Schäferstündchen auf der Bühne

Es geht um Liebe, Sex und jede Menge Missverständnisse. Die Kleine Bühne Niedersalbach begeisterte die Besucher der Sessionseröffnung im Bürgerhaus mit dem Stück „Wie wär's denn, Mrs Markham?“.

Es ist guter Brauch, dass die Kleine Bühne Niedersalbach die Sessionseröffnung des Heimat- und Verkehrsvereins mit einer Komödie beginnt. Diesmal hatte man sich das Stück "Wie wär's denn, Mrs Markham?" von Ray Cooney und John Chapman ausgesucht. So viel vorweg: Je länger das Stück dauerte, umso mehr schrien sich die Leute weg. Vor allem in der turbulenten Schlussphase musste man Angst haben, dass einige Zuschauer einen Lachkrampf bekommen. Dass es am Ende einen fast siebenminütigen, rhythmischen Schlussapplaus gab, bewies die Begeisterung des Publikums. Zum Inhalt: Das Ehepaar Joanne und Philip Markham (Désirée Becker, Markus Meiser) hat ein ruhiges, beschauliches Leben. Joanne lässt die Wohnung durch den schrillen Designer Alistair (Michael Münz) ein wenig aufpeppen, was die Geschmacksnerven des Hausherrn nicht immer trifft. Als Joanne und Philip abends zu einem Verlegerball wollen, möchten Philips Geschäftspartner Henry (Thomas Redelberger ) und dessen Frau Linda (Elfriede Jung) unabhängig voneinander die Wohnung als Schauplatz für ihre Seitensprünge nutzen. Henry will mit der bildhübschen Missis Wilkinson (Lara Forster) und Linda mit Walter Pengbourne (Christian Mang) ins Bett. Auch Alistair möchte dort ein Schäferstündchen mit dem Au-Pair-Mädchen Sylvia (Franziska Krass) verbringen. Zu allem Überfluss beabsichtigt die erfolgreiche Buchautorin Olive Harriet Smythe (Ramona Leuschel) ausgerechnet am gleichen Abend mit Philip einen Vertrag auszuhandeln, der dessen berufliche Zukunft nachhaltig sichern soll. Nur, diese Dame vom Lande ist überaus auf Sitte und Anstand bedacht. Und so nehmen die Turbulenzen und Verwicklungen aus geplanten und ungeplanten, gewollten und nicht gewollten Liebesabenteuern ihren Lauf. Die bizarre Verwechslungskomödie begeisterte zweieinhalb Stunden lang durch Wortwitz, Klamauk und Frivolitäten. Text und Bühnenbild stellten hohe Anforderungen an die Kleine Bühne, die jedoch alle Schwierigkeiten meisterte. Besonders gelungen: Der Zuschauer hatte Schlafzimmer, Liebeswiese und Wohnbereich ständig im Blick. Dazu wurden die Türen und Räume der Bühne reichlich für Auf- und Abtritte genutzt, was dem Spiel Rasanz verlieh. Und natürlich spielte das Stück wunderschön mit Klischees: Die Themen Seitensprung, Sex und "Schwulsein-oder-nicht?" funktionierten, weil sie vorhersehbar, überzogen und herrlich blöd daher kamen. Grandios Michael Münz, der seine Rolle als Weiberheld mit schwuler Attitude meisterhaft umsetzte. Zum Brüllen sein entsetzter Schrei: "Heiliger Yves St. Laurent!" Nackte Haut gab es auch: Désirée Becker zeigte Bein und Dekolletee, Franziska Krass strippte unter der Bettdecke, und Münz brachte das weibliche Publikum mit nacktem Oberkörper und knappen Shorts ins Schwitzen. Großartig auch Désirée Becker, die erstmals seit vielen Jahren wieder auf der Bühne stand, und Markus Meiser, der sich notgedrungen vom Hausherrn zum Butler mausern musste und mit seinem Standardsatz "Wenn ich so kühn sein darf" das Publikum zu Lachsalven reizte. Stellvertretend für die 300 Zuschauer meinte Alban Alt aus Walpershofen: "Das war großartig. Ein sehr anspruchsvolles Stück." Die englische Originalvorlage sei toll umgesetzt worden: "Das war das Beste, was ich seit langem gesehen habe."

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Auf einen BlickDie Akteure im Hintergrund: Regie: Désirée Becker. Souffleuse: Iris Ambrosius. Bühnenbild: Jörg Callsen, Bruno Lesch, Dustin Zahler. Regieassistenz: Marc Meiser. Moderation: Markus Forster, Wolfgang Raber. Termine: Das Stück wird im März noch einmal im Bürgerhaus aufgeführt. Das genaue Datum wird rechtzeitig bekannt gegeben. dg