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Jungen Eichen geht es an die Rinde

Jungen Eichen geht es an die Rinde

Eiweiler. Die Lohheckentage in Eiweiler werden von der Bevölkerung wie ein Dorffest gefeiert. Da treffen sich Jung und Alt. Jeder hilft mit, wo er nur kann, pflegt aber auch die Gemeinschaft. Und vor allem: die Menschen halten damit die Geschichte wach

Eiweiler. Die Lohheckentage in Eiweiler werden von der Bevölkerung wie ein Dorffest gefeiert. Da treffen sich Jung und Alt. Jeder hilft mit, wo er nur kann, pflegt aber auch die Gemeinschaft. Und vor allem: die Menschen halten damit die Geschichte wach. Sie zeigen den Besuchern, so wurde Jahrzehnte lang von den Bauern hier Lohe gewonnen und verkauft, damit sie von dem Erlös ein wenig besser leben konnten. Vor allem Auswärtige staunten über diese Art der Waldwirtschaft, die es in der Umgebung damals sonst kaum gab. Der saarländische Staatssekretär im Umweltministerium, Rainer Grün, sagte, dass die Lohheckentage das Dorf Eiweiler über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht hätten. Hier werde eine Tradition bewahrt, die daran erinnere, wie hart die Menschen früher ihr Geld hätten verdienen müssen, um leben zu können.Tradition weitergeben"Der Landkreis St. Wendel ist nicht nur eine Region für Sport und Freizeit. Er ist auch mit hohen Kulturgütern ausgestattet. Die Lohheckentage tragen mit dazu bei, dass diese Kulturlandschaft eine Zukunft hat", betonte der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald. Eiweiler verstehe es ausgezeichnet, diese Tradition von Generation zu Generation weiterzugeben und dadurch zu erhalten. Auf ein Fest wie die Lohheckentage freue er sich besonders, weil es nur alle paar Jahre stattfinde, gab Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit offen zu.Der 82-jährige Viktor Heck, der früher Lehrer in Eiweiler war, jetzt in Hilbringen wohnt und auf den die Lohheckentage zurückgehen, erzählte von diesem alten Berufszweig. Im Gegensatz zum Hochwald sei der Niederwald alle 15 Jahre abgeschlagen worden, damit die Bauern daraus die Lohe für die Gerber gewinnen konnten, die daraus Gerbstoff zur Ledergewinnung herstellten. Während des Ersten Weltkrieges hätten die Kinder sogar Lohschälferien bekommen, weil ihre Väter an der Front waren und jede Arbeitskraft dringend gebraucht wurde. Der Eiweiler Ortsvorsteher Hans-Peter Haupenthal ehrte Viktor Heck für seine Verdienste für das Dorf mit einer Urkunde.Nach den Ansprachen ging es in die Heck in der angrenzenden Eifelbach. Dort zeigten einige Bürger in genauer Reihenfolge, wie die Lohe früher gewonnen wurde. Dirk Laubenthal löste von der schlanken Eiche zunächst bis auf zwei Meter Höhe mit Lohschleißer und Lohlöffel die Rinde ab. Dann wurde der Baum mit der Axt umgehauen, mit Astgabeln abgestützt und von den Ästen befreit. Daneben hatte Ernst Finkler einen Baumstamm aufgebockt und demonstrierte ebenfalls, wie die Rinde in größeren und mittleren Stücken abgeschält wird. Auch Gäste konnten ausprobieren, wie man Lohe macht. Ein aus Holz gebautes so genanntes Lohbett nahm die Rindenstücke auf, damit sie trocknen können. So wie die Kinder früher die kleinen Äste mit dem Lohhammer bearbeiteten, damit nichts von der Rinde verloren geht, machte es am Samstag auch der fünfjährige Kim. Mit großer Ausdauer klopfte er auf das junge Holz, bis sich die Rinde löste. Programm für die BesucherDie Besucher bekamen auch andere Unterhaltung geboten. Oldtimer-Traktoren waren da, ein mobiles Sägewerk, die Waldbauernschule und Ponys für die Kinder. In der Schutz- und Wanderhütte waren ausgestopfte Wildtiere ausgestellt. Am heutigen Montag kommen über 150 Grundschulkinder in die Lohhecke, um dort einen interessanten Naturkundeunterricht zu erleben.