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Heusweiler: Gemeinderat stimmt für Verlegung von Stolpersteinen

Einstimmiger Beschluss im Gemeinderat : Heusweiler verlegt Stolpersteine

Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung für die kleinen Bodenplatten zum Gedenken ermordeter und vertriebener jüdischer Bürger.

Damit auch in Heusweiler an das Leben jüdischer Menschen während der Nazizeit erinnert wird, will die Gemeinde Heusweiler sogenannte Stolpersteine verlegen lassen. Zuvor will die Gemeinde ermitteln, wo und in welcher Form es jüdisches Leben vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat und wer in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurde. Das beschloss der Heusweiler Gemeinderat jetzt auf Antrag der SPD einstimmig.

Die Stolpersteine sind ein 1992 gestartetes Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand mittels Hammer und Schlagbuchstaben eingeschlagenen Lettern beschriftet und werden von einem angegossenen Betonwürfel mit einer Kantenlänge von 96 mal 96 und einer Höhe von 100 Millimetern getragen. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster beziehungsweise den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

„Das Thema wurde bei uns bisher stiefmütterlich behandelt. Wir sollten uns jetzt auf den Weg machen, hin zu einer aktiven Erinnerungskultur“, begründete Stefan Schmidt (SPD) den Antrag seiner Fraktion. Er rief die Verwaltung auf, die Ermittlungen gemeinsam mit den historisch tätigen Vereinen – wie dem Heimatkundlichen Verein oder dem Verein für Industriekultur und Geschichte – sowie mit der historischen Fakultät der Universität des Saarlandes und dem historischen Museum Saar durchzuführen.

Und die Arbeit soll nicht nur mit einer Verlegung von Stolpersteinen enden, Stefan Schmidt empfahl der Verwaltung auch in Kooperation mit den Schulen eine aktive Erinnerungskultur zu pflegen. „Denn Heusweiler hat nicht nur eine christliche Vergangenheit, sondern auch eine jüdische“, betonte Stefan Schmidt.

Hans-Kurt Hill (GLN) erinnerte daran, dass es in Heusweiler bis Mitte der 1930er Jahre mehrere jüdische Kaufhäuser gegeben hatte, zum Beispiel auf dem Heusweiler Marktplatz. Es sei an der Zeit, daran zu erinnern, was mit diesen Menschen geschehen ist, sagte Hill.

Für den Antrag der SPD gab es im Heusweiler Gemeinderat breite Zustimmung. So sagte Hans-Gerd Lafontaine (Grüne): „Ein ausgezeichneter Antrag!“ Mark Bernauer (CDU) sagte: „Es ist ein toller Antrag, aber eigentlich kommt er 40 Jahre zu spät.“ Ähnlich Ulrich Krebs (FDP): „Der Antrag kommt spät, aber besser als nie.“