Und einer wählte Trump

In Kutzhof haben wir den Wahlhelfern bei der Arbeit über die Schulter geschaut und dabei auch erfahren, warum im Wahlkoffer unbedingt eine Kerze sein muss.

"Ich habe mich verwählt", mit diesen Worten kommt eine Wählerin im Kutzhofer Wahllokal aus ihrer Kabine und bittet um einen neuen Wahlzettel. "Kein Problem, der alte wird zerrissen, und auf dem neuen kann nun das Kreuz an der richtigen Stelle gemacht werden", sagt Gabriela Andre-Schmidt. Sie ist eine von insgesamt acht Wahlhelfern, die bei der Landtagswahl am Sonntag im Kutzhofer Wahllokal in der Gastwirtschaft Zewe ihren ehrenamtlichen Dienst verrichten.

Laut Wahlgesetz kann jeder zu diesem Amt verpflichtet werden, es sei denn, er ist erkrankt oder verreist, was natürlich im Falle eines Falles nachgewiesen werden muss. Ein Wahlhelfer ist immer auch ein wenig Dienstleister an der Demokratie. Der Schriftführer im Wahlbezirk 40 in Kutzhof, Armin Krämer, könne sich, so sagt er, an so einem schönen Frühlingssonntag durchaus eine andere Beschäftigung vorstellen, aber das Wahlhelfer-Amt verstehe er als ehrenvolle Verpflichtung. Ähnlich sieht es auch Manuel Jakob. Ohne den ehrenamtlichen Wahlhelfer, so Jakob, könne es eine demokratische Wahl nicht geben.

Die Wahlhelfer in Kutzhof sind aber auch Dienstleister am Wähler: Gabriela Andre-Schmidt hat offenbar in weiser Voraussicht eine Ersatzlesebrille mitgebracht. Und tatsächlich kommt die Lesehilfe mehrfach zum Einsatz, denn gleich drei Wähler haben ihre Brille daheim vergessen und können nur dank Ersatzbrille ihr Kreuzchen an der von ihnen gewünschten Stelle machen.

Im Zwei-Schicht-Betrieb gehen die Wahlhelfer ans Werk, von 8 bis 13 Uhr, die Spätschicht von 13 bis 18 Uhr. Erstaunlicherweise wird es den Helfern nur selten langweilig, der hohen Wahlbeteiligung sei dank - 76 Prozent beteiligen sich im Wahlbezirk 40 an der Wahl.

Und es gibt viel zu beobachten. Viele nutzen den Wahltag zu einer Art Familienausflug, häufig die Oma zwischen Vater und Mutter eingehakt, die Kinder an der Hand und den Hund an der Leine. "Mama, wann darf ich denn wählen?", fragte die neunjährige Emely, um dann schnell selbst zu ermitteln, dass es ja nur noch neun Jahre dauert. Ihre Freundin rechnet rasch nach, "stimmt".

So unterschiedlich die Wähler sind, so unterschiedlich ist ihr Auftreten im Wahllokal. Manch einer bleibt so lange in der Kabine, dass der stille Beobachter glauben möchte, dieser Wähler hat wohl alle 134 Namen der Kreis- und Landesliste der 15 angetretenen Parteien sorgfältig gelesen, um dann seine Wahlentscheidung zu treffen. Wieder andere nutzen offenbar die Gelegenheit, um ihrem persönlichen Frust über "die Politik" freien Lauf zu lassen, denn zu lesen sind später bei der Auszählung - vereinzelt - auch Dinge wie: "Ihr seid die Pest", ein anderer hat "Trump" gewählt. - Diese Wahlzettel der landen bei den ungültigen Stimmzetteln.

Ist die Stimme abgegeben, nutzen einige Kutzhofer die Gelegenheit, die ein Wahllokal in einem Wirtshaus bietet, um einfach noch ein wenig bei einem Kaltgetränk zu verweilen und über den Wahlausgang zu philosophieren und zu spekulieren, wer wohl mit wem koalieren wird. Oder eben nicht.

Der Einsatz als Wahlhelfer ist schneller vorbei, als man dachte. 18 Uhr, die Urne ist geschlossen. Wahlvorstand Peter Woll entsiegelt das Gefäß, kippt die Wahlzettel auf die zusammengestellten Tische, und sogleich beginnt das Sortieren und schließlich das Zählen. Schon nach einer halben Stunde sind die Stimmen der 866 wahlberechtigten Kutzhofer ausgezählt. Woll klemmt sich ans Telefon und gibt dem Gemeindewahlleiter die vorläufigen Ergebnisse durch, "Schnellmeldung" nennt sich das im Fachjargon.

Später werden alle Stimmzettel in den metallenen Wahlkoffer gepackt und ins Heusweiler Rathaus gebracht. Zehn Jahre müssen die Zettel aufbewahrt werden.

Und schließlich lernen wir noch etwas: Warum müssen in dem Wahlkoffer auch Kerzen und Zündhölzer parat liegen?" Woll erklärt: "Der Wahlvorgang muss auf jeden Fall abgeschlossen werden, auch wenn der Strom ausfällt" - deshalb die Kerzen.

Zum Thema:

Ortsteil-Ergebnisse sind wenig aussagekräftig Nach Land- und Bundestagswahlen hatte die SZ bislang die Ergebnisse auch nach Ortsteilen aufgegliedert. Das ist aber wegen der steigenden Zahl der Briefwähler kaum noch aussagekräftig, da Briefwahlstimmen nicht den Ortsteilen zugeordnet werden. So wird etwa bei der Wahlbeteiligung ein viel zu niedriger Wert ausgewiesen. Deshalb beschränken wir uns auf die Stadt- und Gemeindeergebnisse. Bei Kommunalwahlen wird die Saarbrücker Zeitung selbstverständlich weiterhin die Ortsratswahl-Ergebnisse veröffentlichen.