Einwohnerfragestunde des Heusweiler Gemeinderats Wenn der Rat ohne Nachfrage entscheiden: Deshalb platzte Heusweiler Erziehern der Kragen

Heusweiler · Fünf Kindertagesstätten der Kommune protestierten im Heusweiler Gemeinderat gegen längere Betreuungszeiten.

 Erzieher Philipp Spaniol ergriff das Wort und äußerte die Vorbehalte des Kitapersonals gegenüber den längeren Kinderbetreuungszeiten.

Erzieher Philipp Spaniol ergriff das Wort und äußerte die Vorbehalte des Kitapersonals gegenüber den längeren Kinderbetreuungszeiten.

Foto: Fredy Dittgen

Rund 40 Erzieherinnen und Erzieher der fünf gemeindlichen Heusweiler Kindertagesstätten protestierten in der jüngsten Einwohnerfragestunde des Heusweiler Gemeinderates gegen die vom Rat im Mai dieses Jahres mehrheitlich beschlossene Ausweitung der Kinderbetreuungszeiten in den Kitas Heusweiler, Holz, Wahlschied, Kutzhof und Lummerschied.

Wie von uns berichtet, hatte der Rat mit den Stimmen der SPD, der Grünen, der GLN-Fraktion, der FDP und des parteilosen Jörg Franke beschlossen, dass die Kinder in allen gemeindlichen Kindergärten zukünftig nicht mehr von 7 bis 17 Uhr, sondern von 6 bis 18 Uhr betreut werden sollen. Den Antrag dazu hatte die SPD gestellt. Die CDU und Werner Kaninke (AfD) waren gegen eine Ausweitung gewesen (Die SZ berichte).

Philipp Spaniol, Erzieher in der Kita Kutzhof, überbrachte in der Fragestunde jetzt die Bedenken der Kitaleitungen. „Wir waren über den Beschluss schockiert und sind voller Sorge“, sagte Spaniol. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas würden wegen der neuen Betreuungszeiten kündigen müssen, weil es ihnen „familienorganisatorisch“ nicht mehr möglich sei, das eigene Kind aus anderen Einrichtungen abholen zu können, so Spaniol. Außerdem habe niemand der Gemeinderäte die Erzieherinnen und Erzieher befragt, wie sie zu der Neuregelung stehen, und man habe aus den sozialen Medien erfahren müssen, dass der Rat die Öffnungszeiten geändert hat.

„Das war für uns ein Schlag ins Gesicht. Warum hat man uns nicht eingebunden und ist nicht vor Ort gekommen?“, wollte Spaniol wissen. Die Personalsituation in den Kitas sei ohnehin schon sehr eng, werde sich durch die Kündigungen noch verschärfen und Fachpersonal wachse nicht auf Bäumen, für eine Aufpersonalisierung müsse man also auf Ungelernte zurückgreifen“, betonte Spaniol. Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) erinnerte daran, dass die Gemeindeverwaltung immer gegen eine Ausweitung der Öffnungszeiten gewesen war, „weil man um die Personalsituation in den Kitas gewusst“ habe. SPD-Fraktionssprecher Stefan Schmidt sagte: „Es gab aus der Bevölkerung und der Elternschaft den erkennbaren Wunsch, die Bedingungen in den Kitas an die Lebensrealitäten der Menschen anzupassen.“ Man habe deshalb eine Bürgerbefragung durchgeführt, die den Bedarf bestätigte. Die Kitas über den Beschluss einer Ausweitung der Öffnungszeiten zu informieren, sei nicht Aufgabe des Gemeinderates, sondern der pädagogischen Gesamtleitung der Kindertagesstätten Heusweiler (Marianne Kunz) gewesen.

Dieser Aussage widersprach Bürgermeister Redelberger heftig: „Die Schuld der pädagogischen Gesamtleitung in die Schuhe zu schieben, ist eine Farce!“ Der CDU-Fraktionssprecher Manfred Schmidt sagte, dass die CDU keinen wirklichen Bedarf für eine Änderung der Öffnungszeiten sehe, dass eine Aufpersonalisierung schwierig sei und dass die Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses nicht funktionieren werde, weil er nicht zu Ende gedacht worden sei.

Bürgermeister Redelberger gab den Erzieherinnen und Erzieher mit auf den Weg, die Verwaltung wisse, dass die Suche nach zusätzlichem Personal für die Kitas „unmöglich bis schwierig“ sein wird und dass die strukturelle Organisation der geplanten Änderungen innerhalb der Kitas zu massiven Problemen führen werde. „Und wenn es dann auch noch zu Kündigungen kommt und wir keine Ersatzlösung dafür finden, können wir das Konzept auch nicht umsetzen, das weiß auch der Rat“, so Redelberger.