1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Heusweiler

Erinnerung an den Initiator soll bleiben: Urnen für den Holzkreuz-Friedhof

Erinnerung an den Initiator soll bleiben : Urnen für den Holzkreuz-Friedhof

Ortsrat Obersalbach: NÖL will Gedenkkreuz für früheren Bürgermeister entfernen lassen.

Die Schönheit des Einfachen: Der Obersalbacher Friedhof ist durch seine ganz bewusst gewählte Schlichtheit etwas Besonderes, denn hier findet man keine aufwändigen Grabsteine sondern nur Holzkreuze. Das Urnengrabfeld auf dem Obersalbacher Friedhof wird nun neu gestaltet. Dem stimmte der Obersalbacher Ortsrat jetzt mit den Stimmen von CDU und SPD zu. Die NÖL enthielt sich.

Der Friedhof in der Schwarzenholzer Straße ist nicht nur innerhalb der Gemeinde Heusweiler, sondern auch weit darüber hinaus einzigartig – gerade weil es ausschließlich Einzelgräber gibt, die mit den schlichten, kleinen Holzkreuzen geschmückt sind. Diese Tradition hat sich Obersalbach seit dem Bau des Friedhofs im Jahr 1960 bewahrt.

Erst als die Nachfrage nach Urnengräbern immer größer wurde, änderte der Ortsrat die Bestattungsordnung und stimmte auf Vorschlag der Gemeindeverwaltung einem Urnengrabfeld zu. Laut kommunalen Selbstverwaltungsgesetz (KSVG) ist der Ortsrat für die Ausstattung seines Friedhofes zuständig. Doch die im Jahr 2012 beschlossene Urnengrabfeld-Variante des Lebacher Landschaftsarchitekten Ingo Nienas – die bereits auf den Friedhöfen in Holz und Heusweiler realisiert wurde, in Obersalbach jedoch noch nicht – hob der Ortsrat jetzt auf Vorschlag der Verwaltung wieder auf. Der Grund dafür: Der Heusweiler Gemeinderat hatte vor sechs Jahren beschlossen, dass zukünftig auf allen Friedhöfen (außer Lummerschied) Urnenerdgräber angelegt werden sollen, die durch die Gemeindeverwaltung mit Bodendeckern bepflanzt werden. Die Planung von Ingo Nienas hatte in Obersalbach 25 Urnengräber mit jeweils möglicher Doppelbelegung vorgesehen. Eine Kostenschätzung belief sich damals auf rund 30 000 Euro. Doch dann stellte sich bei der weiteren Planung heraus, dass die Umsetzung dieser Planung Nachteile hätte: Die Nebenkosten und der spätere Unterhaltungs-Aufwand für die Wege und den Grünflächenanteil wären sehr hoch gewesen, gleichzeitig aber die Gräberanzahl vergleichsweise gering.

Um diese Mehrkosten abzuwenden, erstellte die Gemeinde Heusweiler nun eigene Pläne und schlug dem Ortsrat vier Gestaltungsvarianten vor, die sich nur in ihrer Form und in der Anzahl der möglichen Gräber unterscheiden. Der Ortsrat entschied sich für ein ovales Grabfeld, das um das alte, mehrere Meter hohe Friedhofskreuz herum angelegt werden soll. Eine Doppelbelegung ist in jedem Urnengrab möglich. Damit erhöht die Verwaltung ihre Einnahmen und stellt für viele Jahre sicher, dass es genug freie Urnengräber gibt. Diese Variante gefiel allen Ortsratsmitgliedern. „Es hat zwar nicht unbedingt die höchstmögliche Anzahl von Grabstellen – 80 statt möglicher 100 in einer anderen Variante – doch es ist von der Form her am besten geeignet“, sagte Tino Elberskirchen (CDU).

Barbara Gerstner (NÖL) sagte diese Variante zwar auch zu, doch sie störte sich an einem kleinen Holzkreuz, das seit Jahren am Fuße des großen Friedhofskreuzes steht: „Warum steht dort ein Kreuz für Ferdinand Bossmann? Das ist ja wie mit Queen Victoria in London, auf die alle Zufahrtsstraßen führen.“ Auch Rüdiger Flöhl (NÖL) kritisierte: „Das ist ja Personenkult, das hat auf einem Friedhof nichts zu suchen.“ Barbara Gerstner wollte wissen: „Wer hat das angeordnet?“

Auf dem Friedhof in Obersalbach dominieren schlichte Holzkreuze, die alle dieselbe Höhe aufweisen müssen. Foto: Andreas Engel

Wie Ortsvorsteher Kilian Näckel (CDU) erklärte, wurde der Friedhof vor 58 Jahren auf Anregung des damaligen Obersalbacher Bürgermeisters Ferdinand Bossmann gebaut (siehe Hintergrund). Bossmanns Grab wurde vor Jahren eingeebnet, doch aufgrund seiner Verdienste entschied damals die Gemeindeverwaltung, das Grabkreuz zu erhalten und vor das Friedhofskreuz zu verlegen.