Mehr Windräder möglich

Nachdem klar ist, dass der Mindestabstand zwischen Häusern und Windkraftgebieten von 650 auf 800 Meter heraufgesetzt wird, änderte der Regionalverband bereits die betroffenen Flächennutzungspläne. Folge: Trotz des „geschrumpften“ Gebietes könnten nun im Fröhner Wald – theoretisch – fünf statt drei Windräder gebaut werden.

Man könnte sagen, das ist eine Art Globalisierung auf Saarländisch, wenn sich ein Beschluss des Kleinblittersdorfer Gemeinderates über den Regionalverband Saarbrücken in das Köllertal hinein auswirkt: Eigentlich entscheidet der Kooperationsrat des Regionalverbandes erst im September, ob der Mindestabstand zwischen Windkraftggebieten und Wohnbebauung von 650 auf 800 Meter erhöht wird. Doch nun ist klar, dass die Mehrheit der zehn Städte und Gemeinden im Regionalverband für diese Erhöhung stimmen wird: Der Gemeinderat Kleinblittersdorf hat sich Ende Juni - mit 15 gegen 13 Stimmen - auf den 800-Meter-Abstand festgelegt und war damit ausschlaggebend für die entsprechende Mehrheit im Regionalverband. Für 650 Meter treten etwa Püttlingen und Saarbrücken ein.

Beim Regionalverband hat man nun die Flächennutzungspläne zu den möglichen Windkraftgebieten schon entsprechend abgeändert. Und bei diesen abgeänderten Plänen - darauf machte das Heusweiler Gemeinderatsmitglied Oliver Luksic (FDP ) aus Holz aufmerksam - seien nun für den Fröhner Wald zwischen Holz und Riegelsberg fünf Windräder möglich, obwohl bisher von drei die Rede gewesen sei. Wenn es also nun durch den erweiterten Mindestabstand weniger Windkraftgebiete gibt, dann werde durch die Planänderung auf den verbleibenden Gebieten eine höhere Anzahl möglicher Windräder offen gehalten. Luksic schilderte allerdings auch, dass er seitens des Regionalverbandes erfahren habe, dass die RAG als Investor nach wie vor bei drei Windrädern bleiben wolle. Jedoch könne man an anderen Orten in Deutschland beobachten, dass schnell weitere Windräder folgen würden, nachdem die ersten gebaut sind. Er mahnte zudem an, dass es für die RAG an der Zeit sei, im Gemeinderat konkretere Informationen vorzutragen.

Ratsbeschluss ohne Wirkung

Zudem kritisiert Luksic in Bezug auf ein vom Gemeinderat mehrheitlich gefordertes Gutachten zu potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen von Windrädern: "Das angekündigte Gutachten wird es nicht geben, das war aber laut dem von CDU/SPD initiierten Ratsbeschluss Bedingung dafür, dass weitergeplant wird. Von dem geforderten Planungsstopp ist keine Rede mehr."

Ende Februar hatte der Gemeinderat den entsprechenden Antrag an den Regionalverband verabschiedet: Der Verband solle eine Untersuchung in Auftrag geben, ob von Windrädern im Fröhner Wald Gesundheitsrisiken ausgehen. Bis zum Abschluss dieser Untersuchung könnten die Bau-Planungen eingestellt werden.

Der Kooperationsrat des Regionalverbandes hatte aber diesen Antrag Ende Juni abgelehnt (und Heusweiler kann keinen Planungsstopp veranlassen). Allerdings, so Regionalverbands-Pressesprecher Stefan Kiefer, werde es im Rahmen der Bebauungsplanung in jeder Kommune noch Untersuchungen geben, ausgeführt vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz.

Plötzlich mehr Wind?

Auch der Verein "Fröhner Wald - für Mensch und Natur" kritisiert die mögliche Erweiterung auf fünf Windräder und schreibt zudem: "Den Vogel schießt der Regionalverband jedoch damit ab, dass er den Fröhner Wald - quasi über Nacht - zum windhöffigsten Gebiet des gesamten Regionalverbandes erklärt, obwohl diesem (absolut gesehen) unverändert eine lediglich geringe bis mittlere Eignung für Windkraft zugesprochen wird." Der Regionalverband missinterpretiere seinen Planungsauftrag, der laute, ungeeignete Flächen auszuschließen "und nicht, die am wenigsten ungeeignetsten Flächen auszuweisen", heißt es in der Mitteilung des Vereins.

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