Chefin Svenja Böttger war bei uns zu Gast. Von Susanne Brenner

Oje, das Knie. Das macht Svenja Böttger noch immer zu schaffen. Im Sommer ist sie „einfach nur ganz blöd draufgefallen“. Zeitweise durfte sich die 29-Jährige quasi gar nicht rühren, „höchstens einmal am Tag ins Büro humpeln“. Mucken macht das Knie immer noch. Aber man hat nicht den Eindruck, dass sich die Chefin des Saarbrücker Max Ophüls Filmfestivals davon irgendwie bremsen lässt. Beim Besuch in der SZ-Redaktion ist die junge Frau fröhlich, temperamentvoll und voller Elan.


Noch eineinhalb Monate bis zum zweiten Festival unter ihrer Regie. Da ist noch ein bisschen Luft für solche Gespräche. Seit eineinhalb Jahren ist die junge Berlinerin Chefin des neben den Perspectives wichtigsten Saarbrücker Festivals. Behutsam drückt sie dem Ganzen ihren Stempel auf. Und auf ihrem Stempel steht ganz dick: Alles für die Filmer. „Wir sind Filmemacher-zentriert, nicht Film-zentriert“, sagt sie, „das Team gehört dazu.“ Branchen vernetzen, Länder vernetzten, in Kontakt bringen, Zukunft ausloten – das sind so Begriffe, die immer wieder fallen im Gespräch. Fürs Publikum, für die Verantwortlichen bei Stadt und Land, vielleicht auch für die Sponsoren mag vor allem wichtig sein, wer ab 22. Januar über den roten Teppich läuft. Für Svenja Böttger ist es wichtiger, was an professionellen Begegnungen stattfindet. Von ihrem Festival soll der deutschsprachige Film profitieren.

Wenn man sie nach ihrem Traum für den Ophüls-Preis fragt, kommt nicht etwa: Ich hätte mal gern Star XY da. „Volle Säle“, will sie natürlich. Aber dann folgt sogleich der Wunsch, „dass der Weg für die Filmemacher nach dem Festival weitergeht, auch international“. Und sie wünscht sich, dass: „wenn man über den deutschsprachigen Filmnachwuchs spricht, immer Saarbrücken genannt wird“. Der „Place to be“, soll ihr Festival sein.



Dafür arbeitet sie hart, reist kreuz und quer durch die Filmwelt. München, Locarno, Hamburg, Berlin . . . – „mein Kalender ist jetzt schon bis August durchgetaktet“, erzählt sie. Da sitzt sie dann schon mal zehn Stunden im Zug zum Filmfestival Cottbus, lagert das schmerzende Bein hoch und sichtet auf dem Laptop Filme für ihr Festival. Zwischendurch hat sie Lehraufträge an verschiedenen Filmhochschulen. Eine eifrige Netzwerkerin fürs Saarbrücker Festival, die praktischerweise dank ihrer Eltern weiter einen Wohnsitz in Berlin hat, da, wo viele wichtige Film-Institutionen ihren Sitz haben. Über das aktuelle Festival verrät sie noch nicht allzu viel im SZ-Gespräch. So knapp eineinhalb Monate vorher sei ja auch noch manches im Fluss. Dass sie als Eröffnungsfilm „Der Hauptmann“ von Robert Schwenke zeigen, steht aber schon fest. Und sie ist froh über die Möglichkeit, mit diesem schonungslosen Werk über die deutsche Wehrmacht als Festival politisch Haltung zeigen zu können. „Es ist kein klassischer Eröffnungsfilm“, sagt sie, „aber wir heißen nicht umsonst Max-Ophüls-Festival, wir haben ein Herkunft, die man zeigen sollte. Und wir wollen Haltung zeigen in der aktuellen Zeit.“

Ansonsten kann das Festival ja nur so politisch sein wie die Filme, die der Nachwuchs einreicht. Und da kann sie zumindest so viel schon mal sagen: „Genre ist ein ganz großes Thema für den Nachwuchs.“ Will heißen, die jungen Filmer drehen derzeit gern Western, Mystery oder Science-Fiction zum Beispiel. Und: Es sind nicht so viele Frauen dabei wie im letzten Jahr. Von 16 Spielfilmen im Wettbewerb kommen sieben von Frauen, „aber in den anderen Wettbewerben sieht es nicht so gut aus wie im Vorjahr“.

Svenja Böttger würde aber nicht damit anfangen, eine Frauenquote im Film zu fordern. „Es sollte das Talent entscheiden, nicht das Geschlecht“, findet sie. In der Jury und bei den Branchentagen achtet sie dagegen schon auf Ausgeglichenheit. Auch wenn das manchmal schwierig sei. „Nicht, dass es keine guten Frauen gibt, aber die sind alle beschäftigt“, stöhnt sie. „Gefühlt drehen alle im Januar.“

Auch persönlich ist die 29-Jährige mit dem Thema Frauen konfrontiert. „Man wird oft genug als Quotenfrau angefragt und ist schon froh, wenn man mal zu zweit ist.“ Aber auch subtile Formen der Diskriminierung sind ihr nicht fremd. „Wenn ich unbequem werde und nicht passe, bin ich sofort 29 und eine Frau“, will heißen „zickig und hysterisch“. Und die aktuelle „Me too“-Debatte über sexuelle Übergriffe in der Filmbranche, sagt sie, könne man „eins zu eins auf hier übertragen“. Wobei sie, wie sie sagt, „das Schweigen der Männer, die einfach mitlaufen“ fast genauso schlimm findet.

Allerdings, da legt sie im Gespräch großen Wert darauf: Hier in Saarbrücken habe sie bei ihren direkten Unterstützern nur positive Erfahrungen gemacht. „Ich habe fast nur offene Türen vorgefunden, es gibt sehr, sehr viel Unterstützung in der Stadt“. Und die Menschen hier haben es ihr angetan. „Warum funktioniert Ein Bett für Jungfilmer hier so gut? Weil die Saarbrücker so offen und herzlich sind“. Als sie nach ihrem ersten Festival im Januar nach Berlin zur Berlinale gekommen sei, „war ich geschockt, wie unfreundlich mir plötzlich meine eigene Heimatstadt vorkam“. Auch einen guten Physiotherapeuten für ihr Knie habe sie jetzt gefunden, sagt sie. Es steht also alles auf guten Füßen fürs 39. Saarbrücker Ophüls-Festival.

Der Max Ophüls Preis 2018 beginnt am 22. Januar und endet am 28. Januar. Infos über das Programm unter www.max-ophuels-preis.de

Das Festival der Herzen ist der Ophüls-Preis vor allem Dank der Saarbrücker. Die findet Svenja Böttger ungewöhnlich herzlich.
Das Festival der Herzen ist der Ophüls-Preis vor allem Dank der Saarbrücker. Die findet Svenja Böttger ungewöhnlich herzlich. FOTO: picture alliance / dpa / Oliver Dietze
Prominenz gehört zu einem Filmfestival. Letztes Jahr war Heiko Maas mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Natalia Wörner da.
Prominenz gehört zu einem Filmfestival. Letztes Jahr war Heiko Maas mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Natalia Wörner da. FOTO: Oliver Dietze
Fröhlich und guter Dinge trotz verletztem Knie: Svenja Böttger im Redaktionsgespräch.
Fröhlich und guter Dinge trotz verletztem Knie: Svenja Böttger im Redaktionsgespräch. FOTO: Iris Maria Maurer