Amateurtheater in der Region Bühnenkönner erzählen stark von Schuld

Homburg/Heusweiler/Saarbrücken/Sulzbach · Das Homburger Amateur Theater verwandelt Ferdinand von Schirachs Episoden in packende Szenen.

 Gut  gelaunt bei der Probe, von links: Kristina Betz, Marcel Schmitz, Margit Schillo, Dieter Meier, Yvette Süsser, Cleo Marquitz,  Daniel Both.

Gut gelaunt bei der Probe, von links: Kristina Betz, Marcel Schmitz, Margit Schillo, Dieter Meier, Yvette Süsser, Cleo Marquitz, Daniel Both.

Foto: KERSTIN KRAEMER

„Ich räume diesen Stuhl weg!“ Sicher? „Ja, ich glaube, das ist meine Aufgabe.“ Ganz gewiss sind sich die Schauspieler nicht, zumal heute die Regieassistentin fehlt, die man fragen könnte, weil sie alles genau protokolliert. Und so wird die Verantwortung für das betreffende Möbel noch eine Weile weiterdiskutiert, bevor es mit der Probe weitergeht. Stühle, Tische, zwei Garderobenständer und ein paar Requisiten: Fertig ist die Kulisse für das literarische Theaterstück „Verbrechen“, mit dem das Homburger Amateur Theater eigentlich in der Saarbrücker Breite 63 Premiere hätte feiern wollen. Wegen eines Krankheitsfalls im Ensemble muss die für den 1. März geplante Uraufführung verschoben werden. Die erste Vorstellung ist jetzt am 15. März im Salzbrunnenhaus in Sulzbach.

 Bei dem Schauspiel handelt sich um eine Bühnenbearbeitung nach dem gleichnamigen Werk Ferdinand von Schirachs: In seinem Erzählband „Verbrechen“, zugleich sein erster Bestseller, schildert von Schirach exakt, lakonisch und unprätentiös Fälle aus seiner Karriere als Strafverteidiger und nimmt wechselnde Perspektiven ein – die der Unschuldigen, der Schuldigen und der schuldlos Schuldigen. Aus diesem Fundus haben sich die Homburger drei der bewegendsten, humorvollsten und kuriosesten Episoden ausgesucht und diese selbst fürs Theater adaptiert. Die Dramatisierung besorgten Bettina Mick, Daniel Both und Dieter Meier, die außerdem selbst mitspielen und jeweils bei einer Geschichte auch Regie führen.

Nun hat von Schirach einen klangvollen Namen, der renommierten Schauspielhäusern volle Säle garantiert – war’s da für einen kleinen Amateurverein schwierig, an die Rechte zu kommen? „Gar nicht“, sagt Meier strahlend, der mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch verhandelte. Die Kosten für die Rechte übernimmt der Verband Saarländischer Amateurtheater (VSAT), der einen Proberaum in Heusweiler zur Verfügung stellt. Hauptsächlich geprobt wird allerdings in der Hohenbergschule Homburg, wo das Traditionsensemble seit Jahren heimisch ist und aus der Beletage bald in einen frisch renovierten Raum im Erdgeschoss umziehen darf. Um allen Bedürfnissen seiner Mitglieder gerecht werden zu können, hat sich das Homburger Amateur Theater in diesem Jahr gesplittet: Die eine Hälfte des Ensembles spielt Boulevard; die Premiere von Ray Cooneys „Cash oder Ewig rauschen die Gelder“ ist für den 19. und 20. April geplant. Und die anderen wollten gern ein Kriminalstück machen, aber eben nichts Abgedroschenes, erläutert Both – deswegen fiel die Wahl auf von Schirach. Zumal dessen Name zieht. Und seine Stücke weder Schwarzweiß-Malerei betreiben noch reflexhafte Urteile fällen, sondern die Frage nach Schuld differenziert betrachten.

 Das Bühnenbild ist bewusst reduziert gehalten: Erstens spart das Geld und Lagerraum, und zweitens ist man flexibler – die Homburger geben gern Gastspiele. Dass in den einzelnen Szenen nun fast immer alle zusammen auf der Bühne stehen (abwechselnd zwischen Schauspieler- und Erzählerrolle), ist neu. Überhaupt ist es ein Debütantenstadl: Die Abiturientin Cleo Marquitz spielt zum ersten Mal Theater, Yvette Süsser freut sich, „zum ersten Mal mehr als vier Sätze sagen“ zu dürfen, und erstmals wurde eine Prosa-Vorlage selbst bearbeitet.

 Es spielen beileibe nicht nur Einheimische mit: Marcel Schmitz etwa gibt bei den Homburgern nun seinen Einstand, ihn kennt man beispielsweise von Martin Leutgebs „Volkstheater in der Kettenfabrik“. Schmitz wurde von dem omnipräsenten Theater-Urviech Dieter Meier angeworben, während Daniel Both, der bereits seit Jahren dabei ist und den weiten Weg aus Nalbach auf sich nimmt, wiederum seine frühere Ensemble-Kollegin Kristina Betz von der Unitheatergruppe „Thunis“ mitgebracht hat.

 Und was hat gleich nochmal Meier nach Homburg verschlagen? Na das Volksstück „Der Brandner Kaspar“, wo Meier mit Hingabe den Tod mimt. Die Open-Air-Produktion hatte 2019 Premiere, wurde aber von Corona ausgebremst. Vom 23. bis 30. August steht das Mundartstück nun zum dritten Mal auf dem Spielplan – und dann sind in der Hohenburger Ruine alle Homburger Aktiven wieder glücklich miteinander vereint.

Premiere: Freitag, 15. März, 19.30 Uhr, Salzbrunnenhaus Sulzbach. Wieder: ebenda Samstag, 16. März, 19.30 Uhr, und Sonntag, 11 Uhr (Matinee). Eintritt 14/8 Euro. Weitere Termine im Herbst. Karten, Infos: (01 62) 40 20 438, info@hat-ev.de

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