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Liebevolle Erinnerungen an eine frühere Zeit
Hier ist das Heimatgefühl zu Hause

Annette Bost betreut das Heimatmuseum in Quierschied. Am Sonntag ist es geöffnet.
Annette Bost betreut das Heimatmuseum in Quierschied. Am Sonntag ist es geöffnet. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Besuch im Quierschieder Museum, das am kommenden Sonntag seine Pforten öffnet.

Sechs Buchstaben, die es in sich haben: Heimat. Was ist das? Braucht man das? Braucht das jeder? Braucht Deutschland einen  Heimatminister? Fragen über Fragen, die jeder für sich beantworten kann oder muss. Für Annette Bost ist Heimat der Ort, an dem man sich wohlfühlt. Dort, wo der Mensch  verwurzelt ist. Heimat sei da,  wo man immer wieder hinkommen kann. Und das sehr gerne tut. Vertrautheit spielt da wohl auch eine Rolle, ein Gefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit. Ein bisschen heile Welt, nach der man sich sehnt in Zeiten, in denen Gewissheiten sich davon schleichen und  vieles nicht mehr überschaubar ist.


Annette Bost arbeitet bei der Gemeinde Quierschied, kümmert sich unter anderem um die Bücherei, um Veranstaltungen und seit vielen Jahren auch um das Heimatmuseum in der Ortsmitte (Am Käsborn). Dort sind wir verabredet, um ein bisschen abzutauchen in die Vergangenheit, in die heimatliche Welt, die unsere Kindheit prägte sowie das Leben der  Eltern und Großeltern.  Immer am ersten Sonntag im Monat hat das Museum geöffnet, und zwar von 15 bis 17 Uhr.  Manchmal, sagt Annette Bost, kommen 20 Leute und manchmal niemand. Das seien dann die schlimmsten Sonntage. Die 54-Jährige würde sich sehr viel mehr Zuspruch und Interesse wünschen. Denn es gibt einiges zu sehen, zu entdecken und zu erfahren. Mit Sicherheit ist es ideal für Schulklassen. Damit die Kinder eine Vorstellung vom früheren Dasein bekommen. Beim Anblick einiger Exponate rutscht man in die Vergangenheit hinein. Und will auch eine Zeitlang gar nicht mehr raus. Geistig wegsegeln, alles hinter sich lassen – mit ein bisschen Fantasie gelingt die Übung.

Schon gleich zu Anfang erblickt  man erfreut eine Uralt-Packung Ata – Putz- und Scheuermittel, bis heute präsent. Und den „Starkreiniger“ Imi. Und welches Exponat hat es der Hüterin des Hauses angetan? Annette Bost muss nicht lange überlegen - und greift zur Klickerwasser-Flasche. Die war einst mit einer Glaskugel verschlossen, die ins Gefäß hineingedrückt wurde. In diesem Zusammenhang erfährt man auch, dass es in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Quierschied eine Sprudelabfüll-Fabrik gegeben hat.   Unsere Gesprächspartnerin erzählt auch von einem einst rührigen Heimatmuseum-Förderverein. Dessen Mitglieder hätten eifrig die im Museum ausgestellten Gegenstände zusammengetragen. Im ehemaligen Kultursaal seien sie dann erstmals ausgestellt worden und hätten die Leute begeistert. Später habe die Gemeinde das Haus in der Straße Am Käsborn erworben und somit eine dauerhafte Bleibe für die Exponate gefunden.



Ein Alleinstellungsmerkmal sieht Annette Bost im Übrigen in der Abteilung, die sich der Kohlegruben-Vergangenheit widmet - inklusive Grubenrettung. Über dieses Kapitel weiß sie einiges zu erzählen wie auch über alle anderen betagten Dinge aus  vielen Bereichen des Lebens und der Arbeitswelt. Ganz nebenbei erfahren wir beim Anblick einer Äthermaske, dass es in früheren Zeiten Partys gab, bei der die Gäste sich mit dem Uralt-Narkosemittel weggebeamt haben.

Und was wünscht sich die Gemeindemitarbeiterin für die Zukunft des Museums? Mehr Betrieb, sagt sie, mehr Interesse und dass das Haus unserer Nachwelt noch lange erhalten bleibt. Und vielleicht ein wenig Unterstützung in Form eines Ruheständlers, der den Gästen des Heimatmuseums einiges zu erzählen weiß. Ein ehemaliger Bergmann wäre da wohl ideal. Ein echtes Arschleder würde er hier auch noch vorfinden und sich somit an alte Zeiten erinnert fühlen.

Nach einem interessanten Abend verabschieden wir uns von der Frau im Museum. Wir wünschen ihr, dass ihre Bemühungen mehr gewürdigt werden. Dass sie mehr und mehr Menschen in dem schnuckeligen Haus begrüßen darf. Und sie keinen  Sonntag mit Leerlauf mehr erleben muss.

Auch alte Handwerkskunst kommt im Museum der Gemeinde zur Geltung.
Auch alte Handwerkskunst kommt im Museum der Gemeinde zur Geltung. FOTO: Thomas Seeber