Umweltschutz kontra Dorfentwicklung?

Umweltschutz kontra Dorfentwicklung?

Der Wahlschieder Ortsrat hat sich zwar grundsätzlich – wenn auch etwas notgedrungen – hinter die Pläne des Umweltministeriums gestellt, eine Wiesenlandschaft zum Landschaftsschutzgebiet zu machen. Doch wünscht man sich, dass ein Abschnitt ausgeklammert wird, um gegebenenfalls noch Platz für Baugrundstücke zu haben.

Das saarländische Umweltministerium will das bisherige Natura 2000-Gebiet "Wiesenlandschaft bei Wahlschied " als Landschaftsschutzgebiet ausweisen. Dies hätte weitere Konsequenzen für Grundstücksbesitzer.

Der Wahlschieder Ortsrat hat jetzt als erstes kommunales Gremium über die Pläne des Ministeriums beraten.

Ortsvorsteher Reiner Zimmer (SPD ) machte deutlich, dass der Ortsrat nur zu dem Teil des Gebietes eine Stellungnahme abgeben kann, der auf Wahlschieder Bann liegt. "Das Gebiet umfasst aber auch Teile von Holz oberhalb des Schützenhauses am Heidstock", so Zimmer. Er wies außerdem darauf hin, dass der Ortsrat keine Entscheidung treffen, sondern lediglich besagte Stellungnahme zur geplanten Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet abgeben kann: "Wir werden uns nicht dagegen verwehren können, die Entscheidungsbefugnis hat das Land."

Doch der Ortsrat hat einen Wunsch: Er möchte die Landschaftsteile, die oberhalb des Langgartens liegen, aus der Schutzwürdigkeit herausnehmen. Dazu Zimmer: "Der Ort wird durch die Ausweisung hochgradig belastet, denn wir könnten keine neuen Baugrundstücke mehr ausweisen. Deshalb wollen wir wenigstens drei kleine Flächen oberhalb des Langgartens aus der Ausweisung herausnehmen. So viel Luft sollte das Land uns lassen. Es bleiben dann immer noch große Gebiete drin."

Deshalb beschloss der Rat einstimmig, dass er mit der Ausweisung der Wiesenlandschaft als Landschaftsschutzgebiet zwar grundsätzlich einverstanden ist, jedoch unter der Voraussetzung, dass der Bereich nördlich des Langgartens nicht dazu zählt.

Der Heusweiler Gemeinderat hatte eigentlich schon 2011 dem Projekt - mit knapper Mehrheit - zugestimmt; fünf Jahre später scheint es jetzt an die Realisierung zu gehen.

Bürgerinfo: Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost wird die Pläne für das Landschaftsschutzgebiet am kommenden Mittwoch, 2. November, 18 Uhr, in der Sport- und Kulturhalle allen interessierten Bürgern vorstellen.

Zum Thema:

Hintergrund Nicht gerade glücklich waren die Grundstückseigentümer schon 2005 gewesen, als die "Wiesenlandschaft" im Zusammenspiel von Europäischer Union und Land zu einem "Natura-2000-Gebiet", bzw. zu einem FFH-Gebiet ("Flora-Fauna-Habitat") erklärt worden war - verkürzt ausgedrückt eine Art Vorstufe zu einem Naturschutzgebiet. Schon damals ergaben sich daraus auch Einschränkungen für die Nutzer der Flächen. Das saarländische Umweltministerium wollte das Gebiet später auch als Landschaftsschutzgebiet ausweisen lassen, was der Heusweiler Gemeinderat 2010 noch ablehnte. 2011 jedoch stimmte er mehrheitlich zu (bei 13 "Ja"- und 12 "Nein"-Stimmen sowie 15 Enthaltungen) - was wiederum für Verärgerung unter den Betroffenen führte, die nicht noch strengeren Richtlinien unterworfen werden wollten. Bei dem betroffenen Gebiet geht es um eine etwa 70 Hektar große Wiesen- und Ackerlandschaft, die unter Schutz gestellt werden soll, weil dort Pfeifengraswiesen und sogenannte Magere Flachlandmähwiesen wachsen. mr

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