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Stück Heimatgeschichte mit toller Aussicht

Heusweiler. 155 Stufen geht's nach oben. Der Aufstieg ist anstrengend, aber die atemberaubende Aussicht belohnt für alle Mühen. Am Samstag konnten Besucher den Blick vom Fördergerüst der früheren Grube Dilsburg genießen. Andreas Engel

Leo Forster aus Heusweiler und sein Enkel Kevin stehen in luftiger Höhe, 35 Meter über der Dilsburger Erde. "Dort drüben ist unser Haus", sagt Forster zu Kevin und deutet in Richtung Ortsmitte. Opa Forster und sein Enkel waren am Samstag nicht die einzigen Besucher, die das Dilsburger Schachtgerüst bestiegen haben. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins für Industriekultur und Geschichte waren alle eingeladen, sich ein Bild von der Schachtanlage und der sie umgebenden industriellen Infrastruktur zu machen. "Ein Stück Heimatgeschichte ", sagte Karl Heinz Janson, Vorsitzender des Vereins für Industriekultur und Geschichte.


Janson war es auch, der an diesem Samstag mindestens ein Dutzend Mal die 155 Stufen bis auf das Hochplateau stieg, um Besuchergruppen das Bauwerk zu erläutern. Ganz nebenbei hatten die Gäste ein tolles Fernblickvergnügen, von Riegelsberg bis zum Schaumberg. Wieder zurück am Boden, warteten auf die Gäste Erfrischungen und ein herzhaftes Mahl. Siegfried und Eveline Büch reisten sogar aus Siersburg an, um sich den Turm anzuschauen. "Ich arbeitete viele Jahre unter Tage in Ensdorf und Elm", sagte Büch. Er sei der bergmännischen Geschichte an der Saar sehr verbunden.

Zu den weithin markantesten Punkten der Industriekultur im Köllertal zählt der Schachtturm der früheren Grube Dilsburg. 1977 erbaut, ist der Metallturm zu einer Art Wahrzeichen von Heusweiler geworden.



Im Jahr 1927 wurden in Dilsburg 210 000 Tonnen Steinkohle gefördert, berichtet Janson, mehr als 1400 Bergarbeiter waren beschäftigt. Aber schon ab 1929 wurde die Förderung zurückgefahren, 1931 wurde die Grube Dilsburg wegen der Weltwirtschaftskrise vollends stillgelegt. Anfang der 1960er Jahre wurden der Schacht und die Anlagen abgerissen. Aber der Schacht Dilsburg sollte ein zweites Leben erhalten, er wurde ab 1965 von der Grube Ensdorf als Wetterschacht reaktiviert. Dafür errichtete man im Jahr 1977 das heutige, weithin sichtbare Schachtgerüst.

2000 folgte dann die endgültige Stilllegung des Schachtes, die restlichen Anlagen wurden abgebaut, nur das denkmalgeschützte Fördergerüst blieb stehen. Seit dem Jahr 2003 überragt es das Gewerbegebiet "Schacht Dilsburg" und liegt heute inmitten neuer, meist funktionaler Gebäude und Hallen. Als wichtiges Zeugnis der Industriekultur im Saarland.

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