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Kampf um Arvato
Gemeinderat bricht Lanze für Arvato

In Eiweiler steht das Arvato-Callcenter vor dem Aus, obwohl es inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Der Heusweiler Gemeinderat kritisiert den Mutterkonzern Bertelsmann und fordert den Arbeitsplatz-Erhalt.
In Eiweiler steht das Arvato-Callcenter vor dem Aus, obwohl es inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Der Heusweiler Gemeinderat kritisiert den Mutterkonzern Bertelsmann und fordert den Arbeitsplatz-Erhalt. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Heusweiler. Heusweiler Ratsparteien verabschieden einstimmig Resolution und fordern den Erhalt der 300 bedrohten Arbeitsplätze in Eiweiler. Von Fredy Dittgen

Im Heusweiler Ortsteil Eiweiler bangt man – wie berichtet – um rund 300 Arbeitsplätze, weil dort die Arvato GmbH, eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns, ihr Call-Center zum 30. Juni 2019 schließen will. „Eine Situation wie diese hatten wir in dieser Größenordnung noch nicht“, sagte Bürgermeister Thomas Redelberger in der jüngsten Heusweiler Gemeinderatssitzung. Auch der Gemeinderat reagierte geschockt, verharrt aber nicht in Schockstarre.


Einstimmig verabschiedeten die Ratsmitglieder eine Resolution, in der sich der Heusweiler Gmeinderat mit den Beschäftigten der Arvato GmbH solidarisch erklärt und deren Geschäftsführung sowie den Bertelsmann-Konzern auffordert, die Pläne zur Schließung des Standortes Eiweiler zurückzunehmen. Auch die saarländische Landesregierung soll aufgefordert werden, Gespräche mit Arvato und Bertelsmann aufzunehmen (was dort auch vorgesehen ist).

Eigentlich wollten sowohl die SPD- als auch die CDU-Fraktion eigene Resolutionen in der Ratssitzung einbringen, über die dann getrennt abzustimmen gewesen wäre. Doch die Fraktionssprecher der beiden Parteien, Manfred Schmidt (CDU) und Stefan Schmidt (SPD), setzten sich kurz vor der Sitzung zusammen und vereinbarten ein „Schmidteinander“. Dazu Manfred Schmidt: „Beide Fraktionen hatten Resolutionen erarbeitet, die im Kern das Selbe aussagen, jetzt haben wir eine gemeinsame erarbeitet.“ Stefan Schmidt ergänzte: „Es macht Sinn, dass wir uns als Gemeinderat auf eine Resolution einigen. Denn wir wollen ein Zeichen setzen und die Kollegen in Eiweiler unterstützen.“



Stefan Schmidt kritisierte Bertelsmann scharf: „So geht man mit dem Standort, der Gemeinde und den Kollegen in Eiweiler nicht um!“ Die geplante Schließung sei lediglich ein Kostensenkungsprogramm, das die Existenzen ganzer Familien bedrohe. Betroffen seien sowohl junge als auch ältere Mitarbeiter, die Verantwortung für ihre Familien tragen. CDU und SPD begründeten ihre Resolution damit, dass sich – vor allem im Saarland – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen. Dies sei auch aus den Reihen der Arvato zu vernehmen. Zudem würde Bertelsmann völlig vergessen, dass die Belegschaft bei den Umstrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wertvolle Beiträge geleistet hätten. Dies bestätigte auch Uwe Kuntz, der Betriebsratsvorsitzende von Arvato. Er erinnerte daran, dass das Call Center vor ein paar Jahren zwar mit 500 000 Euro in den Miesen war, dass man dieses Minus aber in den folgenden Jahren ausgeglichen habe und jetzt, zum Ende 2018, schwarze Zahlen schreibe.

Die Unterstützung der Landesregierung sagte der Landtagsabgeordnete Reiner Zimmer (SPD) zu. Er habe bereits Gespräche geführt. Die Landesregierung habe die Geschäftsführung der Arvato und den Betriebsrat für 5. Dezember in den Landtag eingeladen. „Ich kann die Unterstützung der saarländischen Wirtschaftsministerin zusagen“, so Zimmer, „die Schließungspläne sind so nicht hinnehmbar, das Unternehmen muss uns eine Begründung liefern.“ Auch Manfred Schmidt kündigte an, Ministerpräsident Tobias Hans einzubinden. Alle Fraktionen im Gemeinderat versprachen ebenfalls, den Bediensteten in Eiweiler helfen zu wollen. So sagte Hans-Kurt Hill (Die Linke): „Wir wollen den Mitarbeitern Mut machen und wollen mal sehen, was wir für sie auf die Beine stellen können.“