| 16:03 Uhr

Wut in Wahlschied
Wildschweine verwüsten Gärten

Peter Bauer aus Wahlschied in seinem von Wildschweinen zerwühlten Garten.
Peter Bauer aus Wahlschied in seinem von Wildschweinen zerwühlten Garten. FOTO: Fredy Dittgen
Wahlschied. Wut in Wahlschied. Jagdpächter spricht von hohem Tierbestand. Betroffene denken über Elektrozaun nach. Von Fredy Dittgen

 In den vergangenen 14 Tagen hatten die Anwohner der Wahlschieder Straße Zur Krepp ungebetenen Besuch: Viermal suchte nachts eine Wildschweinrotte die Gärten auf und zerwühlte die Ruheoasen der Anwohner bis zur Unkenntlichkeit. „Die kommen aus dem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet Langgarten“, sagt Anwohner Peter Bauer. Resignierend erzählt er: „Als die Wildschweine das erste Mal da waren, haben wir danach alles wieder eingeebnet und neuen Rasen ausgesät. Aber nachdem sie noch dreimal gekommen sind, hat das keinen Sinn mehr.“


Bisher waren Wildschweine in Wahlschied nie ein Thema. Warum jetzt? „Wir haben zur Zeit einen sehr hohen Wildschweinbestand, der Bestand ist regelrecht explodiert“, berichtet Jagdpächter Stefan Bost aus Kutzhof, der für den Bereich in Wahlschied zuständig ist. Nach den Worten von Bosts kommen die Rotten aus dem Fischbacher Wald und ziehen durch einen Tunnel unter dem Wahlschieder Gewerbegebiet in den Langgarten. „Der hohe Bestand ist bedingt durch mehrere schwache Winter in den letzten Jahren. Diese Bedingungen sind für Schwarzwild sehr gut, sie hatten mehrere hervorragende Mastjahre“, ergänzt  Bost.

Durch die milden Winter haben die Tiere massenhaft Eicheln und Bucheckern gefunden. Und in den Gärten der Straße Zur Krepp finden sie haufenweise Engerlinge und Würmer. Abhilfe zu schaffen sei sehr schwer, betont Bost: „Wir müssen das Schwarzwild in den Randbereichen vermehrt bejagen. In Hausgärten oder im Landschaftsschutzgebiet Langgarten ist es verboten. Da geht Sicherheit vor Ordnung“. Bost weist auf eine Gefahrenstelle hin: „Im Langgarten sind täglich viele Spaziergänger, Hundehalter oder Radfahrer unterwegs. Weil die Wildschweine derzeit Nachwuchs bekommen haben, sollte man den Kontakt meiden.“ Nicht selten treffe man auf eine Bache, die mit sechs, sieben Frischlingen durch die Wälder und Wiesen zieht. Da gilt höchste Vorsicht: „Eine Bache verteidigt ihre Frischlinge, da gilt es Abstand zu halten“, mahnt Bost.



Und was können die Anwohner der Straße Zur Krepp gegen die nächtlichen Eindringlinge tun? „Sie sollten auf keinen Fall offene Komposthaufen in ihren Gärten deponiert haben“, betont Bost. Abhilfe kann auch ein Elektrozaun schaffen, so wie er auf Rinderweiden üblich ist. „Allerdings müssen die stromführenden Drähte ziemlich tief gelegt werden, etwa in Kniehöhe, um die Wildschweine abzuschrecken“, sagt Bost. Man kann auch einen Stabgitterzaun um seinen Garten setzen, doch da sich die Wildschweine unter dem Zaun hindurch graben könnten, müsste dieser Zaun mindestens einen Meter tief im Boden verankert sein.

„Das wäre viel zu teuer. Das kostet pro laufenden Meter Zaun etwa 150 bis 200 Euro“, wehrt Peter Bauer ab. Deshalb wird er sich wohl für den von Bost vorgeschlagenen Elektrozaun entscheiden: „Da rechne ich mit Kosten von etwa 300 Euro pro 100 Meter Zaun.“ Auf den Kosten bleiben die Anwohner sitzen: „Meines Wissens deckt eine Wohngebäudeversicherung die Schäden nicht ab, das müssen wir alles selbst bezahlen“, befürchtet Bauer.