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Die Herren über den Trinkwasser-Fluss
Wo das Massen-Wasserlassen sichtbar wird

In dieser Leitzentrale wird die Trinkwasserversorgung von Heusweiler gesteuert und überwacht; links Wolfgang Karges, Geschäftsführer der Gemeindewerke Heusweiler (GWH), rechts der Technische Leiter Torsten Schramm.
In dieser Leitzentrale wird die Trinkwasserversorgung von Heusweiler gesteuert und überwacht; links Wolfgang Karges, Geschäftsführer der Gemeindewerke Heusweiler (GWH), rechts der Technische Leiter Torsten Schramm. FOTO: Andreas Engel /
Heusweiler. Die Leitzentrale für die Heusweiler Trinkwasser- versorgung hat so exakte Daten, dass sogar der stei- gende Wasserverbrauch in den Halbzeitpausen der Fußball-WM am Computer sichtbar wurde. Von Andreas Engel

Trotz der großen Trockenheit: Die Trinkwasserversorgung im Köllertal war nie und ist auch kein Problem, hatten wir im Zuge unserer Berichterstattung erfahren – und auch, dass Heusweiler eine „Wasserleitzentrale“ hat. Wir wollten wissen: Was passiert dort eigentlich?


„Wir haben unsere Leitzentrale so eingestellt, dass alle Prozesse und Vorkommnisse innerhalb kürzester Zeit abrufbar sind“, sagt der Geschäftsführer der Gemeindewerke Heusweiler (GWH), Wolfgang Karges, der zusammen mit dem Technischen Leiter Torsten Schramm das multiple Wunderwerk der modernen Wassertechnik erläutert. Früher, ja früher, da war alles zwar nicht besser, aber doch anders, viel aufwändiger nämlich, berichtet Karges. Aber dieses „früher“ sei schon recht lange her, ergänzt Schramm. Denn die GWH besitzen schon seit den neunziger Jahren ein Leitstellensystem, das auch ständig, entsprechend der neuen technischen Entwicklungen und Anforderungen, modernisiert werde.

Die Computer-Software des jetzigen, automatisierten Leitstellensystems sei erst Anfang 2016 installiert worden, so Schramm weiter. Wie in jedem Technologiebereich üblich, würden auch bei der GWH stetig Verbesserungen vorgenommen und Updates eingespielt.



In der Zentrale im Dienstzimmer, auf einem großen Bildschirm von Schramm, laufen alle relevanten Informationen zur Heusweiler Trinkwasserversorgung in bunten Grafiken und Kurven zusammen. Eigentlich eher unspektakulär. Aber unter der Oberfläche arbeiten hochkomplizierte Prozesse zusammen, läuft ein immerwährender Informationsfluss. Über Funk (im eigenen Funknetz) sind die vier Brunnen, die sich auf dem Gemeindegebiet Saarwellingen befinden, mit der Zentrale verbunden. Warum auch heute noch „klassisch“ über Funk? Internet, Handy-Verbindungen oder gar Kabelverbindungen seien entweder zu anfällig oder zu teuer, konstatieren die Experten.

Nicht nur Verbrauchsmengen können in der Leitzentrale abgerufen werden, auch Rohrbrüche oder andere Beschädigungen werden erkannt, ebenso der Wasserspiegel in jedem der Brunnen. Zudem gebe es – für den Fall, das ein Problem auftritt – eine Rufbereitschaft bei den technischen Mitarbeitern. Und zu dem Sammeln wichtiger Daten gehört es auch, dass regelmäßig zwischen 2 Uhr und 4 Uhr in der Früh „Nachtmessungen“ gestartet werden, um auch Informationen zu den verbrauchärmsten Zeiten zu bekommen. Aber auch zu jedem anderen Zeitpunkt können die Diensthabenden Informationen zu allen Ereignissen, die für die Wasserversorgung von Bedeutung sind, abfragen.

So erzählt Schramm gerne eine Anekdote von der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr, die zwar für das deutsche Team nur suboptimal verlaufen ist, die jedoch beredtes Zeugnis von der Präzision des hochkomplexen Systems der Wasserversorgung ablegt: „Wir konnten in den Halbzeitpausen der Spiele der deutschen Mannschaft exakt ermitteln, wie stark und sprunghaft der Wasserverbrauch in die Höhe geschnellt ist.“ Ein Blick auf die Grafik des Programms genügte.

Natürlich könne man nicht jeden Zentimeter der rund 150 Kilometer langen Hauptrohrleitungen in der Gemeinde Heusweiler überwachen. Das sei aber auch gar nicht notwendig, so Karges. Wenn Bürger einen Wasserrohrbruch melden, sei der Schaden schnell lokalisiert. Andere Störungen, wie etwa ein Blitzeinschlag, der zu einem Stromausfall führe, werden per Funk an die Leitzentrale gemeldet.

Von der Zentrale aus werden auch die Brunnen gesteuert. Wichtig in diesem Zusammenhang sei, so Schramm, dass nicht ständig alle Brunnen gleichzeitig laufen, sondern abwechselnd arbeiteten. So kann sich der Grundwasserspiegel regenerieren, und die Pumpen werden geschont. Und unterm Strich, so Karges, stehe Trinkwasser in Heusweiler nicht nur in ausreichenden Mengen zur Verfügung, es habe auch eine hervorragende Qualität.

Blick auf einen Überwachungsbildschirm: Hier können die Experten der GWH Daten zum Wasserfluss von den vier Brunnen (links oben) nach Heusweiler erkennen und ebenso etwaige Störungen im System.
Blick auf einen Überwachungsbildschirm: Hier können die Experten der GWH Daten zum Wasserfluss von den vier Brunnen (links oben) nach Heusweiler erkennen und ebenso etwaige Störungen im System. FOTO: Andreas Engel /