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Wertvolle Helferin im Sprach-Dschungel

Wertvolle Helferin im Sprach-Dschungel

Amal Zalloum, selbst mit fünf Jahren als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen, arbeitet für die Gemeinden Heusweiler und Riegelsberg als Sprachvermittlerin und hilft Flüchtlingen, sich zurecht zu finden.

Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude teilen sich Riegelsberg und Heusweiler seit November eine Sprachvermittlerin, die Bürgerkriegsflüchtlingen das Ankommen und Einleben erleichtert. Amal Zalloums Büro befindet sich bei der ABG (Ausbildungs- und Beschäftigungs-Förderungsgesellschaft) in Walpershofen, wo auch die Sachspenden für Flüchtlinge ankommen. In einem Pressegespräch stellten ABG-Leiterin Kerstin Halladin und die beiden Bürgermeister die neue gemeinsame Mitarbeiterin vor.

Amal Zalloum ist keine Dolmetscherin mit Diplom und auch keine Sozialarbeiterin. Die 41-Jährige bringt Lebenspraxis mit und hat sich durch ihre hilfsbereite, zupackende Art qualifiziert. Die gelernte Friseurin, die seit zehn Jahren im Köllertal lebt, hat selbst fünf Kinder im Alter zwischen drei und 21 Jahren. Sie weiß, wo es was gibt, wo man einen Kinderarzt findet. Sprachkompetenz bringt sie quasi von zu Haus aus mit. Amal Zalloum ist selbst ein Flüchtlingskind aus Beirut. Als Fünfjährige kam sie mit ihren Eltern ins Saarland. Die Eltern sprachen untereinander Arabisch, sie lernte Deutsch in der Schule. In einem unkonventionellen "Deutschkurs" macht sie arabisch sprechende Flüchtlinge mit dem Grundwortschatz vertraut. Für die Gemeinden ist neben der Sachausstattung die Sprache die größte Hürde. Auf den Ämtern spricht in der Regel keiner Arabisch.

Eigentlich ist das alles auch Aufgabe von Regionalverband und Land. Es gibt im Saarland auch so genannte Migrationslotsen, aber acht Leute in insgesamt fünf Vollzeitstellen im ganzen Saarland reichen nicht aus. Sozialämter in den kleineren Kommunen gibt es auch nicht mehr. Christian Schell, Sachgebietsleiter Immobilien in Riegelsberg , und Klaus Thinnes vom Bürgerdienst Heusweiler standen jedenfalls oft im wahrsten Sinne sprachlos da.

Amal Zalloum half freiberuflich als Übersetzerin aus. Sie war den Flüchtlingen über das Dolmetschen hinaus behilflich, ging mit den Leuten Einkaufen, sie maß die Wohnungen aus, half den Leuten vom Bauhof, passende Möbel bei der ABG zusammenzustellen. Sie sei "sehr hilfsbereit, einfühlsam und emphatisch", sagt Heusweilers Bürgermeister Thomas Redelberger . Die beiden Gemeinden stellten Amal Zalloum zusammen ein, teilen sich die Lohnkosten. So kamen eine "absolute Notlage und eine gute Idee" zusammen, findet ABG-Leiterin Kerstin Halladin.

Amal Zalloums Aufgabengebiet beginnt mit Begrüßung, Anmeldung und Mietvertrag. Sie zeigt den Flüchtlingen die zugewiesenen Wohnungen, erläutert, wie die deutsche Mülltrennung funktioniert, bittet um Rücksicht auf die Nachbarschaft in punkto Lautstärke. Später folgen Behördengänge, Anträge für Passverlängerung, Gesundheitszeugnisse. Mütter wollen wissen, wie man die Kinder in der Schule anmeldet. Junge Männer, die alleine nach Deutschland geflüchtet sind, wollen wissen, wie sie ihre Familie nachholen können.

Ein Problem sei die zufällige Verteilung, meint Bürgermeister Klaus Häusle , die Flüchtlinge kämen durch Zufall ins Saarland und dann durch Zufall in eine Gemeinde. Die meisten würden sich dahin orientieren, wo sie Verwandte und Bekannte hätten und wollten am liebsten in eine Großstadt.

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HintergrundFlüchtlinge: In Heusweiler sind 35 Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht, in Riegelsberg 23. Die Flüchtlinge werden prozentual nach Einwohnerzahl auf die Gemeinden verteilt. Beispiel: Zehn Prozent der Bürger des Regionalverbandes Saarbrücken leben in Riegelsberg , so kommen auch zehn Prozent der Flüchtlinge im Regionalverband nach Riegelsberg . Jeder Flüchtling bekommt im Landesaufnahmelager Lebach eine "Grundausstattung": Eine Gabel, einen Löffel, einen Bettbezug, einen Kopfkissenbezug . . . Die weitere Sachausstattung obliegt den Kommunen. Bei der ABG werden Spenden entgegengenommen. Die Bevölkerung ist sehr hilfsbereit. Aber es mangelt insbesondere an Kleidung für junge Männer. hof Weitere Informationen bei Kerstin Halladin (ABG) unter Telefon (0 68 06) 9 52 15 30.