| 17:12 Uhr

Monteur aus Heusweiler erinnert sich
Bei Eiseskälte am Mast geschraubt

„Dort oben haben wir den Isolator installiert“: Mit diesen Worten zeigt Heinz Probst auf den Sendemast in Heusweiler.
„Dort oben haben wir den Isolator installiert“: Mit diesen Worten zeigt Heinz Probst auf den Sendemast in Heusweiler.
Heusweiler. Monteur Heinz Probst erinnert sich an seine beschwerlichen Arbeitseinsätze am Sendemast in Heusweiler. Von Fred Kiefer

Die Wahrzeichen Heusweilers verschwinden: Kommenden Freitag werden die beiden 120 Meter hohen Mittelwellen-Sendemasten und der 50 Meter hohe Mast des Saarländischen Rundfunks (SR) entfernt. Einen Tag später wird auch das Abschirmnetz über ein Teilstück der Autobahn 8 demontiert. Hintergrund: Nach der bundesweiten Abschaltung der Mittelwelle Ende 2015 gab es keine Verwendung mehr für die 1946, 1948 und 1965 errichteten Sender. Der SR hatte sich vergeblich um Nachmieter bemüht. Um weitere teuere Unterhaltungskosten zu sparen, blieb dem Eigentümer nichts anderes übrig, als die Masten entfernen zu lassen.


Die Saarbrücker Zeitung berichtete mehrfach über die Sendeanlage. Nun haben wir einen Mann aus Heusweiler ausfindig gemacht, der ab Oktober 1964 fast sechs Monate am Sendemast arbeitete. Heinz Probst, Jahrgang 1937, ersetzte mit Kollegen die alten Isolatoren gegen neue leistungsfähigere am Fuß und in halber Höhe des Mastes. Arbeiten, die sie im Auftrag des Unternehmens Brown, Boveri & Cie erledigten.

Der Monteur erinnert sich noch gut an die oft schweren Arbeiten. Immer wenn sein Spaziergang ihn am Heusweiler Sender vorbeiführt, muss er daran denken, wie die Halteseile gelockert wurden und der Mast mit Lucas-Pressen angehoben wurde, um die alten Isolatoren zu entfernen und gegen dickere auszutauschen – einer direkt unter dem Mast und vier weitere im Bereich der Halteseile. Dazu musste damals auch der Isolator in ungefähr 60 Meter Masthöhe erneuert werden. Wie sich Probst erinnert, war es ein strenger Winter, der die Montagearbeiten noch weiter erschwerte. „In 60 Meter Höhe wehte eiskalter Wind, so dass wir froh waren, wieder am Boden zu sein. Gott sei dank lief alles unfallfrei ab.“



Die Isolatoren waren notwendig, um die Leistung des Senders zu erhöhen. Seit dem Bau des ersten 120-Meter-Sendemastes im Jahr 1946 wurde die Leistung der beiden Sender mehrfach erweitert, bis sie, 1973, 1200 Kilowatt erreicht hatte. Die Heusweiler Mittelwellensendeanlage war damit die stärkste in Deutschland. Probst half auch mit, den 50-Meter-Mast zu errichten und war später am Sender auf der Göttelborner Höhe eingesetzt.

Heinz Probst arbeitete am Heusweiler Sender.
Heinz Probst arbeitete am Heusweiler Sender.