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Das saarländische Prinzenpaar 2019
Die Prinzenrolle mit teurem Zepterklau

 Ganz zivilisiert – oder besser: mal in Zivil statt im Ornat. das saarländische Prinzenpaar der Session 2018/19, Tobias Speicher und Sarah Port der Heusweiler Karnevalsgesellschaft (HKG).
Ganz zivilisiert – oder besser: mal in Zivil statt im Ornat. das saarländische Prinzenpaar der Session 2018/19, Tobias Speicher und Sarah Port der Heusweiler Karnevalsgesellschaft (HKG). FOTO: Matthias Zimmermann
Heusweiler. Monatelang auf den Thron vorbereitet, dann demütigen närrische Diebe das Paar. Was Tobias I. und Sarah II. alles mitmachen müssen. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Sie kennen sich lange, aber dass sie mal ein Paar werden – das hätten sie sich nie und nimmer träumen lassen. „Ich habe ihn genervt“, gesteht Sarah Port. Tobias Speicher fällt ihr ins Wort: „Oh ja, stimmt, und irgendwann hab’ ich halt nachgegeben.“ Sie machte ihn mürbe. Ein halbes Jahr habe die heute 25-Jährige für ihre Überredungskünste gebraucht. Wenn sie auch anfangs zweifelte, ob er dem gewachsen sei, mittlerweile sieht Sarah das ganz anders. „Ich dachte zuerst, der kriegt keinen Ton raus. Aber er fühlt sich in seiner Rolle richtig wohl.“ Und dabei grinsend wie ein Honigkuchenpferd, legt ihr Partner nach: „Ich bin für die Bühne geboren.“


Tobias und Sarah sind das Prinzenpaar der Heusweiler Karnevalsgesellschaft (HKG) für die Session 2018/19. Damit nicht genug: Sie verkörpern sogar die Obernarren fürs Saarland. Denn beim Prinzenfrühstück in Hülzweiler fiel die Wahl zum Prinzenpaar des Jahres auf sie. Und waren darüber mehr als verblüfft. Warum so verwundert? „Na weil wir beim Quiz total versagt hatten“, gesteht Prinzessin Sarah II. Deshalb malten sie sich nicht die geringste Chance auf den Titel aus. Die Rätselfragen gehörten zu den Prüfungsaufgaben, ob sie für das hohe Amt taugen. Allgemeinbildung als wichtiges Auswahlkriterium also. Weit mehr als 20 Paare aus allen Landesteilen buhlten um die Wette. Viele von ihnen seien bei den Antworten souveräner und zielsicherer aufgetreten. Dann folgte als weitere Hürde eine Rede. Die schien zu überzeugen und die Heusweiler Tollitäten aus dem Schlamassel herauszuholen. „Wir wurden gewählt. Das kam total überraschend“, berichtet die Prinzessin.

 Prinz Tobias I. (Speicher) und Prinzessin Sarah I. (Port) aus Heusweiler in Robe.
Prinz Tobias I. (Speicher) und Prinzessin Sarah I. (Port) aus Heusweiler in Robe. FOTO: Michael Demmer/VSK


Und dies schmiss den ohnehin schon vollgestopften Terminkalender komplett über den Haufen. Tobias: „Wir hatten zuvor mit unseren Arbeitgebern besprochen, an welchen Wochenenden wir wegen Fastnacht frei haben können.“ Samstags und sonntags müssen sie üblicherweise beide ran. Der junge Mann ist nämlich Koch bei einem Partyservice, das die ganze Woche über. Sarah arbeitet als Krankenschwester in einem Saarbrücker Krankenhaus im Wechseldienst. Sie lobt das Verständnis ihrer Kollegen: „Die haben mir dafür extra einen Stationsplan gebacken.“

Die Wahl zu den närrischen Saar-Repräsentanten bescherte ihnen zahlreiche weitere Auftritte und sogar Dienstreisen im Auftrag des Verbands saarländischer Karnevalsvereine (VSK). Bis zu 50 seien es. So auch in die Bundeshauptstadt, wo sie während des Besuchs im Kanzleramt mit Blaublütern auf Zeit aus den übrigen 15 Bundesländern zusammentreffen. Für Tobias ein Höhepunkt, denn: „Ich war noch nie in Berlin.“

Zwischendurch bereiten sich die Beiden auf ihre Besuche vor, haben immer ein paar Sätze vorformuliert, um die Gäste nicht unvorbereitet zu begrüßen. Bei den Redemanuskripten unterstütze sie Stephi Engel. Selbst vor zwei Jahren in der Prinzessinnenrolle, helfe sie jetzt ihren Nachfolgern beim Reimen. „Sie hat einfach Talent dafür“, rühmt Sarah ihre Freundin.

Während die junge Frau mit fast wöchentlich wechselnder Haarfarbe seit Kindestagen Herzblut-Karnevalistin ist, stieß Tobi nach eigenen Angaben erst vor ein paar Jahren als Fastnachter zum Verein. „Ich habe auch vorher gefeiert, bin aber nie aufgetreten.“ Das ist mittlerweile anders. So gehört er dem Männerballett seines Heimatortes an und teilt nur wenige Tage vor der Kappensitzung mit: „Unser Tanz ist schon fertig.“ Das ist ja beruhigend.

Unterdessen wirkt Sarah bei der Prinzengarde sowie beim Schautanz mit. Sie grübelt kurz und stellt fest: „Eigentlich sind wir kaum in unserer Prinzenpaar-Kluft zu sehen.“ Kommt für Prinz Tobi wohl auch billiger, wenn sein Zepter an sicherem Ort aufbewahrt ist. Denn schon zweimal wurde es ihm geraubt. Narren bereitet es nämlich eine diebische Freude, die Insignie in einem unachtsamen Moment an sich zu reißen. Dann muss der Prinz blechen: Saalrunde an die Diebesbande, um das gestohlene Stück auszulösen. „Jetzt hat Tobi einen Halfter am Gürtel, um das Zepter bei sich zu tragen“, sagt Sarah. Aber da werden sich jene, die auf die Jagdtrophäe aus sind, schon was einfallen lassen. Davon sind Tobi und Sarah felsenfest überzeugt.