Kaum noch Wurst und Fleisch aus dem Köllertal

Nur noch wenige Metzger in der Region : Kaum noch Wurst & Co. aus dem Köllertal

Es gibt nur noch vier klassische Metzgereien in der Region – einst waren es fast vier Mal so viele. Wir sprachen mit einem Fachbetrieb.

Heut geht’s um die Wurst. Buchstäblich! Der Holzer Fachmetzger Peter Welde und sein Viehlieferant aus Heusweiler haben der „Saarbrücker Zeitung“ die Gründe für ein aussterbendes Handwerk erklärt. „Das Ende der Hausmacherwurst“ könnte die Überschrift lauten. Der Sinkflug, nicht nur dieses Handwerks, vor Jahrzehnten begonnen, hat unter anderem auch viel mit dem Thema Klimaschutz zu tun.

Doch der Reihe nach: Ganz genau weiß Hans Georg Glessner, Geschäftsführer der traditionsreichen Viehhandlung Weber in Heusweiler, es nicht mehr: „In den Sechziger Jahren gab es im Köllertal um die 15 Fachmetzgereien. „Und heute sind es gerade mal noch vier aktive Kollegen, wenn ich die Filialen nicht mitzähle“, ergänzt Metzgermeister Welde. 1961 gründete sein Vater Otwin Welde den Betrieb, den Marlene und Peter Welde seit 38 Jahren gemeinsam führen. So einiges stand an in diesen Jahren: Modernisieren, Angebot erweitern, Öffnungszeiten verlängern, zum mittelständischen Betrieb mit bis zu zehn Mitarbeitern geworden. Dennoch seien die Zeiten für selbstständige Metzgereien schwer geworden.

In den vergangenen zehn Jahren habe jeder vierte von ihnen aufgegeben, bundesweit, entnehmen wir der Fachpresse.

Den Hauptgrund sieht Glessner, neben den allgegenwärtigen Discountern und Supermärkten „auf der grünen Wiese“, in der Importpolitik der Europäischen Union. Er drückt dem Reporter einen Leserbrief in die Hand, veröffentlicht im Fachblatt der „Eifel-Rindfleisch-Absatzgesellschaft“, und sagt: „Hier ist die Sache auf den Punkt gebracht. Die großen Betriebe kaufen ihre Schweinekeulen und Rinderhälften dort ein, wo sie gerade am billigsten sind.“ Dies könnten Länder wie Neuseeland, Argentinien oder Südafrika sein, um nur einige Übersee-Exportländer zu nennen, sagt Glessner.

Er prangert in diesem Zusammenhang an, dass in einigen der Import-Länder der Tier- und Umweltschutz kaum Bedeutung hätten. Die Rede ist von schlechten Bedingungen bei der Tierhaltung, von Brandrodungen – etwa in Brasilien, wo der Urwald unter anderem Rinderweiden weichen muss –, vom intensiven Einsatz von Wachstumshormonen und vom Verfüttern gentechnisch veränderter Pflanzen in Übersee-Betrieben, zudem von den weiten Transportwegen nach Deutschland, meist per Schiff. Welde: „Das Fleisch ist wochenlang unterwegs, soll das etwa klimafreundlich sein?“

Aus dem Köllertal frisch auf den Tisch: Metzger Peter Welde bei der Arbeit. Foto: Walter Faas

Im Gegensatz zur gängigen Praxis sehen Glessner und Welde die – noch bestehenden – heimischen Betriebe. Glessner: „Das Fleisch kommt von Landwirten aus der Region, die ihre Tiere noch artgerecht halten. Anhand des Tierpasses kann der Kunde nachvollziehen, wo die Rinder und Schweine aufgezogen wurden. Die Wege in den Schlachtbetrieb in Brotdorf beziehungsweise zum Großhändler in Dillingen sind kurz, und von dort kommt das Fleisch ganz schnell in die Kühlhäuser und Zerlegeräume der noch aktiven Metzgereien.“ Man kooperiere hauptsächlich mit heimischen Betrieben und er und seine Kollegen produzierten alles selbst und vor allem frisch.

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