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Porträt
Eichhörnchen leiden an Silvester

Monika Pfister betreibt eine Eichhörnchen-Auffangstation in Heusweiler FOTO: BeckerBredel
Heusweiler. Monika Pfister betreibt in Heusweiler eine Auffangstation. In der Neujahrsnacht starben zwei ihrer kleinen Schützlinge. Von Marco Reuther

Teenager können manchmal ganz schön anstrengend sein. Auch bei den Eichhörnchen. Davon weiß Monika Pfister ein Lied zu singen, denn das Benehmen der Jung-Eichhörnchen kostet ihren Verein eine ganze Stange Geld.


Monika Pfister betreibt die Eichhörnchen-Auffangstation in Heusweiler. Und die hat derzeit ein ungewöhnliches, gewissermaßen klimatisches Problem: Wegen des lange anhaltenden warmen Wetters im vorigen Jahr hielt auch die Vermehrung bei den Eichhörnchen lange an, so dass sie noch Schützlinge betreut, die erst Ende September geboren wurden. Das bedeutet: Wenn im Januar/Februar die ersten Babys der nächsten Generation zu ihr gebracht werden - jetzt ist gerade die „offizielle“ Paarungszeit der Eichhörnchen –, dann sind ihre „Herbstkinder“ noch nicht ausgewildert und turnen noch in ihrer Voliere herum. „Und die ganz Kleinen zu den ‚Pubertären‘ setzen, das geht nicht“, so Monika Pfister. Denn die älteren Eichörnchen würden die ganz jungen dann zum Beispiel vom Futter verdrängen, oder „die Kleinen bekommen Haue von den Großen“. Die Kleinen kommen zwar zunächst für einige Tage in Ersatz-Koben im Pflegekeller, doch wenn es an der Zeit für den Umzug in die Voliere ist, dann können die „Teenager“ immer noch nicht ausgewildert werden.

So wird seit Montag – ruck, zuck – eine weitere, 7 Mal 2,5 Meter große und diesmal unterteilbare Voliere gebaut, um die Tiere getrennt halten zu können. Und das kostet etwa 3500 Euro. Derzeit betreut Monika Pfister elf „Herbstkinder“ und vier ältere Tiere, die verletzt oder unterernährt zu ihr gebracht wurden. Vier weitere Eichhörnchen befinden sich schon in der Auswilderungs-Voliere, die Werner Briese im Heusweiler Ortsteil Kutzhof bereitgestellt hat.



 In ihrer Auffangstation in Heusweiler pflegt Monika Pfister Eichhörnchen wie dieses, das „Eichi“ heißt.
In ihrer Auffangstation in Heusweiler pflegt Monika Pfister Eichhörnchen wie dieses, das „Eichi“ heißt. FOTO: BeckerBredel

Monika Pfister hat in ihrer Auffang- und Pflegestation noch weitere Gäste, die biologisch mit den Eichhörnchen verwandt sind: „23 Siebenschläfer und neun Gartenschläfer – die machen aber keine Arbeit.“ Im Gegensatz zu den Eichhörnchen liegen die nämlich seit Ende Oktober/Anfang November tief und fest im Winterschlaf und kommen erst im Mai wieder aus ihren Löchern.

Eigentlich sollten es auch zwei Eichhörnchen mehr sein, die wieder ausgewildert werden. Doch zwei haben die Knallerei in der Silvesternacht nicht überlebt. Und es ist nicht das erste Mal, dass Monika Pfister diese Erfahrung macht. „Da zieht man sie groß, und dann so was, wegen der Silvesterkracher…“, dementsprechend ist sie alles andere als gut auf den Gebrauch von Böllern und Kanonenschlägen zu sprechen.

„Raketen gehen ja noch, aber der Krach…  Eichhörnchen sind Fluchttiere und furchtbar schreckhaft“, erklärt Monika Pfister. Zwar habe sie die Koben („Eichhörnchennester“) abgedeckt, um die Geräusche zu dämpfen. Dennoch seien zwei besonders schreckhafte Tiere in Panik aus ihren Koben und vermutlich gegen die Volieren-Wand gesprungen und zu Boden gestürzt – mit tödlichem Ausgang. Für den nächsten Jahreswechsel hofft sie auf weniger Knallerei und dass alle Tiere gesund ausgewildert werden können – auch die zickigen Teenager.

Monika Pfister betreibt eine Eichhörnchen-Auffangstation in Heusweiler FOTO: BeckerBredel