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Zuhörer lernten realistischen und modernen Rilke kennen

Heusweiler. Die Matinee in der Ausstellung „Sigrún Ólafsdóttir. Ekkehard Neumann. Friedhelm Falke. Nikola Dimitrov“ im Atelier von Nikola Dimitrov in der Alten Tabakfabrik in Heusweiler ließ aufwühlende Kunstwerke entstehen. nba

Es war ein ganz besonderer Kunstgenuss, der den Gästen der Alten Tabakfabrik in Heusweiler am Sonntagvormittag geboten wurde. Nikola Dimitrov, renommierter saarländischer Künstler mit Zweit-Atelier in Köln, hatte während seiner Ausstellung "Sigrún Ólafsdóttir. Ekkehard Neumann. Friedhelm Falke. Nikola Dimitrov" zu der Matinee "Rilke!" in sein helles, großes und ansprechendes Atelier in der Alten Tabakfabrik geladen. Dort trug Armin Schmitt in der Ausstellung und vor den Kautschuk-Skulpturen von Sigrún Ólafsdóttir Texte des Dichters Rainer Maria Rilke vor und Nikola Dimitrov, auch studierter Konzert-Pianist, improvisierte dazu am Flügel.

"Wir hatten gemeinsam die Idee, zur Ausstellung Texte zur Kunst vorzutragen", erzählt Armin Schmitt vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien. Der Germanist, der auch Mitglied der künstlerischen Leitung des Kulturzentrums am Eurobahnhof (KuBa) ist, konzentrierte sich bei seiner Lesung ganz auf Texte aus der mittleren Schaffensperiode von Rilke. So lernten die Zuhörer mit den "Neuen Gedichten", den "Briefen über Cézanne" und aus dem Buch "Auguste Rodin " den realistischen, modernen Rilke kennen, der sich ausgiebig mit der Kunst seiner Zeit auseinandergesetzt hat.

Die meist kurzen Sequenzen wurden mit Verve und Begeisterung vorgetragen und von den Improvisationen Nikola Dimitrovs begleitet. Und das war wirklich hörenswert. In den "Briefen über Cézanne" schreibt Rilke immer und immer wieder von dem Zauber, den die Gemälde des Malers auf ihn ausüben. Dazu spielte Nikola Dimitrov bruchstückhaft, staccato-haft und nur einzelne Töne, was zu Cézannes kubistischen Landschaften großartig passte. Als Armin Schmitt Rilkes Beschreibungen der "Bürger von Calais" von Rodin vorlas, erklangen schwermütige, dramatische Töne, ein anderes Mal hörte man weiche, schnell fließende Klänge. Nikola Dimitrov zeigte, dass er die Stimmungen der Texte und der darin beschriebenen Kunstwerke sehr passend umzusetzen versteht. Das Publikum lauschte beeindruckt.

Als Armin Schmitt Rilkes Zeilen über das "Höllentor" von Rodin vorlas und Nikola Dimitrov darüber improvisierte, entstand in den Ohren der Zuhörer das aufwühlende Kunstwerk - und das ganz ohne es zu sehen.

"Sigrún Ólafsdóttir. Ekkehard Neumann. Friedhelm Falke. Nikola Dimitrov". Ausstellung in der Alten Tabakfabrik Heusweiler , Fabrikstraße 21, 66265 Heusweiler . Geöffnet am Sonntag, 19. April, 11 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung. 19. April, 11.30 Uhr, Matinee "Kammermusik mit Jone Kaliunaite und Tatevik Mokatsian". Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. (0 68 06) 1 21 26 oder per E-Mail unter atelier@nikoladimitrov.de