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Hilfsangebot im Raum Saarbrücken bei Sterbefällen in der Familie

Seelsorge : Kirche bietet neuen Beistand am Lebensende

Sterbende und die Menschen, die sie lieben, sollen jemanden haben, der für sie da ist. Dafür gibt es ab 2022 ein Hilfsangebot im Raum Saarbrücken. Erreichbar ist dieser Beistand dann rund um die Uhr.

Eine Heimbewohnerin liegt nachts im Sterben. Die Angehörigen wünschen sich, dass ein Seelsorger kommt. Das Pflegepersonal erreicht aber im Pfarrbüro nur den Anrufbeantworter. Was nun?

Für Situationen wie diese soll im Frühjahr 2022 im Pastoralen Raum Saarbrücken das Kompetenzzentrum Sterben, Tod und Trauer eingerichtet werden. In Pastoralen Räumen bietet das sich umstrukturierende Bistum Trier neue, am Menschen in seinem Alltag orientierte Formen der Seelsorge. Ein Ergebnis ist die intensivere Form des Beistands für Sterbende und Menschen, die ihnen nahestehen:  „Es wird eine Hotline geben, die 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche erreichbar ist“, sagt Gemeindereferentin Jennifer Jost, Seelsorgerin am Klinikum Saarbrücken.

Angehörige und Einrichtungen sollen beim Kompetenzzentrum jederzeit anrufen können, etwa wenn sie eine Krankensalbung wünschen, eine Beerdigung nach ihren Vorstellungen anmelden oder Unterstützung im Trauerprozess erhalten möchten. Die Idee für das neue Kompetenzzentrum hatte die Fachkonferenz Sterben, Tod und Trauer des Dekanats Saarbrücken. Jennifer Jost und ihre Kollegin Andrea Michely, Klinikseelsorgerin in Sulzbach, leiten sie. „Eine breit und zuverlässig aufgestellte Unterstützung in der letzten Lebensphase beugt Unsicherheiten, Ängste und Komplikationen vor und bestärkt die Betroffenen darin, den Lebensweg selbstbestimmt bis zum Tod gemeinsam gehen zu können“, sagt Jost.

Inspiriert vom Beschluss der Trierer Bistumssynode, Perspektivwechsel zu wagen, beschloss die Fachkonferenz, die seelsorgerische Begleitung von Sterben, Tod und Trauer den veränderten Anforderungen der heutigen Gesellschaft anzupassen. Als Bischof Stephan Ackermann im März das Rahmenleitbild für den Bestattungsdienst veröffentlichte, gab es auch die kirchenrechtliche Grundlage. „Am Anfang stand die Feststellung, dass die bisherige Seelsorge-Struktur nicht mehr den Bedürfnissen vieler Menschen entspricht“, sagt Jost und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Mensch im Sterben liegt, wenden sich die Angehörigen heute nicht mehr zuerst an ihre Pfarrei. Sterbebegleitung hat sich in Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime und Hospize verlagert.“

Auch die Form der Beerdigung werde immer freier gewählt, sodass sie zum Lebensentwurf des Verstorbenen und der Angehörigen passt: Statt des klassischen Sterbeamts wünschten sich zunehmend mehr Leute eine individuellere Gestaltung auch für ein katholisches Begräbnis. Nicht jeder Seelsorger sei dafür offen. „Manche Kollegen gehen zum Beispiel nicht in den Friedwald“, sagt Jost. Sie findet: „Angehörige sollen in ihrer Trauer nicht diskutieren müssen, ob sie beispielsweise ein modernes Lied abspielen oder am Ende der Trauerfeier Luftballons steigen lassen dürfen. Sie haben in dem Moment andere Sorgen.“ Andererseits solle sich niemand genötigt fühlen, seine persönliche liturgische Toleranzgrenze zu überschreiten. Hier soll das Kompetenzzentrum helfen und trauernden Angehörigen die passenden Seelsorgerinnen und Seelsorger vermitteln. Jost plädiert dafür, sich zu öffnen: „Menschen sollen bei der Trauerfeier das bekommen, was ihnen guttut.“

Im neuen Kompetenzzentrum sollen neben Hauptamtlichen geschulte Ehrenamtliche mitarbeiten. „Je mehr, desto besser“, sagt Jost. Ziel ist es, einen Dienstplan mit Rufbereitschaften zu organisieren. Damit nachts nicht ein Seelsorger von Altenkessel nach Auersmacher fahren muss, soll der große Pastorale Raum Saarbrücken in West und Ost geteilt werden.

Bis Jahresende will die Fachkonferenz die Pläne in den Pfarreien vorstellen. „Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele das Angebot zur Zusammenarbeit annehmen“, sagt Jost. Bislang gebe es Interessensbekundungen von sieben Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften. „Wir erhoffen uns eine bessere Erreichbarkeit und eine größere Verlässlichkeit für Betroffene und für die immer größer werdenden Pfarreien eine Entlastung.“

(dpa)