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Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

Eiweiler. Naturkundeunterricht im Klassenzimmer ist schön. Draußen auf der Wiese und im Wald ist er aber noch viel schöner. "Wir lernen mehr als in der Schule", war sich Andreas sicher, in dessen Rucksack sich diesmal keine Bücher und Hefte befanden, sondern Proviant für diesen besonderen Wandertag

Eiweiler. Naturkundeunterricht im Klassenzimmer ist schön. Draußen auf der Wiese und im Wald ist er aber noch viel schöner. "Wir lernen mehr als in der Schule", war sich Andreas sicher, in dessen Rucksack sich diesmal keine Bücher und Hefte befanden, sondern Proviant für diesen besonderen Wandertag. Kinder zu den Lohheckentagen einzuladen, das gehört stets zum festen Programm der Veranstalter. Gestern kamen insgesamt 160 Schüler aus der Grundschule Gonnesweiler, der Gesamtschule Türkismühle und der Änne-Meier-Schule in Baltersweiler. In Gruppen durchliefen sie verschiedene Stationen und konnten so die Natur in ihren vielen Facetten unmittelbar erleben. Mehrmals machte sich Martin Rausch mit Flinte und Horn mit den Kleinen zur Wohnung des Dachses im angrenzenden Wald auf. Neugierig beobachteten die Kinder die Höhleneingänge, ob der scheue Waldbewohner nicht vielleicht gerade einmal herausguckt. "Der Dachs ist nachtaktiv und schläft am Tag", erklärte der Jäger. "Die Höhle gräbt er sich mit seinen großen Krallen selbst. Er ist ein Allesfresser, holt sich Käfer, Mäuse und Vögel, manchmal sogar den Hafer vom Feld." Ab und zu hebe er sogar Wespennester aus, ohne dass ihm die Stiche der Insekten etwas ausmachten. "Grimmbart heißt der Dachs im Volksmund", verriet Martin Rausch den Kindern. "Und der Fuchs, der nicht weit von hier wohnt, heißt Reineke." Munter zu ging es derweil in der Lohhecke. Der Eiweiler Ortsvorsteher Hans-Peter Haupenthal führte eine Gruppe durchs Gelände und erklärte den Kindern, wie die Bauern früher die Lohe gemacht haben. Alfons Finkler drückte dem kleinen Niklas den Lohschleißer in die Hand, ließ ihn mit Hilfe des Werkzeugs die Rinde vom Eichenstamm lockern und anschließend mit dem Lohlöffel ablösen. Am Waldrand hatte sich unterdessen Förster Konrad Funk vom Saarforst niedergelassen. Er zeigte den Kindern einen Schädel vom Wildschwein. "Die Kinder vom Wildschwein heißen Frischlinge. Warum sind sie gestreift?" Lukas wusste es: "Um sich zu tarnen." Funk hatte Geweihe und Hörner dabei, die viele Kinder gleich erkannten. Mutig ließ Alexandra den großen Hirschkäfer, den der Förster eigens für diesen Unterricht gefangen hatte, über ihren Arm krabbeln. Jede Menge Tierpräparate waren in der Schutzhütte zu sehen. Auge in Auge konnten dort Habicht, Dachs, Steinmarder und Fuchs begutachtet werden. Auch Fischreiher, Krickenten und eine Wasseramsel schauten die Besucher an. Wer beim Ratespiel richtig lag, bekam eine kleine süße Belohnung. Welches Tier eine Nuss zwischen den Vorderpfoten hält, wussten fast alle. Na klar, das Eichhörnchen. Ein schönes Hobby zeigte Günter Petry den kleinen Besuchern. Aus der Rinde der Salweide formte er Schalmeien und setzte den Musikinstrumenten am unteren Ende die Mundstücke ein, "Hoppe" genannt, abgeleitet von Hupe.