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Hugenotten – Flüchtlinge vor 500 Jahren

Hugenotten – Flüchtlinge vor 500 Jahren

Am 16. Januar erscheint der elfte Roman von Deana Zinßmeister. Die Heusweilerin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen des Saarlandes. Mit SZ-Redakteurin Susanne Brenner hat sie über das Buch und über ihr Leben gesprochen.

Frau Zinßmeister, Sie sind eine ziemlich fleißige Autorin. Das wievielte Buch ist "Das Lied der Hugenotten" eigentlich?

Deana Zinßmeister : Es ist mein elfter historischer Roman. Außerdem habe ich im Laufe der Jahre ein Buch über die saarländischen Sagen, Kurzgeschichten, an einem wissenschaftlichen Gemeinschaftsprojekt und Zeitungsgeschichten sowie eine Hörgeschichte für den SR geschrieben. Dieses Jahr habe ich außerdem meinen ersten Jugendroman geschrieben, der im Sommer 2017 beim Arena Verlag erscheinen wird.

Wie lange schreiben Sie an einem Roman? Stellt sich eine gewisse Routine ein, also sind Sie heute schneller als vor ein paar Jahren?

Deana Zinßmeister : Ich bin heute definitiv schneller und auch sicherer im Schreiben geworden. Die Sätze sind ausgereifter und ich weiß, worauf ich Wert legen muss. Allerdings habe ich keine Schreibroutine, da eine Romangeschichte in einem wachsen und reifen muss, denn jede Geschichte ist individuell. Keine gleicht der anderen, weshalb jede einen anderen Spannungsaufbau fordert. Ich muss es fließen lassen und kann nicht nach einem Schema oder nach einer Anleitung arbeiten.

Wieviel Zeit braucht ein Buch insgesamt?

Deana Zinßmeister : Schreiben und Recherche benötigen ungefähr sechs Monate Zeit. Allerdings beschäftige ich mich gedanklich schon viel früher mit einem Thema, so dass zu Beginn des Schreibens meine Hauptüberschriften feststehen. Auch der Anfang und das Ende.

Sie recherchieren ja oft sehr intensiv für Ihre historischen Romane, lesen sich durch Archive und lassen sich schonmal nachts im Wald aussetzen, um das richtige Gefühl zu bekommen. War das diesmal auch nötig? Was haben Sie unternommen, um die richtige Atmosphäre zu finden.

Deana Zinßmeister : Für "Das Lied der Hugenotten" bin ich nach Paris und nach La Rochelle gereist. Ich habe mich intensiv mit der Geschichte der Hugenotten beschäftigt, mit der deutschen Hugenottengesellschaft in Bad Karlshafen zusammengearbeitet, sowie Augenzeugenberichte aus der damaligen Zeit gelesen, zudem mit Fachleuten und Historikern gesprochen. Da es in dem Roman auch um die Glasbläserei geht, habe ich Glasbläsereien besucht und mich intensiv mit dem Handwerk beschäftigt.

Worum geht es im "Lied der Hugenotten"?

Deana Zinßmeister : Das Thema ist brandaktuell: Es geht um eine Flucht. Schon immer mussten Menschen fliehen, weil sie ihren Glauben nicht leben durften. Nur spielt meine Geschichte in der Reformationszeit - und im Jahr 2017 wird die Reformation 500 Jahre alt. "Das Lied der Hugenotten" handelt, wie der Titel schon sagt, nicht von Luther, sondern von den Hugenotten, den evangelischen Franzosen, auch Calvinisten genannt.

Sie veranstalten eine private, erste Lesung in der Köllerbacher Martinskirche. Warum gerade da?

Deana Zinßmeister : Professor Dr. Joachim Conrad hat mich bei der Recherche über die Hugenotten sehr unterstützt. Da er nicht nur Kirchenhistoriker sondern auch Pfarrer in der Martinskirche in Köllerbach ist, war es für uns beide selbstverständlich, dass meine private Premierenlesung dort stattfinden wird.

Wie hat eigentlich Ihre Familie reagiert, als Sie seinerzeit das Schreiben anfingen? Es ist ja ein Zeit raubendes Geschäft, und Kinder und Ehemänner sind nicht immer so geduldig.

Deana Zinßmeister : Letztendlich ist dieser Beruf nicht anders als jeder andere auch. Er bringt allerdings den Luxus mit sich, dass man ihn von Zuhause aus ausüben kann. Was manchmal auch nachteilig sein kann, jedoch überwiegen ganz klar die Vorteile. Dadurch war ich immer für meine Kinder erreichbar. Als die Buchverträge kamen, waren meine Kinder bereits flügge und konnten sich auch mal allein versorgen, wenn ich auf Lesereise oder zum Verlag musste. Heute - nach zehn Jahren des Schreibens - ist alles Routine geworden. Auch, dass ich, wenn der Abgabetermin immer näher rückt, fast nur noch am Schreibtisch sitze und für nichts anderes mehr Zeit habe.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages mit dem Schreiben aufzuhören? Vielleicht finden Sie ja keinen zündenden Stoff mehr?

Deana Zinßmeister : Ich trage noch sehr viele Geschichten in mir. Allein wenn ich in den Archiven recherchiere, finde ich immer wieder Unglaubliches, was wert wäre, als Romangeschichte niedergeschrieben zu werden. Aber auch meine Berater wie Prof. Dr. Johannes Dillinger, Dr. Dieter Staerk oder auch Prof. Dr. Joachim Conrad versorgen mich immer wieder mit interessanten historischen Buchideen, so dass ich mir diesbezüglich keine Gedanken machen muss.

Zum Thema:

 Deana Zinßmeister gehört zur ersten Liga der Historienroman-Autorinnen. Foto: M. Jungen
Deana Zinßmeister gehört zur ersten Liga der Historienroman-Autorinnen. Foto: M. Jungen Foto: M. Jungen

Zur Person Deana Zinßmeister ist in Lebach geboren. Mit 44 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Fliegen wie ein Vogel…". Sie lebt mit Mann und Hund Capper in Heusweiler. Ihr Sohn und ihre Tochter sind erwachsen. Premierenlesung ist am 15. Januar, 17 Uhr, in der Martinskirche in Köllerbach. Eintritt frei. red