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Schiff ahoi: Mit der Störtebeker auf der Saar

Klaus-Peter Rothenbusch, Vorsitzender der Marinekameradschaft Heusweiler, beim Anlegen der Störtebeker in Saarbrücken.
Klaus-Peter Rothenbusch, Vorsitzender der Marinekameradschaft Heusweiler, beim Anlegen der Störtebeker in Saarbrücken.
Heusweiler. Eine sehr angenehme Entdeckung der Langsamkeit ist unsere Fahrt mit dem Boot Störtebeker der Marinekameradschaft Heusweiler zum Saarspektakel. Das Auge bekommt dabei viel geboten. Andreas Engel

"Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön, ja da kann man viele Leute von der Reling spucken sehn" - soweit das bekannte Volkslied. Schön und lustig - aber ohne Spucken - war sie denn auch, die Schiffsreise, die 17 Mitglieder der Marinekameradschaft Heusweiler am Freitag von Merzig nach Saarbrücken unternahmen. Seit dem ersten Saarspektakel 1999 fährt die Marinekameradschaft jedes Jahr mit ihrer Barkasse Störtebeker, die im Hafen Merzig ankert, zum Fest in die Landeshauptstadt. "Das ist immer wieder ein tolles Erlebnis", schildert Thomas Leidinger, der seit 25 Jahren der Marinekameradschaft angehört, genau so lange, wie Klaus-Peter Rothenbusch Vorsitzender des Vereins ist.


Nach dem obligatorischen Flaggenhissen tuckerte die Störtebeker, ein zwölf Meter langes Beiboot aus dem letzten Weltkrieg, mit gut gelaunten Matrosen aus dem Sporthafen. Die Saar ist im Sommer von den hoch bewachsenen Ufern eingerahmt, von den Uferbefestigungen ist nichts zu sehen. Das unaufgeregte Stampfen des Neun-Liter-Diesel-Motors und der Wellenschlag am Bug kann den Reisenden in Trance versetzen. Selten begegnet man im Streckenabschnitt zwischen Merzig und Staustufe Rehlingen anderen Booten. Gerade drei Sportboote tauchen in den grünen Fluten auf.

Nach knapp einer Stunde Fahrt ist die Staustufe Rehlingen erreicht. Nächster Halt ist die Schleuse in Saarlouis-Lisdorf. Von dort wird die Störtebeker von einem hübschen Kajütboot aus Kehl bis hinter Völklingen begleitet. Am Kraftwerk Ensdorf kann man beobachten, wie ein großer Schubverband entladen wird. Die Fauna ist ähnlich üppig wie die Flora: Kormorane, Reiher, Teichhühner, Möwen, Schwäne und Gänse sind ständige Begleiter. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte entfaltet vom Fluss aus betrachtet einen ganz neuen Eindruck: Aus Fenstern, Dächern und Leitungen wachsen Bäume wie in einer Traumwelt.

Langsam nähert sich die Reise dem Ende. Kapitän Rothenbusch telefoniert mit dem Schleusenwärter in Burbach und macht alles klar zum Schleusen. Das Messegelände passiert die fröhliche Reisegruppe um 14.30 Uhr. Radfahrer fahren mit der Störtebeker um die Wette und gewinnen - das alte Schiff schafft höchstens neun Knoten, also nicht einmal 20 Stundenkilometer.

Am Ziel in Saarbrücken laufen die letzten Vorbereitungen zum Saarspektakel . Leider ist der reservierte Liegeplatz in Höhe des Finanzamtes belegt. Kapitän Rothenbusch verliert nicht die Ruhe. Mit Hilfe des THW wird der Abstand von ein paar nebeneinander liegenden Booten verringert, dann passt auch die Störtebeker in die Lücke hinein.



"Den Fluss, der der Heimat den Namen gibt, auf diese Weise zu erleben", das ist für Wolf Barckow neben der gelebten Kameradschaft das Schönste an so einer Fahrt. Die Verbundenheit mit dem Wasser, der Heimat und die Entschleunigung auf dem Boot bleibt für alle Teilnehmer nach gut fünf Stunden Fahrt angenehm in Erinnerung.

Das Schleusen ist auch für erfahrene Schiffer immer wieder ein spannendes Manöver – hier an der Staustufe Rehlingen. Fotos : Andreas Engel
Das Schleusen ist auch für erfahrene Schiffer immer wieder ein spannendes Manöver – hier an der Staustufe Rehlingen. Fotos : Andreas Engel