Linke und FDP die Gewinner

Heusweiler. Die neue Sitzverteilung im Heusweiler Gemeinderat lautet: CDU 12, SPD 11, Linke 4, FDP 3, NÖL 2, Grüne 1. Federn lassen mussten die (ehemals) großen Parteien

Heusweiler. Die neue Sitzverteilung im Heusweiler Gemeinderat lautet: CDU 12, SPD 11, Linke 4, FDP 3, NÖL 2, Grüne 1. Federn lassen mussten die (ehemals) großen Parteien. Für die CDU (minus 9,1 Prozent) konstatiert Spitzenkandidat Thomas Redelberger, dass offenbar der Landes- oder Bundestrend in größeren Ortsteilen, in denen die Rats-Kandidaten persönlich nicht mehr so bekannt sind, immer mehr auf Kommunalwahlen durchschlage. Auf Sachthemen werde dann weniger reagiert, es gebe mehr Protest-Wahlen - so habe auch das Thema Schwimmbad nicht durchgeschlagen. Die Arbeit im Rat, das Finden vernünftiger Entscheidungen, werde künftig schwerer. Für die CDU gelte: Mehr Präsenz zeigen und mehr Öffentlichkeitsarbeit machen. Denn mit dem Wahlergebnis könne man natürlich nicht zufrieden sein. Wird man künftig einen engeren Schulterschluss mit der FDP suchen? Das, so Redelberger, lasse sich jetzt noch nicht sagen, aber in vielen Fragen habe man bisher mit FDP und NÖL zusammengearbeitet. Für die SPD (minus 5,6 Prozent), so Vorsitzender Peter Reimann, sei das Ergebnis "teils, teils". Immerhin habe man in manchen Ortsteilen zugelegt und sei in der Gemeinderatswahl näher an die CDU herangerückt, "an anderen Stellen müssen wir halt noch ein bisschen arbeiten". Mit elf Sitzen halte man ein Drittel des Rates, "ich denke, das ist ganz in Ordnung". Man wolle jetzt mit allen anderen Parteien "ergebnisoffen reden". Die Ratsarbeit werde schwerer, aber er sei optimistisch, dass es eine vernünftige Zusammenarbeit gibt. Wahlgewinner ist Die Linke, die aus dem Stand 11,7 Prozent schaffte. "Um die zehn Prozent hatten wir schon erwartet, aber nicht, dass es fast zwölf würden", so Spitzenkandidat und Vorsitzender Horst Saar, (Foto: SZ) der zur künftigen Arbeit noch nichts sagen wollte, da sich die Fraktion heute zur Besprechung trifft. Man führe aber Gespräche mit allen anderen Parteien. Ein großer Gewinner ist auch die FDP, die in Heusweiler landesweit ihr zweitbestes Ergebnis erzielt und ihren Stimmanteil fast verdoppelt hat. "Trotz schwieriger Entscheidungen wie beim Thema Bad konnten wir die Wähler mit unseren Argumenten und unseren Kandidaten überzeugen", so Spitzenkandidat Oliver Luksic (Foto: SZ). Hätte man in der Schwimmbadfrage die Karten nicht ehrlich auf den Tisch gelegt und statt dessen für eine Sanierung plädiert, dann wären wohl noch mehr Stimmen zusammengekommen. Stimmen gebracht habe dagegen das Engagement für den Sportplatz des VfB und für den Tennisverein. Eine Koalition, so Luksic, wolle man nicht eingehen, sondern "wir entscheiden nach Sachfragen", wobei man bei Haushalts- und Finanzfragen bisher meist der CDU näher gestanden habe. Gleich zwei ökologisch orientierte Parteien sind im Rat, wobei die in Heusweiler etablierte NÖL Stimmen an die erstmals vertretenen Grünen abgeben musste. Letztere zeigen, dass man auch mit wenigen Mitstreitern in der Politik Mitwirken kann, denn die erst vor elf Monaten neu gegründeten Heusweiler Grünen haben gerade mal zehn Mitglieder. Unter diesen Umständen (die Partei noch jung, in den Ortsteilen noch nicht personell etabliert und eine eingesessen ökologische Partei im Rat) ist Spitzenkandidatin Iris Langguth (Foto: SZ/Grüne) mit dem Ergebnis recht zufrieden, zumal saarlandweit die Grünen bei den Kommunalwahlen nur in einem Ort besser gewesen seien. Im Gemeinderat wolle man sich nicht von vornherein an eine andere Partei oder einen Block binden, sondern "konstruktiv, unabhängig und sachorientiert mit allen zusammenarbeiten". Ob man irgendwann mal enger mit der NÖL zusammenarbeitet, "das kann schon sein, aber wir gehen das locker an".NÖL-Fraktionssprecher Dr. Ulrich Steinrücken führt den Verlust der NÖL vor allem auf das Antreten der Grünen zurück. Zudem ist es kein Geheimnis, dass es auch Differenzen innerhalb der Fraktion gegeben hatte. Auf die NÖL komme jedenfalls viel Arbeit zu. Eine Koalitionsaussage werde es wohl nicht geben, Koalitionen seien auch nie eine Sache der NÖL gewesen. Auf Steinrückens Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters habe das Ergebnis keinen Einfluss. Auch die Gemeindeverwaltung muss mit dem veränderten Rat zusammenarbeiten. Bürgermeister Rainer Ziebold (SPD) nimmt's gelassen: "Ich denke, das sind alles vernünftige Leute, die da gewählt wurden." Bisher gab es ja auch keine eindeutigen Mehrheiten, "und die Verwaltung ist durchaus in der Lage, damit umzugehen", zumal es im Gemeinderat in erster Linie um Sachfragen und nicht um Ideologien gehe. Auch bisher habe es im Rat bei den meisten großen Entscheidungen - mit Ausnahme des Schwimmbades - meist eindeutige Entscheidungen gegeben. Ziebold: "Natürlich ist ein Bürgermeister immer an festen Mehrheiten interessiert", und wenn kleine Parteien Zünglein an der Wage sind, könne das auch mal von Nachteil sein, und auch eine Mehrheit der eigenen politischen Farbe mache es einem Bürgermeister einfacher, aber dass dies eben nicht gegeben ist, das sei heutzutage nichts Ungewöhnliches.

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