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Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl

Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl

In einer Serie stellen wir Handwerksmeister aus dem Regionalverband Saarbrücken mit Eisernen und Diamantenen Meisterbriefen und ihre Berufe vor. Heute: Uhrmachermeister Wilhelm Fritz aus Heusweiler.

"Schauen Sie": Wilhelm Fritz streckt seine Hände entgegen. Gepflegt sind diese, feingliedrig, die Haut ist zart: "Ich habe Finger, die gut reagieren, empfindlich sind." Eben das war auch eine der Grundvoraussetzungen dafür, in seiner Profession erfolgreich zu sein. Denn der 88-jährige Mann aus Heusweiler ist Uhrmachermeister. Kürzlich erhielt er den Diamantenen Meisterbrief der saarländischen Handwerkskammer (siehe Infokasten).

"Mein Beruf ist ein schöner Beruf. Nichts geht im Hauruck-Verfahren. Der Beruf erfordert viel Geduld, ein gutes Sehen, eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl." Schließlich handle es sich um "feinste Feinmechanik". Der Zeitaufwand bei Fehlersuche und Reparatur sei oft hoch. Seine berufliche Laufbahn begann 1940. "Andere Pläne hatten sich durch den Beginn des Krieges nicht erfüllt", sagt Fritz. "Dann eben Uhrmacher", dachte er sich, und ging bei Vater Hugo in die Lehre, der eine Werkstatt für Uhrenreparaturen hatte. "In dem Moment, in dem ich den Beruf ergriffen habe, wollte ich auch Meister werden." Der Krieg verzögerte dies. 1943, mit 17, wurde er einberufen, noch bevor er die Gesellenprüfung machen konnte. "Durch die turbulenten Nachkriegsjahre war es mir erst 1948 möglich, die Prüfung abzulegen." 1953 folgte die Meisterprüfung.

In der Zwischenzeit hatte sich einiges getan, Fritz hatte die Werkstatt seines Vaters zu einem kleinen Laden mit Uhren und Schmuck sowie Bestecken erweitert. 1957 übernahm er das Geschäft, baute es mit Hilfe seiner Frau Herta weiter aus. "Uhren Schmuck Fritz" hieß der Laden des Familienvaters im Heusweiler Zentrum. 1992 ging Fritz in Ruhestand.

Sein Berufsbild ("man muss sich immer weiterbilden") habe sich sehr geändert, sagt der Uhrmachermeister. In seiner Lehrzeit hatte er es nur mit mechanischen Uhren zu tun, "es gab nur wenige fertige Ersatzteile". Die meisten mussten angefertigt werden. Dabei war höchste Genauigkeit gefordert. Später dann, erzählt er, tauchte mehr und mehr die Elektronik auf, es gab einen stetigen Fortschritt bis zur Quarz-Uhr. Gleichzeitig lagen auch immer mehr fabrikgefertigte Ersatzteile vor, die billiger waren als die von Hand hergestellten: "Dies hat die Arbeit wesentlich erleichtert." Neue, teure Apparate mussten angeschafft werden. Heute, sagt der Rentner, seien in Quarz-Uhren viele Teile gar nicht mehr zu reparieren, lediglich noch austauschbar.

Fritz greift nach einer Taschenuhr, weist auf die winzigen glänzenden Elemente: "An diesem Stück habe ich meine Meisterprüfung gemacht", sagt er stolz. Auch, wenn er schon lang nicht mehr im aktiven Berufsleben ist, er kennt es noch zu gut - dieses "freudige Gefühl, das einen befällt, wenn eine schwierige Reparatur oder die Herstellung eines Ersatzteils von Hand gut gelungen ist."

Zum Thema:

Auf einen BlickDie saarländische Handwerkskammer hat vor kurzem zwei Eiserne, 17 Diamantene und 55 Goldene Meisterbriefe verliehen. Im Regionalverband wurden geehrt: Eiserner Meisterbrief (65 Jahre): Schreinermeister Ludwig Zimmer aus Bischmisheim; Diamantener Meisterbrief (60 Jahre): Schlossermeister Theo Freis aus Ensheim, Uhrmachermeister Wilhelm Fritz aus Heusweiler , Tischlermeister Remigius Wüstner aus Ensheim, Elektromaschinenbauermeister Otto Max Wilhelm Heydenreich aus Saarbrücken; Goldener Meisterbrief (50 Jahre): Dachdeckermeister Günter Deutsch aus Großrosseln, Maurermeister Dieter Röpnack aus Karlsbrunn, Bäckermeister Günter Kläs aus Püttlingen, Tischlermeister Erich Dereneck, Orthopädiemechanikermeister Rolf Doppler, Kraftfahrzeugmechanikermeister Herbert Groß, Konditormeister Heinrich Hammenstede, Installateurmeister Philipp Huth, Bäckermeister Hermann Kleinbauer, Friseurmeister Wolfgang Knaubert, Kraftfahrzeugmechanikermeister Otto Müller (alle Saarbrücken), Schlossermeister Lothar Ulrich aus Sulzbach. dög