Gegen Verkehrs-Chaos: "Bring-Zonen" an Schulen im Regionalverband

Verkehrs-Chaos vor Schulen : „Elternhaltestelle wird gut angenommen“

Um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, steigt die Zahl der Parkzonen für Eltern. Nach Saarbrücken gibt es jetzt auch welche in Heusweiler und Sulzbach.

Was hört man so alles morgens, wenn Eltern ihre Kinder zur Grundschule bringen? „Tschüss!“ „Hab‘ dich lieb!“ Und:  „Vorsicht! – Das war knapp!“ Letzteres vor allem dort, wo es unübersichtlich ist, weil Eltern in engen Straßen und Zufahrten ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer  fahren würden. In Heusweiler hat die Gemeindeverwaltung reagiert, indem sie einen originellen Hexennacht-Streich zur Realität gemacht hat: An der Grundschule im Ortsteil Dilsburg hingen nach der Hexennacht plötzlich zwei „Verkehrsschilder“, die Halteplätze für Eltern kennzeichneten, von denen aus die Kinder doch bitte zu Fuß gehen sollen. Eines der Schilder ähnelt einem Haltestellen-Schild. Das andere ist – in Anlehnung an „Park & Ride“-Plätze – als „Kiss & Ride“-Platz gekennzeichnet. Heißt: Nach dem Abschiedsküsschen geht’s von hier zu Fuß zur Schule.

Ein „Kiss & Ride“-Parkplatz: Nach einem Abschiedsküsschen sollte das Kind von hier aus alleine zu seiner Schule gehen. Foto: BeckerBredel

Aus dem Spaß wurde jetzt Ernst: Die Verwaltung hat die Schilder nachbauen lassen und an ihren drei Grundschulstandorten entsprechende „Bring-Zonen“ eingerichtet, das Ganze verbunden mit einem pädagogischen Konzept – etwa an der Grundschule Dilsburg. Mit Bürgermeister Thomas Redelberger, der Schulleitung und Lehrern haben Schüler der Klasse 2.3 beim Einrichten der Parkzone geholfen und auch – als wäre dort jemand mit farbigen Füßen gelaufen – viele bunte Fußabdrücke von der Haltezone zur Schule auf den Gehweg gemalt, wo es sicher zur Schule geht. Künftig, sagt Schulleiterin Julia Neiser-Mohm, soll zur Verkehrserziehung an der Schule auch gehören, dass ältere Kinder den jüngeren Schülern Sinn und Zweck der Haltezone erklären, und dass die Schüler die Markierungen und Fußabdrücke regelmäßig auffrischen. Bestenfalls sorgen die Schüler, die zu Hause von den Aktionen erzählen, so auch für Einsicht bei den Eltern zu ihrem „Bring-Verkehr“.

Kinder der Grundschule Heusweiler-Dilsburg malen – mit Hilfe von Bürgermeister Thomas Redelberger – Fußabdrücke auf den Gehweg, die den sicheren Weg vom Eltern-Haltepunkt zur Schule markieren. Foto: Marion Vogt-Hürstel / Gemeinde Heusweiler/Marion Vogt-Hürstel

Heusweiler ist nicht die einzige Kommune, die das morgendliche „Bring-Chaos“ an Grundschulen in geregeltere Bahnen lenken will. In Saarbrücken gibt es an mehreren Schulen Elternhaltestellen. Peter Jochum, Leiter der Saarbrücker Marienschule, freut sich: „Die Haltezone wird gut angenommen und respektiert.“ Mitte März hatte die Stadt Saarbrücken in der Roonstraße die Bushaltestelle verkürzt, weil die Busse nicht so viel Platz brauchen, und eine „Kiss & Ride-Zone“ eingerichtet. Das heißt hier: Die Eltern dürfen höchstens fünf Minuten halten und die Kinder rauslassen. Das gilt montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr. Früher habe es dort schon Parkplätze gegeben, die aber ständig belegt waren, erklärt Jochum. Das sei nun vorbei. Jetzt gebe es rund zehn Parkplätze, die die Eltern für kurze Zeit nutzen können. Dass es so gut klappt, ist nach seiner Ansicht auch das Ergebnis einer Aktionswoche, als Schüler, Polizei und Ordnungsamt die Autofahrer auf die neue Regelung hingewiesen haben.

Ein Hexennacht-Streich wird Realität: Nahe der Heusweiler Grundschule hat die Gemeindeverwaltung die - durch eine Hexennacht-Plakatierung geforderte - Eltern-Parkzone angelegt. Schulkinder haben zudem eine bunte "Fuß-Spur" für den sicheren Weg von der Haltezone bis zum Schuleingang gemalt. Rechts im Bild Bürgermeister Thomas Redelberger, neben ihm Schulleiterin Julia Neiser-Mohm. . Foto: Marco Reuther/SZ/Marco Reuther

Die Stadt Saarbrücken hat weitere Elternhaltestellen an der Max-Ophüls-Grundschule, dem Rotenbühl-Gymnasium, der Grundschule in St. Arnual und der Turmschule in Dudweiler eingerichtet. „Grundsätzlich werden die Elternhaltestellen gut angenommen“, meint Pressesprecher Thomas Blug. Allerdings waren alle oder einige der Stellplätze für die Eltern an der Ophüls-Grundschule in den vergangenen Monaten morgens oft zugeparkt. Blug sagt: „In der Regel kontrolliert das Ordnungsamt an jeder Schule einmal wöchentlich. Vom 2. April bis 16. Mai gab es sieben Kontrollen. Dabei wurden neun Fahrzeuge wegen Parkens im eingeschränkten Halteverbot verwarnt.“ Die Knöll­chen kosten je 15 Euro. Wer länger als eine Stunde dort parkt, zahlt 25 Euro, erklärt Blug. Die Stadt setze aber vor allem auf den Dialog und die Einsicht der Autofahrer. Im Normalfall würden die Falschparker mündlich verwarnt. Erst wenn Autofahrer mehrfach falsch parken, werde ein Verfahren eingeleitet.

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