Spannung, Mystik, Herzschmerz

Heusweiler · Historisch fundiert und emotional packend präsentiert sich der neue Roman von Deana Zinßmeister. Die Erstauflage war schon vor dem offiziellen Verkaufsstart ausverkauft, die Zweitauflage ist im Druck.

 Nach der Lesung signierte Deana Zinßmeister (rechts) eifrig Bücher. Foto: Monika Jungfleisch

Nach der Lesung signierte Deana Zinßmeister (rechts) eifrig Bücher. Foto: Monika Jungfleisch

Foto: Monika Jungfleisch

Rappelvoll war der Festsaal des Heusweiler Rathauses, als Bestseller-Autorin Deana Zinßmeister zur Premierenlesung ihres Historienromans "Das Pestdorf" einlud. Gut 120 Lesebegeisterte konnte der Heusweiler Rathauschef Thomas Redelberger begrüßen, ebenso seine Bürgermeister-Kollegen aus Sulzbach, das kürzlich die Liebesromantage mit der Autorin ausgerichtet hatte, und aus Piesport, in dem ein Teil der Romanhandlung spielt. Sie durften die Ersten sein, die aus dem Mund der Autorin erfuhren, welche Überraschungen das Schicksal den Protagonisten Susanna, ihrem Mann Urs und den Kindern Gritli und Michael im dritten Teil der Pest-Reihe bereitet.

Und fürwahr: Die Autorin hat wieder jede Menge historische Einzelheiten, Spannung, Mystik , Herzschmerz und auch Gesellschaftskritik in das 470 Seiten starke Buch gepackt.

Die Geschichte spielt im Jahr 1671 in Trier. Der 30-jährige Krieg ist lange vorbei und viele glauben, die Pest sei ausgerottet. Doch gerade an dem Tag, an dem die 15-jährige Tochter von Susanna und Urs eine Botenfahrt in das Moseldorf Piesport macht, bricht dort die Pest aus, und das Dorf wird abgeriegelt. Keiner darf mehr rein und keiner mehr raus. Während Urs und Susanna versuchen, ihre Tochter aus der Quarantäne zu befreien, versucht der undurchsichtige Urban Griesser in die Stadt hineinzukommen. Eindrucksvoll schildert Deana Zinßmeister , in welcher Angst die Menschen damals lebten, umgeben von Aberglaube und Unwissenheit.

Drei Episoden liest die Heusweiler Schriftstellerin vor, die allesamt die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Als Deana Zinßmeister die Kirchenglocken fünfmal schlagen lässt, wissen die Menschen in der Nachbargemeinde von Piesport, wie viele Tote das Dorf am Abend zu beklagen hat. Bei einigen Zuhörerinnen glitzern Tränen in den Augen, als klar wird, dass vor allem Kinder unter den Toten sind. Auch ihre Schilderung über das "Geldmännchen", das einem die Münzen vermehrt, rief in Erinnerung, wie viel Furcht vor Dämonen, vor dem Teufel, dem Fegefeuer und der Apokalypse in den Menschen damals loderte.

Besonders beeindruckend ist die Beschäftigung der Autorin mit dem Thema Homosexualität. Dem Paar nähert sich Deana Zinßmeister nicht voyeuristisch, sondern einfühlsam aus Sicht der Betroffenen und deren Umfeld, beschreibt behutsam deren Gefühle, sucht nach Antworten. Hierfür hat die Autorin viele gleichgeschlechtliche Paare interviewt. "Ich war überrascht, dass auch noch in unserer heutigen aufgeklärten Zeit viele Homosexuelle in der eigenen Familie teilweise auf die gleichen Meinungen und Widerstände stoßen wie Michael und Andrea im Roman."

Das Publikum brach nach der Lesung und dem abwechslungsreichen Zwiegespräch zwischen Moderatorin Martina Straten und Deana Zinßmeister in langanhaltenden Applaus aus. Viele nutzten die Gelegenheit, sich die Romane von der Autorin signieren zu lassen. "Statt einem Buch kaufe ich nun gleich ein zweites - für meine Schwester. Vielleicht kann sie dann ihren Sohn und seinen Freund besser verstehen", meinte eine ältere, sichtlich bewegte Leserin augenzwinkernd. Musikalisch umrahmt wurde die Premierenlesung von Opernsänger Martin Emrich und Christoph Schach am Flügel.