„Schüler retten Leben“

Eine außergewöhnliche Unterrichtseinheit stand für Viertklässler der Erich-Kästner-Schule auf dem Stundenplan. Mediziner Heiner Maria Klein machte ihnen klar, wie sie zu Lebensrettern werden können.

Als Heiner Maria Klein, Allgemeinmediziner im "Unruhestand", wie er selbst erklärt, den Jungen und Mädchen aus dem vierten Schuljahr der Erich-Kästner-Grundschule in Holz erklärt, was bei einem Herzstillstand zu tun ist, hören einige aufmerksam zu, andere albern ein bisschen herum. Doch als auf ein von ihnen nicht bemerktes Zeichen der Hausmeister Frank Wahl plötzlich zusammenbricht und anscheinend nicht mehr atmet, da wird allen ganz schön mulmig. Ein lebendiges Beispiel, weiß Klein aus langjähriger Erfahrung bei der Schulung von Erwachsenen, wirkt meist am besten. So auch bei den Kindern, die allesamt hautnah am Geschehen dabei sind. Schnell löst Klein die Situation auf, der Hausmeister hat seinen Herzstillstand nur vorgetäuscht - die Kinder sollen nach der Theorie und dem Anschauungsunterricht am Hausmeister nun an der Puppe üben, was sie gelernt haben. "Egal was ihr macht, ihr könnt nichts kaputt machen. Nur wer nichts tut, rettet kein Leben", sagt Klein und gibt Kommandos, was im Ernstfall zu tun ist. In einem ersten Schritt sollen die Jungen und Mädchen die bewusstlose Person ansprechen und danach um Hilfe rufen. "Sprecht direkt jemanden an, der euch hilft und die 112 anruft", erklärt er. Danach geht es ans Kontrollieren der Atmung und schließlich an die Herzdruckmassage. Erst zögerlich, dann immer aktiver beteiligen sich die Kinder an der Rettungsaktion. "Wichtig ist, dass sie ein Gefühl für die Herzdruckmassage bekommen und dass sie den Mut haben, etwas zu tun", betont Klein.

Im Rahmen der Woche der Wiederbelebung hat Heiner Maria Klein die Idee entwickelt, bereits an der Grundschule das Thema den Schülern nahe zu bringen. Vor allem der Bericht in den Medien über einen neun Jahre alten Jungen, der es geschafft hat, seinen zweijährigen Bruder zu reanimieren, hat ihn ermutigt, im Grundschulalter anzusetzen. "Irgendwann im Leben kommt wohl jeder mal in die Situation, eine bewusstlose Person vor sich zu haben, dann heißt es zu handeln", erklärt er. Allein 80 000 Menschen im Jahr, erzählt er den Schülern, erleiden in Deutschland ein Herzversagen, "etwa 10 000 davon sind zu retten, wenn jemand schnell mit der Herzdruckmassage beginnt". Die Erklärung, warum schnelles Handeln so wichtig ist, bleibt er den Kinder nicht schuldig. "Je schneller ihr beginnt, desto besser ist das für das Gehirn. Wenn dort kein Sauerstoff ankommt, dann sterben nach ein paar Minuten die ersten Zellen ab."

Am Ende der Unterrichtseinheit unter dem Motto "Schüler retten Leben" nehmen die Jungs und Mädchen die Motivation mit nach Hause, auf jeden Fall aktiv zu werden. Dabei sollen ihnen drei kleine Karten helfen, die die drei Schritte "Prüfen-Rufen-Helfen" zusammenfassen. Dazu gibt es von Klein noch eine Urkunde, die ihnen bescheinigt, an dieser außergewöhnlichen Schulstunde teilgenommen zu haben.