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Tage des Heusweiler Senders sind gezählt

Heusweiler. Seit 80 Jahren gehen von Heusweiler aus Radiosendungen in den Äther. Doch mit dem Ende der Mittelwelle am 31. Dezember 2015 haben diese Sender des Saarländischen Rundfunks ausgedient. Die beiden 120 Meter hohen Antennenmasten sind ein Wahrzeichen des Köllertals. Fred Kiefer

Ein Freitagabend im Oktober der späten 1960er Jahre, 18.05 Uhr: Tausende überwiegend junge Leute vom Nordkap bis nach Italien haben an ihren Radios die Mittelwellen-Frequenz 1421 des Saarländischen Rundfunks eingestellt - die "Europawelle Saar". Sie alle lauschen der Musiksendung "Hallo Twen" mit Manfred Sexauer . Ab 4. Oktober 1965 an fünf Tagen der Woche ausgestrahlt, hat die Sendung mit den neuesten Songs der Beatles, Rolling Stones, Mamas and Papas, Animals, Beach Boys und der zahlreichen anderen Beatgruppen bereits nach kurzer Zeit Kultstatus erreicht.

Zwar brachten auch andere ARD-Sender Musikprogramme, "Hallo Twen" blieb jedoch bis zum Ende im Jahr 1973 die Nummer Eins und ein Markenzeichen des SR. In den Studios auf dem Halberg in Saarbrücken produziert und von den 1948 und 1965 errichteten Sendemasten in Heusweiler in den Äther geschickt, war Manfred Sexauers Sendung über Mittelwelle europaweit zu hören. Die Sendeanlage in Heusweiler war damals mit 1200 Kilowatt die leistungsstärkste im gesamten ARD-Bereich.

Im Gespräch mit Reinhard Donie, dem stellvertretenden SR-Fachbereichsleiter Programmverbreitung, und mit SR-Archivar Roland Schmitt erfuhren wir noch mehr über den Sender: Seit 1. Oktober 1994 sendet Deutschlandradio das Mittelwellenprogramm des Deutschlandfunks vom auf 400 kW reduzierten Heusweiler Sender, nachdem der SR drei seiner vier Programme nur noch über UKW ausstrahlte. Einzig Antenne Saar wird voraussichtlich noch bis Ende des Jahres sein deutsch-französisches Programm über die Mittelwellen-Frequenz 1179 kHz von der 50 Meter-Antenne nahe des Hauptsenders in Heusweiler ausstrahlen.

Ende 2015 endet in Deutschland die Mittelwellen-Ära. Fast alle Rundfunkanstalten werden nach dem 31. Dezember nur noch über die Ultrakurzwelle (UKW) oder digital (DAB+) und über Internetradio senden. Von der "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten" (KEF) wird es ab dem 1. Januar 2016 jedenfalls keine Zuschüsse mehr aus dem Fonds der Rundfunkbeiträge für Mittelwellenprogramme geben. Deutschlandradio hat seinen Mietvertrag mit dem SR zum 31. Dezember 2015 gekündigt.

Die Anlage in Heusweiler wird danach vom Saarländischen Rundfunk nicht mehr benötigt - die beiden 120-Meter-Antennen, die 50-Meter-Antenne sowie ein Verwaltungs- und Technikgebäude stehen hier. Die Rundfunkanstalt bemüht sich, einen Mieter für die Gebäude zu finden. Die Sendemasten werden voraussichtlich demontiert.



Zum Thema:

HintergrundGeschichts-Daten: 23. Dezember 1935: Inbetriebnahme des ehemaligen Langenbergsenders mit einer Leistung von 17 kW und Sendefrequenz von 859, später 1249 kHz, in Heusweiler .November 1938: Die neue Senderanlage Heusweiler mit 17 Kilowatt (kW) wird montiert.17. März 1945: Der Heusweiler Sender wird im Krieg zerstört.19. Juni 1946: Betriebsbeginn in Heusweiler mit einem Marconi-Sender.10. Juli 1948: Der 120 Meter hohe Stahlgittermast geht in Betrieb.16. April 1958: Die Bauarbeiten am neuen Verwaltungsgebäude beginnen.2. Januar 1964: Start der Europawelle Saar. 18. März 1965: Der zweite 120-Meter-Sendemast wird errichtet.1972: Das Verwaltungsgebäude wird erweitert. 1. Oktober 1994: Deutschlandradio sendet auch von Heusweiler . aki

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