| 20:44 Uhr

Busbahnhof: Kunst gegen die Ödnis
Heute hier, morgen dort – mit Kunst

Mit Schrift, die sich je nach Standort des Betrachters verändert und den Worten „von hier“ und „nach dort“ arbeitet Ralf Werner in seinem preisgekrönten Entwurf für Kunst im öffentlichen Raum am Saarbrücker Busbahnhof.
Mit Schrift, die sich je nach Standort des Betrachters verändert und den Worten „von hier“ und „nach dort“ arbeitet Ralf Werner in seinem preisgekrönten Entwurf für Kunst im öffentlichen Raum am Saarbrücker Busbahnhof. FOTO: Ralf Werner/Kulturamt Saarbrücken
Saarbrücken. Ein paar vertragliche Dinge sind noch zu regeln, dann endlich kann Ralf Werners Kunstwerk für den Fernbusbahnhof gebaut werden. Von Silvia Buss

„Städtebaulich ist das durchaus eine Herausforderung“, so umschrieb Ralf Werner am Mittwoch im Kulturausschuss diplomatisch, was er empfand, als er das erste Mal den Saarbrücker Fernbusbahnhof in Augenschein nahm. Als einen „prekären Ort“ hatte die städtische Kunstkommission diesen ungestalteten Platz vor längerem bezeichnet.


Auf deren Vorschlag hatte die Stadt deshalb im Vorjahr einen Künstlerwettbewerb für den Fernbusbahnhof ausgerufen. Für Künstler-Teams und Einzelkünstler hatte die Stadt zu diesem mit 50 000 Euro ausgestatteten Wettbewerb „Kunst im öffentlichen Raum“ eingeladen.

Unter diesen war Ralf Werner, seit acht Jahren Professor für Bildnerisches Gestalten an der Hochschule für Bildende Kunst (HBK) Saar, mit seinem Entwurf Ende Juni als Sieger hervorgegangen. Diesen Entwurf wollte er am Mittwoch den Mitgliedern des Kulturausschusses erläutern.



Doch was kann Kunst bei einem verkorksten Platz ausrichten? Diese Frage stellte auch Werner am Mittwoch noch einmal in den Raum. „Soll sie da weiße Salbe auf die Wunde streichen?“, fragte der Künstler, um sogleich die Antwort zu geben: „Das kann Kunst nicht und das wollte ich nicht.“

Seine Arbeit versteht er daher mehr als einen künstlerischen Eingriff, der zum Nachdenken führt. Ausgangsüberlegung war, wie er erklärte, dass die Menschen diesen Platz lediglich als Zwischenstation nutzen. Das, so Werner, habe er versucht, mit einem „Sprachbild“ auszudrücken.

Entworfen hat er ein „Sprachobjekt“, das je nach Standort, aus dem man es betrachtet, „von hier“ lautet oder auch „nach dort“. Das Besondere an diesem Objekt ist, dass es aus dreidimensionalen Buchstaben besteht. Jeder Buchstabe enthält so noch einen zweiten. Nur wenn man sich bewegt, geht, oder mit dem Bus daran vorbeifährt, kann man, einem Vexierbild gleich, den kompletten Wortlaut „von hier“ und „nach dort“ lesen.

Wenn man die Buchstabenfolge frontal anblicke, sehe es sogar aus wie ein fremder Name einer fremden Stadt, meinte Werner. In Form 60 Zentimeter großer Buchstaben aus Metall soll der Schriftzug zum einen auf dem Verkaufs-Pavillon angebracht werden, zum anderen an einer weiteren Stelle auf dem Platz auf einem erhöhten Gestell.

Zwischen all den „lauten“ und größeren Werbeschriften der umliegenden Gebäude soll seine Schrift ganz bewusst diskret wirken, sich nicht aufdrängen und typographisch eher an die klassischen Stations-Namen an Bahnhöfen erinnern.  „Sie ist nicht sehr laut, aber wenn man sie bemerkt hat, setzt sie, glaube ich, im Kopf Reflexionen frei“, sagte Werner.

Die Jury des Künstlerwettbewerbs hatte bei ihrer Entscheidung im vorigen Juni unter anderem die poetische Qualität von Werners Wortspiel gelobt. Auch die Ausschussmitglieder zeigten sich fraktionsübergreifend begeistert. Wann die Arbeit denn nun endlich realisiert werde, wollten sie wissen. Werner daraufhin lächelnd: An ihm und dem Saarbrücker Metallbauer, der sie anfertige, liege es nicht, wenn sich das Projekt verzögert habe. „Wir scharren seit Oktober mit den Hufen.“ Er warte nur noch auf den Vertrag, der noch in der Rechtsabteilung der Stadt liege. Laut Kulturamtsleiterin Sylvia Kammer-Emden seien noch einige Punkte mit der Parkhaus-Firma Q-Park zu klären.