| 15:11 Uhr

Lustiger Abend
Wer ist eigentlich der Bräutigam?

Komödie Holz in Topform: Pauline Steimer, Jörg Christmann und Dr. Norbert Fuchs (von links) beim Charlston- und Steptanz. Auf der Couch Christof Köhler.
Komödie Holz in Topform: Pauline Steimer, Jörg Christmann und Dr. Norbert Fuchs (von links) beim Charlston- und Steptanz. Auf der Couch Christof Köhler.
Holz. Die Komödie Holz begeistert ihre Besucher mit dem Zwei-Akter „Und das am Hochzeitsmorgen“. Von Fredy Dittgen

Mit dem Zwei-Akter „Und das am Hochzeitsmorgen“ von Ray Cooney und John Chapman landete die Komödie Holz einen Volltreffer. Zwei Stunden lachten sich 180 begeisterte Zuschauer im ausverkauften katholischen Pfarrheim schlapp. Kein Wunder: Das Stück zeichnet sich durch viele, schnell gesprochene Dialoge, feinen, intelligenten Wortwitz sowie bewusste Absurditäten aus. Typisch Ray Cooney eben.


Da das Stück noch mehrmals gezeigt wird, wollen wir nicht zu viel zum Inhalt verraten. Nur das: Die Familie Westerby ist im Hochzeitsstress, Tochter Judy (Jessica Freiwald) soll heiraten. Doch es läuft alles schief. Schuld daran ist eine Tür, die dem Brautvater Timothy Westerby (Jörg Christmann) gegen den Kopf geknallt wird und bei ihm eine Halluzination auslöst. Diese „Hallu“ heißt Polly (Pauline Steimer) und ist eine umwerfende Schönheit. Da nur Timothy sie sehen kann, halten ihn Kompagnon Bill (Christof Kohler), Ehefrau Grace (Monika Nölke), Opa Gerald (Dr. Norbert Fuchs), Oma Daphne (Maria Scheidhauer) und die Bräutigammutter Missis Babcock (Martina Schäfer) für übergeschnappt. Am Schluss bleibt nur eine Frage offen: Wer ist eigentlich der Bräutigam?

Angesichts der heillosen Verwicklungen ist das allerdings völlig nebensächlich. Nur so viel: Ralf Nölke ist es nicht, denn der musste die Trauung in der Kirche vollziehen und die Zuschauer zu Beginn des Stückes als Vikar auf alle Eventualitäten vorbereiten.



Am Schlussapplaus merkt man bei jedem Theaterstück, welcher Akteur dem Publikum am besten gefallen hat, diesmal spürte man keinen Unterschied. Alle wurden minutenlang gleichstark beklatscht und bejubelt, weil das Ensemble funktionierte und brillierte. Zwar hatte Jessica Freiwald wenig Bühnenpräsenz, weil sie meist vergeblich in der Kirche auf die Hochzeitsgesellschaft warten musste, doch wenn sie auftrat, verzauberte sie das Publikum – und das nicht nur wegen ihres Brautkleides. Monika Nölke spielte einfach grandios. Sie zwitscherte und kicherte die schrecklichsten Absonderlichkeiten einfach weg, wobei das völlig natürlich und ungekünstelt wirkte.

Pauline Steimer war atemberaubend schön und meisterte den schwierigen Spagat zwischen kindlicher Naivität und subtiler Erotik glänzend. Christof Kohler ist eine Allzweckwaffe, die mit bierernster Miene jeden zum Lachen bringt. Auch Dr. Norbert Fuchs strapazierte mit seinen Schusseligkeiten und trockenem Humor das Zwerchfell der Zuschauer. Maria Scheidhauer verkörperte beängstigend gut den „typischen“ Schwiegermutterdrachen, und Martina Schäfer setzte mit bissigen Kommentaren die Sahnehäubchen. Die eigentliche Überraschung war Jörg Christmann. Er ist ja noch ein Bühnen-Greenhorn, doch Blut und Wasser schwitzend, hanebüchene Ausreden fabrizierend, Körperverrenkungen produzierend, knutschend und tanzend agierte er wie ein Bühnen-Profi. Gemeinsam mit Pauline Steimer und Dr. Norbert Fuchs sorgte er auch für ein Glanzlicht: Ihr Charlston- und Steptanz war Hollywood-reif. Fred Astaire und Ginger Rogers hätten es nicht viel besser machen können.