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Angst vor schwerwiegenden Folgen
Offene Fragen, lauernde Gefahren

Trinkwasser sei ein hohes Gut, hieß es im Heusweiler Gemeinderat. Bei den Grubenflutungsplänen der RAG müsse jegliche Gefahr der Beeinträchtigung des Trinkwassers ausgeschlossen sein.
Trinkwasser sei ein hohes Gut, hieß es im Heusweiler Gemeinderat. Bei den Grubenflutungsplänen der RAG müsse jegliche Gefahr der Beeinträchtigung des Trinkwassers ausgeschlossen sein. FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Heusweiler. Heusweiler Gemeinderat debattiert über Grubenflutung und lehnt RAG-Pläne ab. Von Fredy Dittgen

Der Bergbaukonzern RAG will das Grubenwasser in den stillgelegten Kohlebergwerken auf ein einheitliches Niveau von 320 Metern unter Normal Null (NN) ansteigen lassen und es dann mit einem Überlaufsystem in die Saar ableiten. Dadurch können Pumpstationen aufgegeben werden. Das spart Personal, Material und Geld. Umweltschützer befürchten allerdings, dass unter Tage gelagerte Stoffe, wie PCB-haltige Altöle, überflutet werden und damit ins Grund- und Trinkwasser gelangen.


In einem ersten Schritt will die RAG jetzt die ehemaligen Gruben Duhamel und Reden fluten. Ab 383 Metern unter NN besteht eine hydraulische Verbindung zwischen den Wasserprovinzen Reden und Duhamel. Somit würden zunächst die Grubenräume der ehemaligen Abbaugebiete Primsmulde und Dilsburg aufgefüllt, danach würden die beiden Wasserprovinzen zu einer einzigen und großräumigen Wasserprovinz vereint. Die gesamte Gemeinde Heusweiler ist von diesen Plänen unmittelbar betroffen, denn die Ortsteile Wahlschied, Kutzhof, Holz, Eiweiler und Heusweiler befinden sich in der Wasserprovinz Reden, die Ortsteile Obersalbach und Niedersalbach in der Wasserprovinz Duhamel.

Deshalb lehnte der Gemeinderat Heusweiler in seiner jüngsten Sitzung die Planung der RAG einstimmig ab. Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) betonte, dass das Freisetzen der noch unter Tage befindlichen Abfall- und Betriebsstoffe langfristige Folgen für Natur, Landschaft und Umwelt haben könnte. Zudem könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass Erschütterungen, Bodenbewegungen oder Methangasaustritte auftreten. Auch eine Beeinträchtigung des Grund- und Trinkwassers könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, sagte der Bürgermeister. Manfred Schmidt (CDU) führte aus, dass dieser Themenkomplex noch sehr viele Fragen aufwerfe. Hans-Kurt Hill (Linke) kritisierte, dass sich die RAG mit diesem Vorhaben „aus der Ewigkeitsverpflichtung herausmanövrieren will, um Kosten zu sparen“. Und Wolfgang Karges, der Geschäftsführer der Gemeindewerke Heusweiler, gab zu bedenken, dass die möglichen Erdbewegungen und Erschütterungen das Kanal- und Leitungsnetz der Gemeinde beschädigen könnten.



Ein klein wenig Genugtuung bei dieser einstimmigen Ablehnung der RAG-Pläne verspürte Ulrich Krebs (FDP). Er erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits bei der ersten Vorstellung der RAG-Pläne im Gemeinderat, vor mehr als zwei Jahren, protestiert hatte. Unter dem Titel „Grubenflutung stoppen – Gefahren für Mensch, Umwelt und Trinkwasser vermeiden“ brachte die FDP damals eine Resolution ein, in der die RAG aufgefordert werden sollte, die geplanten Flutungen zu stoppen, bis ein nachhaltiges Konzept zur Grubenwasserhaltung erarbeitet und geprüft ist (wir haben berichtet). Oliver Luksic (FDP) hatte damals auf ein Gutachten der Bundesregierung verwiesen, „wo klar gesagt wurde, es muss weiter abgepumpt werden, sonst können die genannten Risiken entstehen“. SPD, CDU und Linke sahen das im Juni 2015 noch ganz anders. So sagte damals Reiner Zimmer (SPD): „Die ganze Resolution ist nur Blabla. Das ist nur, um wieder bei den Bürgern Angst zu erregen.“ Jörg Schwindling (CDU) und Hans-Kurt Hill (Linke) erklärten, dass sie Zimmer inhaltlich voll zustimmen.

Der Gemeinderat lehnte den FDP-Antrag damals fast geschlossen ab. Nur die FDP und die AfD stimmten der Resolution zu. Dass der Gemeinderat heute völlig anders darüber denkt, kommentierte Ulrich Krebs so: „Niemand kann uns hindern, jeden neuen Tag klüger zu werden.“