Klatsche für die Saarbahn

Heusweiler · Man könnte sagen, für die Saarbahn gab's einen gepfefferten Satz heiße Ohren: Im Rahmen einer Heusweiler Ortsratssitzung gemeinsam mit Saarbahnvertretern kamen viele Bahnkunden, um ihren Unmut los zu werden, insbesondere wegen Verspätungen und mangelnder Informationen.

Über zwei Stunden diskutierten am Mittwochabend Saarbahnkunden aus Heusweiler , Eiweiler und Riegelsberg gemeinsam mit dem Heusweiler Ortsrat und Vertretern der Saarbahn-Gesellschaft über Probleme und Ärgernisse bei Fahrten.

Hauptschwerpunkte waren häufige Ausfälle und Verspätungen sowie die schlechte Informationspolitik. Saarbahn-Geschäftsführer Andreas Winter deutete einige kurzfristige Verbesserungsmöglichkeiten an, bat aber bei vielen Beschwerden um Verständnis und Geduld. Wie berichtet, hatte Ulrich Steinrücken (NÖL) in der September-Ortsratssitzung auf die Probleme hingewiesen. Die vielen Verspätungen und Ausfälle würden, laut Steinrücken, dazu führen, dass immer mehr Saarbahnkunden auf das Auto umsteigen oder Buslinien nutzen.

Gemeinsam mit Schulkindern hatte Steinrücken vom 24. Oktober bis 14. Dezember Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Saarbahn protokolliert: Zu den untersuchten Zeiten sei in den sieben Wochen nur eine einzige Bahn pünktlich gewesen, so Steinrücken.

Auch sei an den Haltestellen oft sehr schlecht oder falsch informiert worden. Saarbahnkunden warteten, weil auf den Anzeigetafeln stand: "Die Bahn kommt in vier Minuten" - aber sie kam nicht. Drei Mal fiel eine Bahn komplett aus.

Die Saarbahnkunden schilderten vor allem Probleme im Schülerverkehr, nicht zuletzt für die Köllertaler Schüler, die Lebacher Gymnasien besuchen: Eltern mussten ihre Kinder mit dem Auto nach Lebach fahren oder dort abholen, weil die Bahn ausfiel oder große Verspätung hatte. Weitere Beschwerden: die Bahn fährt zu selten in Doppeltraktion, es gibt zu wenig Platz, sie ist nicht allzu sauber, die Fahrer nicht immer freundlich.

Winter hatte für die meisten Klagen Verständnis: "Wir müssen besser werden, das haben wir uns vorgenommen." Aber das Saarbahnsystem sei so komplex, weil es - je nach Streckenabschnitt - zum einen nach der Eisenbahnbetriebsordnung, zum anderen nach der Straßenbahnbetriebsordnung fahre, so dass Änderungen oder Verbesserungen nicht immer sofort umsetzbar seien. Winter betonte aber: "Unser Anspruch muss es sein, die Kunden zu informieren."

Dass dies derzeit nicht geschehe, begründete er mit einer veralteten Software, die schwer zu bedienen sei. Man habe aber ein Programm aufgesetzt, mit dem man die technischen Probleme in den Griff bekommen will. Auch ein Fahrgast-Informationssystem sei auf den Weg gebracht worden. Man sei zudem dabei, die Defekte zu beheben. "Aber die Instandsetzung dauert bis Ende 2017", so Winter .

Man könne auch nicht einfach mehrere Doppeltraktionen losschicken, da man insgesamt nur 28 Fahrzeuge habe und 23 davon ständig im Saarbahnnetz unterwegs sind. Aber man arbeite daran, die Fahrzeugverfügbarkeit zu erhöhen. Verspätungen und Ausfälle habe man bereits minimiert, weil jetzt nachts bei eisigen Temperaturen "Bügelfahrten" über die Schienen rollen, um Oberleitungen eisfrei zu halten.

Die 80-Millionen-Bimmelbahn

Zufrieden waren Ortsrat und Kunden mit den Ausführungen nicht. "Die Kunden", so Steinrücken, "warten nicht bis Ende 2017, dass alles besser wird." Für Hiltrud Heimes-Vogel (CDU ) ist es "ein bisschen unbefriedigend, wenn die Saarbahn sagt, wir nehmen die geschilderten Probleme mit und schauen uns das an." Alfred Michaelis (SPD ) meinte ironisch: "Ihr seid gute Vertreter. Ihr wollt uns eine alte Waschmaschine verkaufen und uns die Vorteile dieser alten Maschine schmackhaft machen." Ähnlich der Eiweiler Ortsvorsteher Richard Wachall (CDU ): "Man hat für 80 Millionen ein Schienennetz aufgebaut und schickt dann eine Bimmelbahn." Im Februar will Andreas Winter erneut zu einem Gespräch nach Heusweiler kommen.

Nicht nur durch die Ortsratssitzung erreichten uns Beschwerden. So schilderte Leser Volker Klasen aus Riegelsberg, dass er erlebte, wie Rollstuhlfahrer wegen Überfüllung einer Bahn bei eisigen Temperaturen auf den nächsten Zug warten mussten. Er habe dann bei der Saarbahn angerufen, auf die überfüllten Züge hingewiesen und darauf zu hören bekomme, dass jeder selbst entscheiden müsse, ob er in einen Zug einsteigt oder auf den nächsten wartet. Klasen: "Ich war oft in Großstädten mit S-Bahnen unterwegs - das war allemal preiswerter und mit besserem Service als in der Saarbahn."

Sauer ist man auch an den Lebacher Gymnasien . "Innerhalb der letzten neun Tage gab es an fünf Tagen Probleme für die Schüler, zur Schule beziehungsweise nach Hause zu kommen", schildert Ramona Lehnen aus Riegelsberg, "die lassen die Kinder wirklich bei Minusgraden stehen". Auch die letzte Rückfahr-Möglichkeit (15.52 Uhr) sei schon ausgefallen, ohne dass es einen Hinweis gab - eine Anzeigetafel gibt es am Haltepunkt Lebach-Jabach nicht. Folge: Laufen zum Haltepunkt am Bahnhof Lebach, warten, Ankunft in Riegelsberg um 17.40 Uhr. Zudem komme es vor, dass Schüler innerhalb einer Woche vier Mal zu spät zum Unterricht kommen. Beschwerden, auch seitens der Schule, seien fruchtlos geblieben.

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