Kleine Bühne mit großer Leistung

Kleine Bühne mit großer Leistung

Niedersalbach. Der Dreiakter "Ehrensache" wird normalerweise mit Vorhang und Umbaupause gespielt. Nicht in Niedersalbach: Désirée Becker, Regisseurin der "Kleinen Bühne", ließ die Komödie in einem Rutsch durchspielen

Niedersalbach. Der Dreiakter "Ehrensache" wird normalerweise mit Vorhang und Umbaupause gespielt. Nicht in Niedersalbach: Désirée Becker, Regisseurin der "Kleinen Bühne", ließ die Komödie in einem Rutsch durchspielen. Die Umbaupause übernahmen die Darsteller selbst - Halbdunkel, Hüftwackeln, Zeitrafferschritte und Musikuntermalung machten daraus für das Publikum ein Vergnügen. Zur Handlung: Barbara von Hoheneck (Sibylle Lesch) erbt von ihrem verstorbenen Großvater ein Schloss, das sie gewinnbringend verkaufen möchte. Doch der betrügerische Notar und Impresario einer Theatergruppe, Berthold Klagenicht (Michael Küllmar), eröffnet ihr die Bedingungen: Ein Jahr lang soll sie im Schloss leben und mit Köchin Louise (Bettina Jochum) und Butler Joachim (Michael Münz) alle anfallenden Arbeiten machen - auch in den Viehställen. Zudem soll sie die Theatertruppe zu Erfolgen führen. Widerwillig freundet sich Barbara mit dieser Aufgabe an und macht sie zusehends zur Ehrensache. Dabei hilft ihr das sprechende Porträtgemälde ihrer Großmutter Magdalena - eine komödiantische Herausforderung, die Inge Richter mit Bravour meisterte. Außerdem spricht der verstorbene Großvater manchmal selbst durch den Butler Joachim. Als Finanznöte dazu zwingen, das Schloss noch vor der neuen Aufführung von Shakespeares "Romeo und Julia" in ein Hotel umzuwandeln, wird es turbulent. Daran haben eine mannstolle Svenja Stein (Elfriede Jung), die als Gast im Hotel weilt, sowie die Nachwuchsschauspielerin Joy Stark (Jasmin Jochum) ebenso Anteil wie der Heiratsschwindler "Graf Bernadotte" (Christian Mang). Als Notar Klagenicht und seine Diva "Madame Virginia" (Kerstin Forster) die Sabotagen auf die Spitze treiben, greift der Privatdetektiv Alexander Götz (Thomas Redelberger) ein. Er deckt die Intrige auf, findet einen Schatz und eroberte Barbaras Herz. Regisseurin Désirée Becker bewies bei der Umsetzung dieses schwierigen Stücks kreative Leichtigkeit und zeichnete ausdrucksstarke Boulevard-Charaktere. Großartig spielten alle zehn Darsteller. Den meisten Applaus jedoch bekamen Michael Münz, Sibylle Lesch und Inge Richter. Münz spielte ausdrucksstark und mit sauberer Artikulation. Zum Schieflachen gut war er vor allem dann, wenn der Geist des verstorbenen Großvaters in ihn fuhr und aus ihm sprach. Da änderte Münz in Sekundenbruchteilen seine Mimik und seinen Sprachstil, und es war, als würde plötzlich ein ganz Anderer auf der Bühne stehen. Minutenlang spendete das Publikum stehend rhythmischen Applaus und schrie sich die kollektive Kehle heiß. Hannelore Huwig aus Riegelsberg lobte: "Die Sibylle Lesch war großartig. Diese Rolle war ihr auf den Leib geschnitten." Und das Niedersalbacher Bühnen-Urgestein Lothar Forster meinte: "Der Münz ist ja ein Juwel. Sensationell. Mehr kann man dazu nicht sagen." < Auch die Komödie Holz spielte am Wochenende Theater und zeigte "Klunker Jack", Bericht folgt. "Der Münz ist ja ein Juwel. Sensationell. Mehr kann man dazu nicht sagen."Lothar Forster, Niedersalbacher Bühnen-Urgestein

Auf einen Blick Die Akteure im Hintergrund: Souffleuse: Iris Ambrosius. Bühnenbild: Bruno Lesch, Jörg Callsen, Mario Ambrosius, Thomas Jung. Technik: Christian Folz, Ralf Monz. Moderation: Markus Forster. dg