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Freimut Mertes und seine Bongos Bigband

Interview : „Ich habe eine unbändige Freude daran“

Mit Bongos Bigband sorgt der 83-Jährige seit Jahren für volles Haus in Heusweiler und Quierschied. Jazz-Matineen mit Gast-Künstlern.

Die Bongos Bigband (BBB) ist ein Unikat in der saarländischen Jazzlandschaft. Vor 40 Jahren von Freimut Mertes gegründet, spielt die etwa 25 Musiker umfassende Band jedes Jahr acht Konzerte, die immer unterschiedlich ausfallen und gerne in Kombination mit anderen Kunstformen angeboten werden. Motor des Ganzen ist nach wie vor der 83-jährige Mertes aus Quierschied, dessen Sohn Wolfgang Erster Konzertmeister des Saarländischen Staatsorchesters ist.

Herr Mertes, Ihre Konzerte erleben seit Jahren großen Zuspruch. Welche Gründe gibt es dafür?

Freimut Mertes: Es sind dies ein ganzes Paket von Faktoren: Zum Beispiel erlebt der Besucher jedes Mal eine Begegnung mit Malerei, Fotografie, Lyrik und im Vordergrund stehend natürlich vielfältigem Bigbandsound. Dazu gibt es aber noch weitere Bausteine, die das Projekt attraktiv machen.

Als da wären?

Freimut Mertes: Wir würzen das Programm mit vielerlei Zutaten, in den letzten Jahren etwa waren das Balletttänzerinnen, Stepptänzer, Kabarettisten, Mundartdichter, dazu verschiedene Instrumentalsolisten oder Livemalerei.

Was steckt dahinter, dass das Format über 40 Jahre erfolgreich durchgehalten werden konnte?

Freimut Mertes: Im Grunde ist es ein Angebot, das darauf eingeht, dass die Besucher einerseits eine vertraute Situation vorfinden, andererseits aber auch immer etwas Besonderes präsentiert bekommen. Außerdem besteht eine Regelmäßigkeit: So sind die Konzerte immer sonntags, immer um elf Uhr, immer mit freiem Eintritt und meistens am gleichen Ort, seit Jahren in der Kulturhalle Heusweiler. Ausnahmsweise treten wir auch mal in der Q.lisse in Quierschied auf. Dem Zuhörer sind also schon im voraus etliche Daten vertraut. Und vielen Besuchern ist auch eine Platzreservierung wichtig.

Wie organisieren Sie im Vorfeld die Platzreservierung?

Freimut Mertes: Thomas Hippchen, der unsere Homepage pflegt, verschickt über unseren Verteiler die Einladungen. Dazu werden an fünf verschiedene Pressestellen frühzeitig Hinweise gesendet. Bei mir landen dann die Reservierungswünsche. Am Ende liegen Namenskarten auf den Stühlen, Platzanweiser helfen den Gästen beim Finden der Plätze. Auf einer weiteren Liste kann man sich für das nächste Konzert eintragen, und auf einer anderen hat man die Möglichkeit, seine Mailadresse zu hinterlegen, um zukünftig zu jedem Bigbandkonzert eingeladen zu werden. Der zeitliche Abstand zwischen den Konzertterminen sollte nicht einige Monaten betragen, da sonst der Kontakt zur „Fangemeinde“ zu sehr schrumpfen würde.

Zur stilistischen Ausrichtung von BBB: Welchen Umfang hat das musikalische Angebot?

Freimut Mertes: Bigbandjazz ist natürlich das Herz unserer Konzerte, unsere Leidenschaft. Swing-, Latin-, Rocktitel und auch Balladen sind in jedem Konzert anzutreffen, alles durchaus modern, ohne die Klassiker zu vernachlässigen. Verschiedene Sängerinnen und Instrumentalsolisten der Profiklasse bringen die notwendige Abwechslung. Zum Beispiel mein Sohn Wolfgang, einer der bekanntesten Crossover-Geiger, er beeindruckt regelmäßig mit seiner Virtuosität und seinen einfühlsamen und eindrucksvollen Tongirlanden über den Gesangslinien. Immer wieder bekommen wir das Feedback, dass unsere Spielfreude zu spüren ist, und das wissen unsere Besucher zu schätzen. Wir spielen, weil wir Jazz und Bigbandsound lieben, und dafür opfern wir gerne viele Stunden unserer Freizeit. Und wenn wir den Besuchern das vermitteln können, ist es ein großartiges Gefühl.

Spielen Sie dann bei jedem Konzert neue Titel?

Freimut Mertes: Weil wir ein sehr großes Repertoire haben, können wir häufig Titel spielen, die wir schon oft gespielt haben; zudem lieben Zuhörer Titel, die für sie bekannt sind. Um das Gefühl zu vermitteln, dass man in einer „Fangemeinde“ zu Hause ist, spielen wir  am Anfang und am Schluss immer dieselben Titel. Der Schlusstitel wird von den Besuchern mitgesungen, und das seit vielen, vielen Jahren.

Wie sieht die Besetzung aus?

Freimut Mertes: Wir spielen in der üblichen Besetzung einer Bigband; dazu gesellen sich aber auch ein Vibraphon und eine E-Geige. Fast alle Positionen sind doppelt besetzt, damit wir auf Aushilfen verzichten können.

Wann sind die nächsten Auftritte?

Freimut Mertes: Am 15. Dezember in der Q.lisse in Quierschied und am 22. Dezember in Heusweiler.

Woher nehmen Sie die Energie für diese sicher anstrengenden Aktivitäten?

Freimut Mertes: Ich habe einfach eine unbändige Freude daran, musikalische Formate zu bewegen und zu gestalten.

Was ist nächstes Jahr geplant?

Freimut Mertes: Nächstes Jahr spielen wir mindestens sechs Konzerte in Heusweiler und zwei in Quierschied.

Freimut Mertes. Foto: Thomas Seeber

Weitere Infos auf: www.bongos-bigband.de