| 20:47 Uhr

Unterwegs in einem anderen Europa
Hier kommen die Spenden wirklich an

Gruppenbild mit Schülern: Die DRFK-Delegation und Preot Ghita (rechts). Die Mitglieder des Deutsch-Rumänischen Freundschaftskreises (DRFK) wurden auf ihrer Tour in West-Rumänien immer freudig begrüßt.
Gruppenbild mit Schülern: Die DRFK-Delegation und Preot Ghita (rechts). Die Mitglieder des Deutsch-Rumänischen Freundschaftskreises (DRFK) wurden auf ihrer Tour in West-Rumänien immer freudig begrüßt. FOTO: Michèle Hartmann
Unterwegs mit dem Deutsch-Rumänischen Freundschaftskreis, der einmal mehr Hilfsgüter nach Lipova im Kreis Arad brachte. Teil 1

Wo sie auch auftaucht, die siebenköpfige Delegation aus dem Saarland – überall ist sie herzlich willkommen. Mitglieder des Deutsch-Rumänischen Freundschaftskreises (DRFK) auf Tour in West-Rumänien – in Lipova-Arad (Banat) und Umgebung. Entfernung: 1400 Kilometer.


Der Vereinsvorsitzende Willi Gehring aus Bildstock fährt seit 30 Jahren in diesen Teil Europas, um die Ärmsten der Armen mit Hilfsgütern zu versorgen. Dass übers Jahr alles mit rechten Dingen zugeht und die Hilfe genau dort ankommt, wo sie unbedingt hin soll, dafür sorgt der rumänische Verbindungsmann Lucian Fenesan. Er kümmert sich auch um das Zentrallager/Sozialmagazin in Lipova, das vor allem Kleiderspenden aufbewahrt. Ein Kilo kostet 1,40 Euro – der Verkaufsraum nebenan ist recht gut frequentiert. Armut ist hier überall sichtbar und  teils so erschütternd. So gelangen wir in Milova in eine kleine Roma-Siedlung mit windschiefen Hütten. Vor einer dieser unvorstellbar ärmlichen Behausungen sitzt ein alter Mann vor der Tür im Gras. Zwei kleine Jungs, offenbar seine Enkelkinder, lassen uns eintreten. Von dem orthodoxen Geistlichen Preot Ghita, der die SZ und den Saarbrücker Kameramann Alexander Kern hierher begleitet, erfahren wir, dass in der Hütte fünf Menschen auf geschätzt acht bis zehn Quadratmetern leben.

Im Winter mag man sich das gar nicht vorstellen, denn bei Temperaturen bis zu 20 Grad minus ist ein längerer Aufenthalt, ein Ausweichen nach draußen völlig undenkbar. Waschbecken und Dusche suchen wir hier vergeblich. In einer anderen, größeren Roma-Siedlung  ist der Lieferwagen des DRFK schnell umringt. Die Menschen freuen sich über die vielen Kartons mit Kleiderspenden aus dem Saarland, sie besitzen offenkundig nur das Nötigste. Und auch hier werfen wir einen längeren Blick in eine der armseligen Häuser.



Zu Gast bei Preot Ghita, in Milova, der ein bescheidenes Leben führt – mit Plumpsklo und Hühnern vor der Haustür: Er freut sich einmal mehr über die finanzielle Unterstützung des DRFK, die der Sanierung seiner kleinen Kirche zugute kommt. Die Feierlichkeiten nach Ende der Bauarbeiten sollen im Herbst dieses Jahres über die Bühne gehen. Gemeinsam beten wir mit ihm und sind dann zum Mittagessen bei ihm zu Hause eingeladen. Ein Gläschen Schnaps gehört dazu. Und wir besuchen die Grundschule in Milova.

Um hier Schulmaterial für jedes Kind zu übergeben. Eine willkommene Abwechslung für die Kleinen. Die Schulleiterin, sagt Willi Gehring, sei eine resolute Frau, die sich sehr um ihre Zöglinge bemüht. Auch um diejenigen, deren Eltern man eher ins bildungsferne Lager einordnen könne. Die monatlich etwa 17 Euro Kindergeld  würden ihnen gestrichen, wenn sie den Nachwuchs nicht zur Schule schickten. Ein Druckmittel, das vielfach Wirkung zeige. Die Schule selbst, so erfährt man von DRFK-Mitgliedern, war bis vor zwei Jahren eine regelrechte Bruchbude. EU-Gelder änderten dies gewaltig.

Für die mitgereisten Vereinsmitglieder Alfons Ley aus Elversberg, Norbert Zech aus Saarlouis sowie  Rita und Jürgen Ludwig aus Püttlingen ist vieles nicht neu, sie waren schon etliche Male vor Ort. Und freuen sich über Fortschritte, die beispielsweise im „Haus Integra“ sichtbar sind. Hier werden wir von drei Frauen empfangen, auf die Willi Gehring große Stücke hält. Auch Integra wird seit 2010  vom DRFK unterstützt. Ein echtes Vorzeigeprojekt mit einer hervorragenden Entwicklung. Und Therapeuten, die einiges bewegen können. 70 Kinder und Jugendliche – mit Autismus oder Down Syndrom – werden hier betreut und gefördert. Gerade ist Sportstunde mit Parcours auf dem Außengelände. Nicht zu übersehen ist der Feuereifer, mit dem die jungen Leute bei der Sache sind und sich abmühen.

Anderntags geht es für die Delegation aus dem Saarland in ein weit abgelegenes Dorf – rund eine Stunde über holprige Pisten. Empfangen werden wir in Cuvesdia von dem Leiter der Einrichtung, die quasi „Endstation“ ist für geistig schwerstbehinderte Menschen. Sie haben keine Angehörigen, die sich um sie kümmern können oder möchten. Also verbringen sie ihr ganzes Leben in der staatlichen Einrichtung, die sich auch auf Hilfe aus dem Saarland verlassen kann. Weder Kameramann Alexander Kern noch die SZ dürfen hier Bilder machen. Es ist schlicht verboten. > Fortsetzung folgt

Wild entschlossen will dieses Kind den Karton mit Kleidern alleine nach Hause tragen. Dieses Geschenk lässt er sich wohl nicht mehr nehmen.
Wild entschlossen will dieses Kind den Karton mit Kleidern alleine nach Hause tragen. Dieses Geschenk lässt er sich wohl nicht mehr nehmen. FOTO: Michèle Hartmann
Willi Gehring (links) und Kameramann Alexander Kern (rechts) in einer Roma-Siedlung. Die Menschen waren erfreut über die Kleidung aus dem Saarland, die hier abgeliefert wurde.
Willi Gehring (links) und Kameramann Alexander Kern (rechts) in einer Roma-Siedlung. Die Menschen waren erfreut über die Kleidung aus dem Saarland, die hier abgeliefert wurde. FOTO: Michèle Hartmann
Diese Kinder freuen sich über Schulmaterial, das der Deutsch-Rumänische Freundschaftskreis ihnen überließ.
Diese Kinder freuen sich über Schulmaterial, das der Deutsch-Rumänische Freundschaftskreis ihnen überließ. FOTO: Michèle Hartmann
Die jungen Leute von Integra mit ihren Betreuerinnen und Betreuern.
Die jungen Leute von Integra mit ihren Betreuerinnen und Betreuern. FOTO: Michèle Hartmann
DRFK-Verbindungsmann Lucian Fenesan und Mitarbeiterin Ileana Galici im Zentrallager. Von hier aus gehen die Sachspenden an arme Menschen in Lipova.
DRFK-Verbindungsmann Lucian Fenesan und Mitarbeiterin Ileana Galici im Zentrallager. Von hier aus gehen die Sachspenden an arme Menschen in Lipova. FOTO: Michèle Hartmann