Heusweiler ohne Buchhandlung

In Büchern stöbern – damit ist es in der Trierer Straße vorbei: Die Geschichte der Buchhandlung Schmidt ist zu Ende geschrieben. Das letzte Kapitel wurde auch durch die Baustelle vor der Haustür bestimmt.

"Es ist einfach schade, wenn eine Gemeinde wie Heusweiler , mit fast 20 000 Einwohnern, keine Buchhandlung mehr hat", sagt Wolfgang Schmidt. - Ja, es ist traurig, aber ab Montag eine Tatsache. Denn diesen Samstag hat die "Buchhandlung Anton Schmidt" zum letzten Mal geöffnet. Vor 109 Jahren eröffnete Wolfgang Schmidts Großvater das Geschäft, machte dort Bilderrahmen und war auch gelerner Buchbinder, ebenso Wolfgang Schmidts Vater - so sagen Heusweiler Bürger noch heute: "Mir gehn zum Buchbinner". Nach dem frühen Unfalltod des Großvaters führte die Großmutter ein Schreibwarengeschäft, und in den 50ern wurde es unter den Eltern zur "Buchhandlung Anton Schmidt". Wolfgang Schmidt fing 1977 in der Buchhandlung an, seit 1980 betreibt sie der heute 62-Jährige in Eigenregie, heute auch unterstützt von seiner Frau Michelle Schmidt. Das Haus, das ebenfalls der Familie gehörte, ist nun verkauft, was aus dem Ladenlokal wird, ist noch unklar.

Wirtschaftlich war es für die Buchhandlung immer schwieriger geworden. So hatte - "und das sollten Sie schon erwähnen", sagt Schmidt - 30 Jahre lang seine Angestellte Carmen Rodenbusch die Kunden kompetent beraten, doch habe man sie seit Januar nicht mehr halten können. Jetzt will sich auch Wolfgang Schmidt nach einer neuen Arbeit umsehen, und er ergänzt: "Wenn jetzt noch jemand das Geschäft übernehmen will: Noch kann er es mitsamt der Einrichtung haben."

Die kleinen Buchhändler haben es nicht leicht. Erst voriges Jahr hat in Sulzbach die sehr rege Buchhandlung Strauß aufgegeben, ebenso in Lebach die Buchhandlung Queißer, die 35 Jahre am Ort gewesen war. Die Konkurrenz, so Schmidt, sei nicht einmal so sehr das E-Book, aber durchaus der Internet-Buchhandel. Und im Schreibwaren-Sektor sind die Discounter wie Aldi und Lidl zur Konkurrenz geworden.

Aber auch ganz eigene Probleme hätten sich in der Trierer Straße in Heusweiler entwickelt. Schon nachdem die Post 2004 dicht gemacht hatte, sei ein "gewisser Magnet" verloren gegangen. Nach und nach sind dann etwa auch die Metzgerei, eine Konditorei und zwei Banken verschwunden, was alles für einen Rückgang der Laufkundschaft sorgte. Und zum Schluss dann die Dauer-Baustelle in der Trierer Straße. Natürlich, so Schmidt, müssen Leitungen und Straßen irgendwann mal erneuert werden, und anfangs habe man der Baustelle auch noch gelassen entgegen gesehen. Doch dann gab es Tage mit bis zu 50 Prozent Kundenrückgang, und so habe die Baustelle das Geschäft letztlich doch hart getroffen. Schmidt verhehlt auch nicht: "Ich hätte mir mehr Unterstützung von der Gemeinde gewünscht." Vielleicht mit einer Kampagne bei der die Bürger ermuntert werden, die Geschäfte auch in der Baustellen-Zeit nicht zu vergessen - zumal man doch auch wieder Geschäfte im Ort haben wolle, wenn die Baustelle wieder weg ist.

Trotz allem glaubt Schmidt aber, dass es ein junger Buchhändler , vielleicht auch als Familienunternehmen , auch heutzutage noch schaffen könne, wenn er sich engagiert in die Arbeit stürzt - ohne Baustelle.

Zum Thema:

Im Köllertal gab es bisher in jeder der drei Kommunen eine klassische Buchhandlung. Jetzt verbleiben die Buchhandlung Balzert-Stein in der Püttlinger Pickardstraße und die Riegelsberger Bücherstube in der Marienstraße. Zudem gibt es auch beim PVS Pressevertrieb Saar (Linsenmeier & Klein GmbH) in Heusweiler-Holz (Saarstraße 133) eine Buchhandlung (montags bis donnerstags, 8 bis 17 Uhr, freitags 8 bis 13.45 Uhr). Insbesondere Taschenbücher gibt es zudem auch in den Schreibwarengeschäften der drei Köllertal-Kommunen. Videotheken : Auch "bewegte Geschichten" gibt es neuerdings im Köllertal nicht mehr zu leihen: Die Videothek in Püttlingen (Pickardstraße) schloss kürzlich ihre Pforten, die Videothek in Heusweiler (Saarbrücker Straße) hat noch bis Ende des Monats Ausverkauf. Die meisten Videotheken stehen heutzutage durch die Online-Videotheken und Internet-Streaming-Dienste unter Druck. mr