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| 20:25 Uhr

Was macht eigentlich.. Ingrid Braun
„Heute kann ich mir die Rosinen rauspicken“

1999 spielte Ingrid Braun (2.v.r) im Theater „Blauer Hirsch“ mit Kolleginnen einen „Häppi Börsdäi“, einen munteren Kaffeeklatsch. Mit dabei: Alice Hoffmann, Ulrike Donié, Inge Fries und Raffael Badi-Massud.
1999 spielte Ingrid Braun (2.v.r) im Theater „Blauer Hirsch“ mit Kolleginnen einen „Häppi Börsdäi“, einen munteren Kaffeeklatsch. Mit dabei: Alice Hoffmann, Ulrike Donié, Inge Fries und Raffael Badi-Massud. FOTO: blauerhirsch
Saarbrücken. Sie war viele Jahre eins der bekanntesten Gesichter der freien Saarbrücker Theaterszene und als Partnerin von Kommissar Palü im SR-Tatort im Einsatz. Dann ging Ingrid Braun nach Indien. Von Silvia Buss

Bevor Ingrid Braun 2005 Saarbrücken verließ, gehörte sie zu den prägenden Schauspiel-Persönlichkeiten der saarländischen freien Szene. Zusammen mit Alice Hoffmann und Bettina Koch hat sie erst das Theater Überzwerg mitbegründet, dann die Frauentheatergruppe S’Irene und brachte Saarbrücken als Lebensgefährtin von Kommissar Palü erstmals auf die bundesweite Tatort-Landkarte.

Auch wenn sie vorher schon mal gelegentlich der Stadt den Rücken gekehrt hatte, hielt man sie doch im Grunde für eine Einheimische, wenn nicht sogar Eingeborene. Und wollte gar nicht glauben, dass sie 2005 einen Abschied nahm für immer. Und das alles nur für Berlin, wo sie heute lebt?

Ingrid Braun, ihre Stimme klingt am Telefon wie immer, lacht. „Der Grund war eine Indienreise“, sagt sie. Zusammen mit einer Berliner Theatergruppe namens Fliegende Fische wollte Braun wie einst der große Theatermann Peter Brook auf Entdeckungs- und Forschungsreise durch einen anderen Kontinent ziehen.

Rund 60 Jahre alt war sie damals, der richtige Zeitpunkt, um sich noch mal auf ganz Neues einzulassen und Abenteuer zu erleben. Und weil die Reise länger dauern sollte, so acht Monate waren dafür geplant, schien es der Schauspielerin sinnvoll, ihre Saarbrücker Wohnung auflösen und ihre Sachen in Berlin unterzustellen.

Bereut hat sie diesen Schritt nicht. „Zur Vorbereitung der Reise sind wir erst einen Monat nach Kroatien, dann einen Monat nach Tschechien, um dort Workshops mitzumachen,“ erzählt sie im Gespräch mit der SZ. Dann ging es los nach Nepal. In Kathmandu hat die Truppe mit einem Profi-Theater ein Bühnenbild gebaut und zog dann mit einem Bus als modernem Thespiskarren über die Dörfer. Um vor Einheimischen meist unter freiem Himmel aufzutreten, sich von ihnen Legenden erzählen zu lassen, die sie dann in Theater umsetzen.

Die Reise führte sie nach Kalkutta, nach Delhi, nach Goa bis in die tiefste Südspitze Indiens. Manchmal hatten sie ein richtiges Theater zur Verfügung, manchmal arbeiteten sie mit indischen Kollegen, um sich deren Theater- und Tanztradition zeigen zu lassen.

„Ursprünglich war ich ja Tänzerin“, bringt Braun in Erinnerung. Als Tänzerin, die in London studiert hat und in Wuppertal engagiert war, kam die gebürtige Bitburgerin 1969 nach Saarbrücken, um am Staatstheater zu tanzen. „Weil ich hier mit einem Schauspieler liiert war und die Schauspieler immer auf die Tänzer herabschauten, habe ich gesagt: Denen zeig ich’s!“ sagt Braun. Parallel zum Tänzerinnen-Job am Saarländischen Staatstheater absolvierte sie an der Saarbrücker Schauspielschule eine Ausbildung zur Schauspielerin und stieg zudem noch ins Sog.Theater ein.

Dann folgte sie einem Engagement ans Nationaltheater Mannheim – und sie wurde schwanger. Also wieder zurück nach Saarbrücken, wo auch der Kindsvater wohnte. Weil die Sog.Theater-Truppe aufhörte, rief sie mit einigen Mitgliedern der Truppe das Kinder- und Jugendtheater Überzwerg ins Leben. „Alice, Bettina und ich klinkten uns dann aus, machten S’Irene, Musikkabarett aus Frauenperspektive“, erinnert sie sich.

Dann kam ein unwiderstehliches Tanz-Angebot: Sie ging nach Freiburg, wo das Stadttheater eine neue Tanzsparte aufbaute. Vier Jahre und einen Intendanten-Wechsel später war sie wieder zurück in Saarbrücken. Da kamen dann gleich der „Tatort“ und dazu viele kleinere Rollen in Fernsehfilmen und Einsätze beim Rundfunk.

Mit Pianist Wolf Giloi trat sie in Soloprogrammen auf Kleinkunstbühnen auf. Ach ja, dazu kamen auch noch Engagements bei Tourneetheatern. „Aus ganz verschiedenen Töpfen habe ich den Lebensunterhalt zusammengekriegt“, sagt Braun. Die Freie Szene von Saarbrücken habe damals auch deshalb leben können, weil fast fast alle Profis waren und immer auch mal Festengagements hatten.

„Saarbrücken war ein ganz wichtiger Abschnitt in meinem Leben, meine beiden Kinder sind da geboren“, blickt sie zufrieden zurück. „Wenn ich an Saarbrücken denke, denke ich auch an ein Aufgehobensein und freundliche Menschen, das muss man sich in Berlin natürlich abschminken.“

In ihrer neuen Heimat, wo alles hektisch ist, lässt es Braun als Rentnerin etwas ruhiger angehen. „Ich kann mir die Rosinen rauspicken“, sagt sie. Und ist doch immer noch viel unterwegs, auch weil ihre Kinder beruflich in ihre Fußstapfen getreten sind. So griff sie ihrem Sohn als Regisseurin bei freien Produktionen in Barcelona unter die Arme, ihre Tochter spielt in Berlin.

Demnächst will sie auch wieder nach Saarbrücken kommen, um mit ihren S’Irene-Kolleginnen Alice Hoffmann und Bettina Koch auf der Bühne zu stehen. „Vor 30 Jahren haben wir uns das Versprechen gegeben, dass wir unserer erfolgreichstes Stück ‚Komm, ich hab Lust auf Dich‘ noch mal mit den Augen und der Lebenserfahrung von heute aufgreifen“. Die ersten Proben haben schon begonnen.

Tatort-Dreh in Saarbrücken: Ingrid Braun spielte Palüs Freundin. Im Bild v.l.: Kameramann Klaus-Peter Weber, Willi Fries als Palüs Assistent, Ingrid Braun und Jochen Senf als Hauptkommissar Max Palü.
Tatort-Dreh in Saarbrücken: Ingrid Braun spielte Palüs Freundin. Im Bild v.l.: Kameramann Klaus-Peter Weber, Willi Fries als Palüs Assistent, Ingrid Braun und Jochen Senf als Hauptkommissar Max Palü. FOTO: Becker && Bredel / BECKER&BREDEL
1996 war die Hochzeit des „S’Irene“-Theaters. Hier gestaltete Ingrid Braun gemeinsam mit dem Kollegen Jürgen Reitz und dem Pianisten Wolf Giloi einen Friedrich-Hollaender-Abend.
1996 war die Hochzeit des „S’Irene“-Theaters. Hier gestaltete Ingrid Braun gemeinsam mit dem Kollegen Jürgen Reitz und dem Pianisten Wolf Giloi einen Friedrich-Hollaender-Abend. FOTO: paulet
Vor 30 Jahren spielten Ingrid Braun und Bettina Koch das Stück „Komm, ich hab Lust auf dich“. Jetzt wollen die beiden es, mit Lebenserfahrung und Jahren angereichert, neu auf die Bühne bringen.
Vor 30 Jahren spielten Ingrid Braun und Bettina Koch das Stück „Komm, ich hab Lust auf dich“. Jetzt wollen die beiden es, mit Lebenserfahrung und Jahren angereichert, neu auf die Bühne bringen. FOTO: Roger Paulet