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Aus wirtschaftlichen Gründen
Laminate-Park in Heusweiler droht das Aus

 Unser Archivbild von Ende 2017 zeigt noch eine Feuerwehrübung an der Filteranlage im Werk. Doch nun brennt offenbar die wirtschaftliche Lage im Laminate-Park im Heusweiler Ortsteil Eiweiler.
Unser Archivbild von Ende 2017 zeigt noch eine Feuerwehrübung an der Filteranlage im Werk. Doch nun brennt offenbar die wirtschaftliche Lage im Laminate-Park im Heusweiler Ortsteil Eiweiler. FOTO: Fred Kiefer
Heusweiler. Bis Jahresende droht 230 Mitarbeitern im Laminate-Park der Jobverlust. Kommunalpolitiker wollen die Lage noch gemeinsam wenden. Von Fredy Dittgen

Es ist eine Schocknachricht für die Gemeinde Heusweiler und den Ortsteil Eiweiler: Kaum ist das Zittern um den Erhalt des Arvato-Call Centers beendet worden und die Freude in der Gemeinde groß gewesen, dass das Betrieb nicht – wie vom Konzern Bertelsmann beabsichtigt – Ende Mai geschlossen wird, trifft die Gemeinde der nächste Schlag: Der Laminate-Park Eiweiler soll Ende 2019 geschlossen werden. 230 Mitarbeiter würden dann ihre Arbeit verlieren. Die Geschäftsführung hat angekündigt, in Kürze Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufzunehmen. Die Mitarbeiter seien seit Dienstag über die Schließungspläne informiert, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Es sollten „faire und sozialverträgliche Lösungen“ gefunden werden.


Geschäftsleiter Patrick Biehler hatte zuvor in einer Presseerklärung dargelegt, dass man „in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld agiere, das durch sinkende Volumina in Westeuropa stark beeinträchtigt werde“. Seit 2007 und insbesondere im Jahr 2018 habe daraus ein Rückgang der Verkaufsvolumina resultiert. Dieses ungünstige Geschäftsumfeld, so Biehler, habe zu einer sehr geringen Kapazitätsauslastung bei Laminate-Park Eiweiler geführt. „Die Laminatmärkte sind strukturell rückläufig. Nach eingehender Prüfung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir kein nachhaltiges Profitabilitätslevel mehr erreichen können“, sagte Biehler. Das Unternehmen habe alle strategischen Optionen für den Standort im Detail untersucht, einschließlich einer umfassenden Restrukturierung und einer Volumensteigerung durch Kooperation mit externen Partnern. Auch der Verkauf sei geprüft worden. „Es ist sehr bedauerlich, aber wir sehen keine andere Lösung als eine Schließung. Keine der anderen Optionen ist tragfähig. Wir werden verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen, sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für unsere Kunden. Wir streben eine enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat an, um faire Lösungen für alle unsere Mitarbeiter zu finden“, so Biehler weiter.

Der Heusweiler Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) wurde am Dienstagnachmittag von Laminate-Park über die Schließungspläne informiert. „Das ist eine Hiobsbotschaft. Ich war geschockt, denn gerade erst haben wir mit der drohenden Schließung des Arvato Call-Centers ein Problem erfolgreich abgearbeitet, da tritt das nächste auf“, so Redelberger gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Er habe sofort reagiert, alle Gemeinderatsfraktionen über die Pläne des Konzerns in Kenntnis gesetzt und mit ihnen vereinbart, in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend, 20. Februar, eine Resolution einzubringen. „Wir wollen uns mit dieser Resolution dafür einsetzen, dass der Konzern seine Pläne nochmal überdenkt und werden uns dabei genauso ins Zeug legen wie bei Arvato“, sagte Redelberger.



Wie mehrfach berichtet, hatte die Gemeinde Heusweiler im Falle Arvato den Landtag eingeschaltet. Der lud die Bertelsmann-Geschäftsführung vor seinen Wirtschaftsausschuss ein und ließ Bertelsmann dort den massiven Widerstand der Landesregierung spüren. Dieser Einsatz trug mit dazu bei, dass Bertelsmann seine Schließungspläne zurücknahm. „Aus den Erfahrungen mit Arvato wissen wir jetzt, was wir tun sollen und welche Möglichkeiten wir haben“, sagte Redelberger.

Der Eiweiler Ortvorsteher Richard Wachall (CDU) fühlt sich, „als sei er von einem Hammer getroffen worden“. Es habe in den letzten Wochen im Ort zwar immer wieder mal Gerüchte über eine drohende Schließung des Laminate-Parks gegeben, doch das hielt Wachall wirklich nur für Gerüchte. Als er am Dienstag von Bürgermeister Redelberger informiert wurde, dass es doch keine Gerüchte seien, sei er „zwischen Ohnmacht und Schrecken gewandelt“. Wachall ist auch deshalb so geschockt, weil die überwiegende Mehrzahl der 230 Mitarbeiter im Laminate-Park aus der Gemeinde Heusweiler kommt.

Der Betriebsrat von LaminatePark wollte sich noch nicht über die Schließungspläne und etwaige Maßnahmen äußern. Man wolle zuerst eine interne Betriebsratssitzung abhalten und sich danach an die Öffentlichkeit wenden.