Neue Heimat in Heusweiler?

Liebhaber von Jazz und Swing kamen am Sonntagvormittag in Heusweiler auf ihre Kosten. Bongos Bigband, von Freimut Mertes geleitet, legte ein zweistündiges Konzert der Extraklasse hin. Und das bei freiem Eintritt.

Wer im Saarland nach gut gemachtem Jazz und Swing Ausschau hält, der wird bei Bongos Bigband fündig. Das von Freimut Mertes geleitete Ensemble gastierte am Sonntagmorgen in der Kulturhalle und begeisterte 250 Zuhörer mit einem zweistündigen Konzert. Die Band unter der Leitung von Freimut Mertes hat sich seit 30 Jahren dem Bigband-Jazz verschrieben.

"Gruuwe"-Jazz nennt der Bandleader seine Musik, weil das Ensemble seit 2003 auf dem ehemaligen Göttelborner Grubengelände in der IKS-Werkstatt spielt. Seit zehn Jahren tritt die Band in unveränderter Besetzung auf. Bis auf Wolfgang Mertes und Philipp Molz besteht sie ausschließlich aus "Freizeitmusikern", die ihre Instrumente jedoch perfekt beherrschen. Die Band klingt mächtig und kompakt im Zusammenspiel aller Instrumente, filigran - aber zugleich virtuos - in den Soli und besitzt hervorragende Musiker. Nur ein paar wenige Beispiele: "Teufelsgeiger" Wolfgang Mertes - Konzertmeister im Staatsorchester Saarbrücken - heimste mit wahnwitzig schnellen Violin-Soli unzählige Bravo-Rufe ein. Adolf Leinhaeuser brillierte mit einem samtweichen Flügelhorn-Solo in "You're Crying". Clemens Baltes entlockte seinem Baritonsaxophon in "Summertime" abgrundtiefe Töne. Und Dr. Rolf Seel legte sich so sehr ins Zeug, dass sich sein Schlagzeug in alle Einzelteile auflöste.

Klarer Sopran

Das I-Tüpfelchen setzte Sängerin Susanne Kleber mit ihrem klaren Sopran, der in der schwül-warmen Kulturhalle mehrfach für Gänsehaut sorgte. Im Repertoire der Band gab es viele bemerkenswert gut arrangierte Stücke. Wie Gershwins "Summertime", die wohl bekannteste Arie aus der Volksoper Porgy and Bess. Oder ein Medley der bekanntesten Werke Duke Ellingtons ("Tribute to the Duke") sowie "Sing sing sing", ein Song von Louis Prima, den Benny Goodmann weltberühmt machte. "Alles brillant arrangiert! Die sind echt sau gut" lobte Claudia Trappmann aus Kutzhof, die schon mehrere Konzerte der Band besucht hat.

Christof Thomas aus Illingen war das erste Mal dabei: "Ich liebe Jazz und Swing. Als ich hörte, dass in Heusweiler solch ein Konzert stattfindet, musste ich hin. Und ich hab es nicht bereut, im Gegenteil, ich werde mir die wieder anhören."

Vielleicht wird man Bongos Bigband in Heusweiler noch öfter hören, denn die IKS-Werkstatt in Göttelborn schließt im November. "Wir suchen ein neues Domizil. In Frage kommen Dudweiler und Heusweiler . Hier in der Kulturhalle ist die Atmosphäre unglaublich trocken. Das tut dem Sound gut. Selbst wenn die Band laut spielt, ist es für die Zuhörer nicht zu laut", sagte Freimut Mertes. Davon überzeugen kann man sich Sonntag, 20. Dezember, wenn die Band in der Kulturhalle ein jazziges Weihnachtskonzert spielt. Dann auch wieder bei freiem Eintritt. Dazu Freimut Mertes: "Das ist Tradition bei uns. Wir nehmen nie Eintritt. Unseren Fans zu liebe. Die fahren uns sowieso schon überall nach, da sollen sie nicht noch Geld fürs Zuhören bezahlen."