Sigrun Kleiber, Damenschneiderin bei der VHS Heuseilwer

Sigrun Kleiber, Damenschneiderin bei der VHS Heuseilwer : Ihre Garderobe näht sie komplett selbst

Sigrun Kleiber ist Damenschneiderin und gibt ihr Wissen seit 30 Jahren in Kursen bei der VHS Heusweiler weiter.

„Jeden Morgen nach dem Frühstück ruft meine Nähmaschine“, sagt Sigrun Kleiber, und sie geht dann entweder in die Nähstube im Keller oder in die Nähstube unter dem Dach. Das richtet sich nach der konkreten Aufgabe, denn die Stuben unterscheiden sich durch die dort stehenden Nähmaschinen.

Die 72-Jährige hat einen Gesellenbrief als Damenschneiderin und gibt ihr berufliches Wissen heute an Frauen weiter, die ihre Kurse in der Heusweiler Volkshochschule besuchen. Seit mehr als 30 Jahren ist sie VHS-Dozentin, wurde für ihr Engagement ausgezeichnet und hat im nächsten Semester wieder ihren Kurs im Angebot. „Erst wollte ich nur einmal einen Kurs geben. Daraus sind Angebote über Jahrzehnte geworden, weil die Teilnehmerinnen so angenehm sind. Einige begleiten mich schon lange“, sagt sie in ihrem Wahlschieder Zuhause.

Dort sitzt sie an ihrer Pfaff-Nähmaschine. Die lindgrüne, schlanke Maschine ist schon 55 Jahre alt und wird von ihr gehütet wie ein Schatz: „Die werde ich niemals hergeben. Die kann nicht die Ziernähte moderner Maschinen, aber sie ist robust und verarbeitet jedes Material“, sagt die Schneiderin.

Auch die Stoffscheren, die sie in ihrer Gesellenzeit gekauft hat, hat sie heute noch. Sie dürfen niemals etwas anderes als Stoff schneiden und werden regelmäßig geschliffen.

Als Damenschneiderin arbeitete Kleiber auf der Bellevue in Saarbrücken, bis sie heiratete: „Damals war das so, dass die Frauen ihren Job aufgaben. Mein Mann arbeitete als Meister bei Saarstahl, und ich blieb zuhause.“ 1969 zogen beide nach Wahlschied, dann entdeckte die VHS Heusweiler die Talente der engagierten Schneiderin, die ihre eigenen Kleider komplett selbst näht. Hosen, Jacken, Blusen fertigt sie alleine, dazu kommen Kissen oder Taschen.

In den Kursen gibt sie ihr Wissen an Frauen weiter, die die Handarbeit als Hobby lieben. Der Schneider-Beruf aber sterbe aus. In den 30 Kursjahren hatte sich übrigens ein einziges Mal ein Mann angemeldet. „Der wollte lernen, wie man Gardinen näht, ist dann aber nicht gekommen“, erinnert sich Kleiber. Und so bleiben bis heute die Frauen unter sich und treffen sich in jedem Semester zu zwölf Terminen donnerstagsabends in der Heusweiler Realschule. „Die Frauen bringen ihre Nähmaschinen mit und ihre Stoffe und nähen, was sie wollen. Ich gebe ihnen Tipps und Anleitung“, sagt die Dozentin.

Die Kurse sind gut besucht, die Teilnehmerinnen sind zwischen elf und 80 Jahre alt. „Solange ich gesund bleibe, mache ich weiter“, sagt Kleiber. Die Mutter zweier Söhne und dreifache Großmutter denkt noch nicht ans Aufhören.

Sie freut sich, wenn die Enkel Overalls bei der Oma bestellen: „Kaum hatte die Elfjährige einen, meldete die Siebenjährige ihre Wünsche an. Und so nähe ich jetzt Overalls. Früher fertigte ich für alle Verwandten die Brautkleider, da besteht momentan kein Bedarf mehr.“

Die Volkshochschule des Regionalverbandes zeichnete Kleiber kürzlich für ihre drei Jahrzehnte als Dozentin in Saarbrücken aus.

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