1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Heusweiler

In Florida wartet ein leichteres Leben

In Florida wartet ein leichteres Leben

Heusweiler. "Da hat man einen Rollstuhlfahrer sogar in der Bundesregierung sitzen, aber was tut Wolfgang Schäuble für die Belange der Behinderten? - Nichts!" Michael Peters aus Heusweiler ist ein Mann klarer Worte. Seit einem Unfall vor gut zehn Jahren ist der 39-jährige Wirtschaftsingenieur querschnittgelähmt

Heusweiler. "Da hat man einen Rollstuhlfahrer sogar in der Bundesregierung sitzen, aber was tut Wolfgang Schäuble für die Belange der Behinderten? - Nichts!" Michael Peters aus Heusweiler ist ein Mann klarer Worte. Seit einem Unfall vor gut zehn Jahren ist der 39-jährige Wirtschaftsingenieur querschnittgelähmt. Aber beileibe nicht ohne Hoffnung: Er arbeitet, zusammen mit einem Therapeuten, eisern daran, zumindest stehen und drei Schritte gehen zu können. Die Nerven im Rücken sind nicht so weit zerstört, dass diese Fähigkeit verbaut wäre. Peters hat sein Haus in der Heusweiler Beethovenstraße behindertengerecht umbauen lassen, er fährt Auto und erreicht ohne fremde Hilfe die meisten Ziele, wenn auch mit Hindernissen. Zu den regelmäßigen Erfahrungen zählt der unbefugt zugestellte Behindertenparkplatz mitsamt uneinsichtigem Fahrer. Hilfe von Behörden? Peters ist nach zehn Jahren ernüchtert: Lippenbekenntnisse ja, konkrete Vorteile nein. Als vorbildlich schildert er einen Vorfall aus Düsseldorf, wo er eine Ausstellung besuchte und seine Parkberechtigung nicht vorschriftsmäßig an der Frontscheibe angebracht hatte. Das kostete ihn 176 Euro Abschleppgebühr, aber aufbauend war die Erfahrung, "dass man dort keine einzige Minute einem Behinderten den Parkplatz wegnehmen darf." Anspruch auf TherapieSein bereits vor gut zwei Jahren in dieser Zeitung über den Alltag gesprochenes Urteil ist nicht schmeichelhaft: "Behinderte sind hier zu Lande Menschen zweiter Klasse." Deshalb wagt Michael Peters zusammen mit Ehefrau Tina, 40, und den Kindern Sarah und Justin, 10 und 12, einen Schritt, der von den meisten spontan als "mutig" oder sogar "irre" kommentiert wird: Die Familie wandert aus, und zwar nach vierjähriger Planung nach Florida/USA, um dort zu arbeiten, in die Schule zu gehen und am Wasser und im Warmen ersten Wohnsitz zu nehmen. Michael Peters erklärt, dass er nach amerikanischem Recht als Bürger des Staates Florida Anspruch auf eine Therapie habe, die die hiesigen Kostenträger nicht (mehr) übernähmen. Dank dieser Therapie habe er im Jahr 2000 schon einmal 500 Meter auf einem Laufband zurücklegen können. Viel Hoffnung auf ein leichteres Leben ist mit dieser Anwendung verbunden: "Ich bin nur einmal auf diesem Planeten und will etwas draus machen", sagt Peters. Was ihn und Frau Tina überdies vorfreudig reizt, ist ein entspannterer Alltag, in dem sich Behinderte keine Rücksicht erbitten oder erkämpfen müssen. Sondern wo Behindertsein - auch dank strenger Vorschriften - so "normal" ist, dass keiner ein Aufhebens darum macht. Sichtbares Zeichen: In öffentlichen Verkehrsmitteln oder Einrichtungen haben Begleitpersonen von Behinderten ausdrücklich keine Freikarten, eben weil der Behinderte als gleichberechtigt angesehen wird und überall allein hinkommt. Peters: "Falschparken auf dem Behindertenparkplatz kostet beim ersten Mal 250 Dollar, dann 500, dann 1000 und einen Woche Knast." Jedes Lokal habe eine Behindertentoilette, jeder Kleiderladen eine rollstuhlgerechte Umkleidekabine. "Man ist dort prinzipiell voll eingegliedert", bringt Peters die Verhältnisse auf den Punkt. In drei Monaten ist der Umzug. Es gibt kein Zurück. Das Haus in Heusweiler steht zum Verkauf.