Willi Christmann von "Willi’s Imbiss" in Heusweiler im Porträt

Ein Heusweiler Original : Bei Willi Christmann geht’s um die Wurst

Der 72-jährige Quereinsteiger ist in Heusweiler schon über 30 Jahre im Geschäft mit Rostwurst, Pommes & Co.

Eigentlich nennen ihn fast alle nur „Willi“ – klar, Willi Christmann gehört ja auch „Willi’s Imbiss“ vor dem Heusweiler Baumarkt. Der 72-Jährige ist im Ort schon über 30 Jahre in Sachen Rostwurst, Currywurst, Pommes & Co. im Einsatz. Das Geschäft mit der knackigen Bratwurst wurde ihm allerdings nicht in die Wiege gelegt, denn er ist ein Quereinsteiger in seinem Beruf. Wie’s dazu kam? „Eigentlich durch die Politik – und Flüchtlinge.“

Bitte? Wieso wird man denn durch die Politik Imbiss-Betreiber? Willi Christmann erinnert sich an seine Anfänge im Brutzel-Gewerbe im Heusweiler Schwimmbad: Lange vor dem Flüchtlingsjahr 2015 galt es schon mal, geflüchteten Menschen eine Unterkunft zu verschaffen. Die Gemeinderatsmehrheit hätte damals damit geliebäugelt, das gerade unverpachtete Bistro im Hallen-Freibad als Bleibe herrichten zu lassen. Verhindern wollte das die SPD, für die Christmann selbst zwei Mal als Nachrücker im Gemeinderat war, zudem in den Ortsräten Ober- und Niedersalbach. Damals fragten ihn Genossen, ob er sich nicht als Betreiber des Bistros bewerben wolle ... So sprang Willi Christmann 1986 ins kalte Wasser. Obwohl er da auch noch bei Telefunken in Eiweiler Spritzlackierer und zuständig für die Hauspost war – das Werk schloss Anfang der 90er –, bevor er sich ganz aufs Imbiss-Geschäft verlegte.

Einfach war das nicht immer. Es galt, gleich fünf Verkaufsstellen zu betreuen, darunter einen Eisstand, ein „Bier-Rondell“ und eine Rostwurstbude. „Gerade im Schwimmbad war man mit so einem Geschäft natürlich sehr wetterabhängig. Man hat mindestens 30 gute Sonnentage gebraucht, um die Fixkosten wieder reinzuholen.“

Es bestand auch immer die Gefahr, zu viele Lebensmittel zu kaufen – dann drohte im wahren Wortsinn das Verderben –, oder zu wenige, dann hätten die Kunden hungrig bleiben müssen. „Ich hab’ abends immer den Wetterbericht gehört und den Einkauf geplant“, – wobei der Plan dann schon mal über den Haufen geworfen werden konnte, „wenn ich morgens die Metzgerei betreten wollte, noch schnell zum Himmel geguckt und dann dort zwei Wolken sah.“

In einer ordentlichen Bad-Saison konnten schon mal drei Tonnen Rostwürste über den Tresen gehen. Zudem brauchte er flexible Mitarbeiter, „an heißen Tagen schon mal zwölf, dreizehn Leute“, was heute noch viel schwieriger sei, weil viel mehr Frauen berufstätig sind, „damals gab es mehr Hausfrauen, die sich dann ab und an die Haushaltskasse aufbesserten“.

2003 mit seinem Super-Sommer, das sei ein tolles Jahr gewesen – leider gefolgt von zwei Schlecht-Wetter-Jahren, in denen nicht mal die Kosten reinkamen. Und 2006 dann Probleme mit den Becken. 2007 schließlich machte das Freibad dicht – „die Schließung des Schwimmbades, das war für mich der schlimmste Tag“, sagt Christmann.

2006 hatte er aber auch erfahren, dass dringend ein Imbiss-Betreiber für den Platz vor dem Baumarkt gesucht wurde – und zugegriffen. „Hier ist die Arbeit geregelter – nicht so wetterabhängig“, auch etliche Stammkundschaft gibt es. Jeden Monat gehen, mit Hilfe von sechs Teilzeitkräften, allein so zirka 600 Kilo Rostwürste, Bockwürste und Frikadellen über den Tresen – oder auch die Eigenkreation „Currywurst Spezial“ mit Pilzen und angerösteten Zwiebeln. „Und Kartoffel- und Nudelsalat sind bei uns nie fertig gekauft, sondern immer selbst gemacht“, wirft Renate Maderer ein, die schon seit 1988 für Willi Christmann arbeitet.

Martha Christmann, seit 1981 mit Willi verheiratet, betreibt seit fast 40 Jahren ein Sonnenstudio in Heusweiler – die nur vierziffrige Telefonnummer spricht für sich –, erst im Ortsteil Obersalbach, dann im Schwimmbad und schließlich Am Hirtenbrunnen. „Ich glaube, das ist das älteste Sonnenstudio im Saarland“, schätzt ihr Mann.

Aber abgesehen von der Wurst hat ja bekanntlich alles ein Ende – denkt er ans aufhören? „Ach, nein. Solange ich mich noch fit fühle, mache ich weiter.“

Und nach all den Tausenden gebratenen Würsten – greift er da selbst noch ab und an zu? „Hmmmm, na ja, manchmal.“

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