Sozialplan für 155 Mitarbeiter des Eiweiler Laminateparks

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus für Unternehmen mit langer Geschichte : Sozialplan für Eiweiler Laminatepark

70 Mitarbeiter des Holzfaserplatten- und Bodenherstellers haben neue Jobs, 155 werden in Transferagentur überführt.

Der Sozialplan steht – und damit auch das Ende eines traditionsreichen saarländischen Standortes der holzverarbeitenden Industrie: Der Laminatepark im Heusweiler Ortsteil Eiweiler stellt bis Ende des Jahres in zwei Schritten seine Produktion ein (wir berichteten). Seit Juni war über den Sozialplan verhandelt worden, ein erstes Angebot der Geschäftsleitung – eine Abfindungsquote von 0,2 – hatte der Betriebsrat als „reine Provokation“ gesehen. Letztlich ist es nun eine Abfindungsquote von 0,8 – das heißt: Als Abfindung gibt es 0,8 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit, schildert Betriebsratsmitglied Joachim Thoma. Hinzu kommen Einmalzahlungen von 4000 Euro pro Kind und für schwerbehinderte Mitarbeiter. Diese Zahlen „hören sich erst mal gut an“, so Thoma, man müsse aber auch bedenken, „dass das Geld versteuert werden muss; da sind also meist 33 bis 40 Prozent wieder weg.“

Dennoch: Unterm Strich seien der Betriebsrat, die IG-Metall und auch die Kollegen mit dem Sozialplan an sich recht zufrieden, zumal noch eine Patronatserklärung unterzeichnet werde, also eine Garantie für den Sozialplan, der dann selbst im Falle einer Insolvenz noch greife.

Rund 70 Mitarbeiter hätten bereits neue Stellen gefunden, meistens Handwerker wie Schlosser und Elektriker, „die sind heiß begehrt“.  Deutlich schwieriger sei es für die Kollegen, die jetzt seit 20 oder gar 30 Jahren an den sehr spezifischen Produktionsanlagen arbeiten. So gebe es im Saarland nur noch in Losheim eine Anlage zur Herstellung von MDF-Platten (Mitteldichte Faser-Platten), zudem noch in Luxemburg. Die meisten der etwa 155 verbleibenden Mitarbeiter werden ab Oktober zunächst in eine Transferagentur überführt. „Nur die Bereiche IT und Finanzwesen werden zu Abwicklungsarbeiten wenige Monate später eingestellt“, erklärte Geschäftsleiter Patrick Biehler.

Wiewohl Thoma mit dem Sozialplan vergleichsweise zufrieden ist, mit der Werksschließung ist er es nicht. Der Absatz des fertigen Laminats sei von Jahr zu Jahr zurückgegangen, andererseits sei das Werk bei der Herstellung der zur Laminat-Produktion notwendigen MDF-Trägerplatten gut ausgelastet gewesen, was zeige, dass andere Unternehmen – die Käufer der Trägerplatten – offenbar Laminat verkaufen können. Die Geschäftsleitung hatte als Ursache der Schließung angeführt, der Markt für Laminate sei eingebrochen. In Europa, so Thoma, sei tatsächlich ein Rückgang zu verzeichnen, das Unternehmen produziere jedoch für den Weltmarkt.

Das Werk – es gehört der Tarkett- und der Sonae-Arauco-Gruppe – habe in den Vorjahren im Schnitt eine schwarze Null eingefahren. Es gebe jedoch einen Investitionsstau von etwa 17 Millionen Euro, auch durch Umweltauflagen: Die „TA Luft“ („Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“) lasse nur noch eine geringere Formaldehyd-Konzentration in den Abgasen zu, die nötigen Filter würden etwa 13 Millionen Euro kosten. Jedoch sei seit 2014 bekannt, dass solche Filter noch 2019 in Betrieb gehen müssten. Man habe der Geschäftsleitung auch vorgeschlagen, mit dem vergleichsweise kleinen Werk eine Marktnische einzunehmen und auf die Produktion von Formaldehyd-freiem Laminat umzusteigen. Das sei zwar pro Quadratmeter ein bis zwei Euro teurer, aber im Zeichen von Umweltschutz und gutem Wohnraumklima wohl gut zu vermarkten gewesen. Doch die Geschäftsleitung sei nicht darauf eingegangen. Ein potentieller Investor hätte auch in diese Kerbe geschlagen, aber die Betriebsleitung habe gesagt, dass dessen Konzept nicht ausgereift sei. Zum Sozialplan sagt Geschäftsleiter Biehler: „Ich bin froh darüber, dass wir eine Einigung erzielen konnten. Es waren lange und intensive Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern, in denen wir nun ein allseits akzeptables Ergebnis erreicht haben. Damit schaffen wir Klarheit.“ Die Geschäftsführung bedauere, „so schwere Einschnitte machen zu müssen“.

Ihren Anfang hatte die Holzverarbeitung in Eiweiler durch die Schreinerei von Nikolaus Geissler genommen, aus der, vorangetrieben von Sohn Albert Geissler, die Glunz-Werke hervorgegangen waren. In den 1950ern hatten die damalige Möbelfabrik und das seinerzeit größte Spanplattenwerk Europas 1500 Mitarbeiter.

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